Sophie Albrecht (1757-1840) - Liebesgedichte

Sophie Albrecht

 

Sophie Albrecht
(1757-1840)

 

Trost


Es lebt ein Gott der Liebe -
Der Trost soll uns genügen!

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An Ferdinand
Im Mai 1788


Du liebest mich! -
Mir blüht die Rose wieder
In neu erwachter Gluth;
Froh tönen mir des Haines Lieder,
Mir braus't der Sturm, mir rauscht der Elbe Fluth:
Du liebest mich! -

Ich liebe dich! -
Mir lispelts durch die Bäume,
Mir rufts des Morgens Pracht,
Ich les' es in der Blüthen Keime,
In Dämmerung, in schwarzer Mitternacht:
Ich liebe dich! -

Du liebest mich! -
Der ganzen Schöpfung Fülle
Gehört uns beiden nur.
Des Lebens Puls, noch jüngst so stille,
Hüpft glühend durch die Adern der Natur:
Du liebest mich!

Ich liebe dich!
Von deinem Arm umschlungen,
Möcht ich unsterblich sein;
Von deiner Liebe Kuß durchdrungen,
Durchbebt es wonnig mein Gebein:
Ich liebe dich!

Du liebest mich!
Des Todes kalte Stunde
Schmilzt nicht des Herzens Gluth;
Die Flammen in der Seelen Bunde
Löscht nicht der Tod; - nicht Lethes düstre Fluth:
Du liebest mich!

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Liebe


Süße Qual in meinem Herzen,
Die sein holder Name giebt,
Ruft mit tausendfachen Schmerzen:
Nie als jetzt hab' ich geliebt!

Dieses Klopfen, dieses Sehnen,
Ha! wem gilt der Flammenstreit?
Sind der Tugend diese Thränen?
Sind der Wollust sie geweiht?

Sehnsucht, wie sie keine kannte,
Seit die Lieb' ein Weib gekannt,
Knüpfst du himmlisch unsre Bande?
Wirst du Unschuld noch genannt?

Tausend kühne Wünsche beben,
Kühn vermess'ne Pulse fliehn -
Wollt' ich ihnen Namen geben,
Würde Schaam die Stirn' umglühn.

Selbst der Tugend ernste Büste -
Einst mein schönstes Heiligthum -
Wandelt, seit sein Mund mich küßte,
Sich zur Liebesgöttin um.

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An F*.


Von allem, was wir einst in süßer Fülle hatten,
Von unbegränzter Liebe Glück,
Bleibt nichts, als der Ahnung Schatten,
Von goldner Zukunft mehr zurück.
Doch, ach! vielleicht, daß dieser Ahnung Palmen
Erst jenseits über Gräbern weh'n;
Hier sehn wir unsrer Liebe Erndtehalmen,
Dort werden wir die Früchte sehn.
Geschworen sei dir Liebe auch für jenes Leben,
Wo Treue ihre Strahlenkrone flicht;
Die Ewigkeit wird uns den Aufschluß geben,
Warum so manches Herz zu früh hier bricht.

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alle Liebesgedichte
von Sophie Albrecht


Gedichte aus: Anthologie aus den Poesien von Sophie Albrecht erwählt und herausgegeben von Friedrich Clemens Gerke Altona 1841

Biographie:
Albrecht, (Johanne) Sophie (Dorothea), geb. Baumer, * Dez. 1757 Erfurt, † 16.11.1840 Hamburg. - Schauspielerin u. Schriftstellerin.
A., Tochter eines Medizinprofessors, heiratete 1772 den späteren Unterhaltungsschriftsteller Johann Friedrich Ernst Albrecht, ließ sich 1798 von ihm scheiden u. heiratete ihn nach dem Tod ihres zweiten Gatten erneut. A. war neben ihrer Schriftstellerei als Schauspielerin bes. erfolgreich: So spielte sie die Eboli in der Premiere des Don Karlos (1787) von Schiller, mit dem sie befreundet war. 1783-1800 gehörte sie verschiedenen Theatergesellschaften an, u.a. der Bondinischen in Dresden u. Leipzig 1785-1795. Als später der Erfolg nachließ, mußte A. mit Gelegenheitsgedichten (u.a. zu Hochzeiten) u. -arbeiten (als Wäscherin u. Dienstbotin) ihren Unterhalt verdienen.
Ihr literar. Werk umfaßt Lyrik (z. T. im Voßschen »Musenalmanach« u. in Schillers »Thalia« publiziert), Dramen (meist Bearbeitungen für den Bühnenbedarf) sowie Geister-, Ritter- u. Räubergeschichten. A.s Texten liegt häufig die Motivkonstellation Liebessehnsucht, enttäuschte Liebe u. daraus erwachsendes Todesverlangen zugrunde.

WEITERE WERKE: Gedichte u. Schauspiele. 3 Tle., Erfurt/Dresden 1781-91. 21791. - Aramena, eine syr. Gesch., ganz für unsere Zeiten umgear-
beitet. (Nach Hzg. Anton Ulrich.) 3 Bde., Bln. 1783-87. - Ida v. Duba, das Mädchen im Walde. Eine romant. Gesch. Altona 1805. - Anth. aus den Poesien v. S. A. Hg. Friedrich Clemens. Altona 1841.
Aus: Autoren- und Werklexikon: Albrecht, Sophie, S. 2. Digitale Bibliothek Band 9: Killy Literaturlexikon, S. 370 (vgl. Killy Bd. 1, S. 99)


 

 

 

 

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