Balladen

- Gespräche zwischen Verliebten - lyrische Erzählungen - u.ä.
 

Frederic Leighton Der Fischer und die Sirene um 1856-58

 

Gottfried August Bürger
(1747-1794)


Lenardo und Blandine

Blandine sah her, Lenardo sah hin;
Sie trugen in Augen viel zärtlichen Sinn,
Blandine, die schönste Prinzessin der Welt,
Lenardo, der Schönsten zum Diener bestellt.

Zu Land und zu Wasser, von nah und von fern,
Erschienen viel Fürsten und Grafen und Herrn
Mit Perlen, Gold, Ringen und Edelgestein,
Die schönste der schönen Prinzessen zu frein.

Allein die Prinzessin war Perlen und Gold
War Prinzen mit blankem Gestein nicht so hold,
Als sie wohl ein würziges Blümlein entzückt,
Vom Finger des schönsten der Diener gepflückt.

Der schönste der Diener trug hohes Gemüt,
Obschon nicht entsprossen aus hohem Geblüt.
Gott schuf ja aus Erden den Ritter und Knecht.
Ein hoher Sinn adelt auch niedres Geschlecht.

Und als sie 'mal draußen, in fröhlicher Schar,
Von Schranzen umlagert am Apfelbaum war,
Und alle genossen der lieblichen Frucht,
Die emsig der flinke Lenardo gesucht;

Da bot die Prinzessin ein Äpfelchen rar
Aus ihrem hellsilbernen Körbchen ihm dar;
Ein Äpfelchen rosig und gülden und rund;
Dabei sprach ihr holdseliger Mund:

"Nimm hin für die Mühe! der Apfel sei dein!
Das Leckere wuchs nicht für Prinzen allein.
Er ist ja so lieblich von außen zu sehn,
Will wünschen, das drinnen sei zehnmal so schön!" -

Und als sich der Liebling gestohlen nach Haus,
Da zog er, o Wunder! ein Blättchen heraus.
Das Blättchen im Apfel saß heimlich und tief;
Drauf stand gar traulich geschrieben ein Brief.

"Du Schönster der Schönsten von nah und von fern,
Du Schönster vor Fürsten und Grafen und Herrn,
Der du trägst züchtiger, höher Gemüt
Als Fürsten und Grafen aus hohem Geblüt;

"Dich hab' ich vor allen zum Liebsten erwählt!
Nach dir mein Busen sich sehnend zerquält.
Mich labet nicht Ruhe, mich labet nicht Rast,
Bevor du gestillet dies Sehnen mir hast.

"Zur Mitternachtstunde laß Schlummer und Traum,
Laß Bette, laß Kammer und eile zum Baum,
Zum Baum, der den Apfel der Liebe dir trug!
Dein harret was Liebes. Nun weißt du genug."

Das dauchte dem Diener so wohl und so bang.
So bang und so wohl! Er zweifelte lang.
Viel zweifelt' er her, viel zweifelt' er hin;
Von Hoffen und Ahnden war trunken sein Sinn.

Doch als es wohl tief um Mitternacht war,
Und still herab blinkte der Sternelein Schar,
Da sprang er vom Lager, ließ Schlummer und Traum
Und eilt' in den Garten zum kundigen Baum.

Und als er stillharrend am Liebesbaum saß,
Da säuselt's im Laube, da schlich es durchs Gras;
Und eh' er sich wandte, da nahm's ihn in Arm,
Da weht' ihn ein Odem an lieblich und warm.

Und als er die Lippen eröffnet zum Gruß,
Verschlang ihm die Rede manch durstiger Kuß;
Und eh' es ihm zugeflüstert ein Wort,
Da zog es an samtenen Händchen ihn fort.

Es führt' ihn allmählich mit heimlichem Tritt:
"Komm' süßer, komm' lieblicher Junge, komm' mit!
Kalt wehen die Lüftchen; kein Dach und kein Fach
Beschirmet uns; komm' in mein stilles Gemach!"

Und führt' ihn durch Dornen und Nessel und Stein
In einen zertrümmerten Keller hinein.
Hier flimmert' ein Lämpchen; sie zog ihn entlang
Beim Schimmer des Lämpchens den heimlichen Gang.

In Schlummer gehüllet war jedes Gesicht;
Doch ach! das Verräteraug' schlummerte nicht.
Lenardo! Lenardo! wie wird dir's ergehn,
Noch ehe die Hähne das Morgenlied krähn? -

Weit her, von Hispaniens reichster Provinz,
War kommen ein hochstolzierender Prinz
Mit Perlen, Gold, Ringen und Edelgestein,
Die schönste der Schönen Prinzessein zu frein.

