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Rosa Maria Assing
(1783-1840)
Frühlingslied
O Frühlingszeit!
Wie machst du das Herze so groß und weit!
Wie regt sich Alles munter da drinnen,
Wie werden so wach und lebendig die Sinnen!
Es haben die süßen Gefühle nicht Raum,
Es wogt in dem Herzen und schwebt wie ein Traum.
O Frühlingszeit!
O Wunderzeit!
O Frühlingszeit!
Wie schmückst du die Erde weit und breit!
Den weißen Mantel schon weggehangen,
Kommt sie im grünen Kleide gegangen,
Und was sie hielt in dem Winterhaus,
Die Blumen, die spendet sie freundlich aus.
O Frühlingszeit!
O Blüthezeit!
O Frühlingszeit!
Wie mahnst du an die vergangne Zeit!
Es hatte mit dir in tausend Wonnen
Mein süßes Liebeleben begonnen;
Und still, in Erinnrung und Liebe versenkt,
Mein Herze des vorigen Frühlings gedenkt.
O Frühlingszeit!
O Liebeszeit!
O Frühlingszeit!
Wie schöner warst du damals, denn heut'.
Es können nicht Worte kund euch geben
Das zarte Frühlings- und Liebeleben.
Ich kann nicht beschreiben, wie in der Brust
Mir wogte damals ein Meer von Lust.
O Frühlingszeit!
O Wonnezeit!
O Frühlingszeit!
Ich grüße mit stiller Hoffnung dich heut'.
Denn was im Winter die Erde verloren,
Das sieht sie mit dir sich wiedergeboren,
So bringst du vielleicht mir auch Alles zurück:
Die Liebe, den Liebsten und Liebesglück!
O Frühlingszeit!
O Hoffnungszeit!
_____
alle
Liebesgedichte
von Rosa Maria Assing
Gedicht aus:Rosa Maria's poetischer Nachlaß
Herausgegeben von D.A. Assing
Altona Verlag von Joh. Friedrich Hammerich 1841
Biographie:
Assing, Rosa Maria (Antoinette Pauline), auch: Rosa Maria, * 28.5.1783
Düsseldorf, † 22.1.1840 Hamburg. - Lyrikerin u. Erzählerin.
Die ältere Schwester Karl August Varnhagens wuchs zunächst bei ihrer
Mutter in Straßburg auf, folgte 1796 dem Vater nach Hamburg, der kurze
Zeit später starb. A. war dann Erzieherin in einem Hamburger
Patrizierhaus, bis sie 1815 den Arzt David Assing heiratete. Sie brachte
zwei Töchter, Ottilie Davide u. Ludmilla, u. einen Sohn zur Welt.
Freundschaftl. Beziehungen verbanden sie mit Amalie Schoppe u. Fanny
Tarnow, mit Kerner u. Uhland, mit Chamisso u. Fouqué. Die Berliner u.
die Schwäbische Romantik blieben für sie als geistige Bezugspunkte
lebenslang verbindlich. In Hamburg unterhielt sie einen kleinen Salon,
in dem in den 30er Jahren u.a. Gutzkow, Hebbel u. Heinrich Heine
verkehrten.
A.s erste poetische Versuche wurden unter ihren Vornamen in
verschiedenen Almanachen der Freunde gedruckt, so im sog. »Grünen
Musenalmanach« (1806. Hg. Chamisso u. Varnhagen), in »Erzählungen und
Spiele« (1807. Hg. Varnhagen u. Wilhelm Neumann), im »Poetischen
Taschenbuch« u. im »Deutschen Dichterwald« Kerners (1813. Neudr. Mchn.
1923) sowie in Helmina von Chézys »Aurikeln« (1816). Danach erschienen
in Gubitz' Zeitschrift »Der Gesellschafter« einige Gedichte (1826,
1830), v. a. aber die Erzählungen Herr Thomas Brown und seine Nachbarn
(1823. Neudr. Bln. 1847), Der Schornsteinfeger (1824. Mehrere Neudr.:
letztmals Zürich 1894) u. Clara (1827). Almanache u. Zeitungen enthalten
auch A.s Lyrik der 30er Jahre, so der »Deutsche Musenalmanach«, der
»Rheinische Odeon«, das »Morgenblatt für gebildete Stände«, der
»Preußische Volksfreund« u. die »Literarischen und kritischen Blätter
der Börsenhalle«. Nach ihrem Tod wurde ein Großteil dieser verstreuten
Dichtungen zusammen mit einigen unpublizierten Gedichten von ihrem Mann
David als Poetischer Nachlaß (Altona 1840) herausgegeben.
A.s Gedichte bewegen sich im Rahmen konventioneller Liebes- u.
Gelegenheitslyrik. Formal dominieren das Sonett u. die Liedform. Daneben
finden sich zahlreiche Nachdichtungen frz. Vorlagen. Die Erzählungen
variieren die Themen u. Muster damals verbreiteter
Unterhaltungsliteratur. A.s Dichtungen sind nicht in erster Linie
eigenständige schöpferische Produkte, sondern Ausdruck eines romant.
Geselligkeitsverständnisses, das sich im persönl. Austausch mit Freunden
artikuliert. Die poet. Texte bilden dabei nur einen kleinen Ausschnitt
dieser Salongeselligkeit. Als gleichrangig neben ihnen sind A.s
Fertigkeiten als Briefschreiberin, Scherenschnittkünstlerin u. Sammlerin
biograph. Materialien zu sehen. In ihrem Anspruch auf eine umfassende
künstlerische Durchdringung der Lebenswirklichkeit zeigt sich A. als
eine späte Vertreterin romantischer Geselligkeitskultur.
Aus: Autoren- und Werklexikon: Assing, Rosa Maria, S. 3. Digitale
Bibliothek Band 9: Killy Literaturlexikon, S. 801 (vgl. Killy Bd. 1, S.
241)
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