Eine Sammlung von Liebeslyrik deutscher Dichter und Dichterinnen

Zeitraum: 16. bis 20. Jahrhundert



Marc Chagall - Die Liebenden
(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2014



Gedicht der Woche:


Schönheits-Attribute

Leuchtend weiße zarte Händchen,
Feine Diebchen, Feuerbrändchen,
Herzen, die ihr eingefangen,
Euch an jedem Finger hangen.
Ihr rubindurchglühte Spitzen,
D'raus verborg'ne Funken blitzen.
Süß geschwellte, holde Lippen,
Zähnchen, Alabasterklippen,
Die dem schwankend leichten Boot
Meines Herzens Schiffbruch droht.
Blitzeleiter, Augensonnen,
Die so manchen Sieg gewonnen.
Deren leuchtend heller Schimmer
Ueberstrahlt der Sterne Flimmer.
O, den Tag könnt ihr erwecken,
Daß sich muß die Nacht verstecken.
Stärker ihr als Sternenlicht,
Denn der Sonne weicht ihr nicht.
Meine Welt dürft ihr verklären,
Wie die Sonn' die Hemisphären.
Euren Perlenmutter-Schein,
Schließt durchsichtig Elfenbein,
Doch geschlossen oder offen
Wird durch Euch mein Herz getroffen.
Brauen, wunderholde Bogen,
Die Cupido's Hand gezogen,
Schmal und edel, fein und stolz,
Dunkel, wie von Ebenholz.
Nette Ränder von dem Schrein,
Der da schließt Juwelen ein.
Wangen zart von Eis und Glut,
Lilienmilch und Rosenblut.
Mund der von Granaten stammt,
Kohle die mein Herz entflammt.
Stirne, offen schön und wahr,
Leuchtend wie die Lilie klar,
Wie des Meeres Spiegelbahn
Ziehst du meine Augen an.
Ihr anmutig goldne Flocken,
Feingekräuselt helle Locken,
Zart durchsichtig Labirinth
Wie's der Seidenwurm nicht spinnt,
Duftgewebe, Zauberfädchen,
Dran mich lenkt das süße Mädchen,
D'raus sie Schlingen dreht zu fangen,
Netze, d'rin so manche hangen.
Flöckchen, Löckchen zum Entzücken,
Schelme seid ihr voller Tücken,
Leicht gelockte gold'ne Flocken,
Leicht gelockt um leicht zu locken,
Schiffbruch habt ihr mir geschworen,
Denn die Bahn hab' ich verloren.
Wie soll ich mich noch erretten,
Da ihr webet Sklavenketten,
Die mit Banden mich umwanden,
Daß ich stranden muß und branden;
Ach, an einem einz'gen Riff
Scheitert schon ein schwaches Schiff.
Gern versengen Schmetterlinge
An umtanzter Glut die Schwinge,
Und wie schnell ist der gefangen,
Der so gern in's Netz gegangen.

Pieter Corneliszoon Hooft (1581-1647)

Aus dem Niederländischen übersetzt
von Luise von Ploennies (1803-1872)

(Geändert am 20. März 2015)

 

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