Ihm brannte der Busen, ihm lechte der Mund;
Doch hofft' er, doch harrt' er umsonst in Burgund.
Er ward wohl, und ward doch vergebens manch Jahr,
Und wollte nicht weichen, noch wanken von dar.

Drob hatte der hochstolzierende Gast
Bei Nacht und bei Tage nicht Ruhe nach Rast,
Und hatte zur selbigen Stunde der Nacht
Sich auf, hinaus in den Garten gemacht;

Und hatt' es vernommen und hatt' es gesehn,
Was nährlich drei Schritte weit von ihm geschehn.
Er knirschte die Zähne, biß blutig den Mund:
"Zur Stunde soll's wissen der Fürst von Burgund!"

Und eilte zur selbigen Stunde der Nacht.
Ihm wehrte vergebens die fürstliche Wacht:
"Jetzt will ich, jetzt muß ich zum König hinein,
Weil Hochverrat ihn und Aufruhr bedräun!" -

"Hallo! Wach' auf, o Fürst von Burgund!
Dein Königsgeschmeide besudelt ein Hund!
Blandinen, dein gleißendes Töchterlein, schwächt,
Zur Stunde jetzt schwächt sie ein schändlicher Knecht!" -

Das krachte dem Alten ins dumpfe Gehör.
Er liebte die einzige Tochter so sehr;
Er hielt sie wohl höher als Zepter und Kron'
Und höher als seinen hellstrahlenden Thron.

Wild raffte der Fürst von Burgund sich empor:
"Das leugst du, Verräter, das leugst du mir vor!
Dein Blut mir's entgelte! Das trinke Burgund,
Wo mich belogen dein giftiger Mund!"

"Hier stell' ich, o Alter, zum Pfand mich dar!
Auf! Eile! So findet's dein Auge noch wahr.
Mein Blut dir's entgelte! Das trinke Burgund,
Wo dich belogen mein redlicher Mund!"

Da rannte der Alte mit blinkendem Dolch;
Ihm nach kroch der verrätrische Molch
Und wies ihn durch Dornen und Nessel und Stein
Wohl in den zertrümmerten Keller hinein.

Hier prangte vorzeiten ein luftiges Schloß,
Das längst in Schutt und Trümmer zerschoß.
Noch wölbten sich Keller und Halle. Von vorn
Verbargen sie Nessel und Distel und Dorn.

Die Halle war wenigen Augen bekannt.
Doch wer der Halle war kundig, der fand
Den Weg durch eine verborgene Thür
Wohl in der Prinzessin ihr Sommerlosier. - -

Noch sendete durch den heimlichen Gang
Das Lämpchen der Liebe den Schimmer entlang.
Sie atmeten leise, sie schlichen gemach
Dem Schimmer des Lämpchens der Liebe sich nach;

Und kamen wohl vor die verborgene Thür
Und standen und harrten und lauschten allhier:
"Horch, König! - Da flüstert's! - Horch König! - Da spricht's! - -
Da! - - Glaubest du noch nicht, so glaubest du nichts!"

Und als sich der Alte zum Horchen geneigt,
Erkannt' er der Liebenden Stimme gar leicht.
Sie hatten's ein Küssen! Sie hatten's ein Spiel!
Und trieben des süßen Geschwätzes gar viel.

"O Lieber! Mein Lieber! Was zaget dein Sinn
Vor mir, die ewig dein eigen ich bin?
Prinzessin bei Tage nur! Aber bei Nacht,
Magst du mir gebieten als eigener Magd."

"O schöne Prinzessin! O wärest du nur
Das dürftigste Mädchen auf dürftiger Flur!
Wie wollt' ich dann schmecken der Freuden so viel!
Nun setzet dein Lieben mir Kummer ans Ziel."

"O Lieber! meine Lieber! Laß fahren den Wahn!
Bin keine Prinzessin! Drauf sieh' mich nur an!
Statt Vaters Gewalt, Reich, Zepter und Kron'
Erkies' ich den Schoß mir der Liebe zum Thron." -

"O Schönste der Schönen! Dies zärtliche Wort,
Das kannst du, das wirst du nicht halten hinfort!
Durch Werben und Werben, von nah' und von fern,
Erwirbt dich noch einer der stattlichen Herrn.

"Wohl schwellen die Wasser, wohl hebet sich Wind,
Doch Winde verwehen, doch Wasser verrinnt.
Wie Wind und wie Wasser ist weiblicher Sinn;
So wehet, so rinnet dein Lieben dahin!"

"Laß werben und werben, von nah' und von fern,
Erwirbt mich doch keiner der stattlichen Herrn!
O Lieber! O Süßer! Mein zärtliches Wort,
Das kann ich, das werd' ich dir halten hinfort!

"Wie Wasser und Wind ist mein liebender Sinn;
Wohl wehen die Winde, wohl Wasser rinnt hin;
Doch alle verwehn und verrinnen ja nicht;
So ewig mein quillendes Lieben auch nicht!"

"O süße Prinzessin! Noch zag' ich so sehr! -
Mir ahnet's im Herzen, mir ahnet's, wie schwer! -
Die Bande zerreißen, der Treuring zerbricht,
Worüber der Himmel den Segen nicht spricht.

"Und wenn es der König, oh! wenn er's erfährt,
So triefet mein Leben am blutigen Schwert;
So mußt du dein Leben, verriegelt allein,
Tief unter dem Turm im Gewölbe verschrein." -

"Ach, Lieber! Der Himmel zerreißet ja nicht
Die Knoten, so Treue, so Liebe sich flicht.
Der seligen Wonne, bei nächtlicher Ruh',
Der höret, der sieht kein Verräter ja zu. -

"Nun, komme, nun komme, mein trauter Gemahl!
Komm', küss' mir den Kuß der Verlobung einmal!" -
Da kam er und küßt' ihr den rosigen Mund,
Drob alle sein Zagen im Herzen verschwund. -

Sie hatten's ihr Küsen, sie hatten's ihr Spiel;
Und trieben des süßen Geschwätzes noch viel.
Da knirschte der König, da wollt' er hinein;
Doch ließen ihn Schlösser und Riegel nicht ein.

Da harrt' er und harrte, mit schäumendem Mund,
Wie vor der Höhle des Wildes ein Hund.
Den Liebenden drin, nach gepflogener Lust,
Ward enger und bänger von Ahndung die Brust.

"Wach' auf, Prinzessin! der Hahn hat gekräht.
Nun laß mich, bevor sich der Morgen erhöht."
"Ach, Lieber! ach, bleib' noch! Es kündet der Hahn
Die erste der nächtlichen Wachen nur an." -

"Schau' auf, Prinzessin! Der Morgen schon graut.
Nun laß mich, bevor uns der Morgen erschaut."
"Ach, Trauter! ach, bleib' noch! Der Sternelein Licht
Verrät ja die Gänge der Liebenden nicht." -

"Horch auf, Prinzessin! Da wirbelt ein Ton;
Da wirbelt die Schwalbe das Morgenlied schon."
"Ach, Schönster! Ach bleib' noch! Es ist ja der Schall
Der liebeflötenden Nachtigall."

"Nein, laß mich! der Hahn hat zum Morgen gekräht;
Schon leuchtet der Morgen; die Morgenluft weht;
Schon wirbelt die Schwalbe den Morgengesang -
Oh! laß mich! - Wie wird mir ums Herze so bang!" -

"Ach, Süßer! - Leb' wohl denn! - Nein, bleib' noch! - Ade! -
O weh mir! Wie thut's mir im Busen so weh! -
Weis' her mir dein Herzchen! Ach, pocht ja so sehr!
Hab' lieb mich, du Herzchen! Auf morgen Nacht mehr!" -

"Schlaf' süß! schlafe wohl!" - Da schlüpft' er hinaus;
Ihm fuhren durchs Leben Entsetzen und Graus;
Es roch ihm wie Leichen; er stolpert' entlang,
Beim Schimmer des traurigen Lämpchens, den Gang.

Hui! sprangen die beiden vom Winkel herbei
Und bohrten ihn nieder mit dumpfem Geschrei;
"Da! hast du gefreit um den Thron von Burgund,
Da hast du die Mitgift! Da hast du sie, Hund!" -

"O Jesu Maria! Erbarme dich mein!" -
Drauf hüllt' sein brechendes Auge sich ein.
Ohne Beicht', ohne Nachtmahl, ohn' Absolution
Flog seine verzagende Seele davon.

Der Prinz von Hispania, schäumend für Wut,
Zerhieb ihm den Busen mit knirschendem Mut:
"Weis' her mir dein Herzchen! Ach! pocht ja so sehr!
Hast lieb gehabt, Herzchen? Hab's morgen nacht mehr!" -

Und riß ihm vom Busen das zuckende Herz
Und kühlte sein Mütchen mit gräßlichem Scherz:
"Da hab' ich dich, Herzchen! Ach! pocht ja so sehr!
Hab' lieb nun, du Herzchen! Hab's morgen Nacht mehr!" -

Indes die Prinzessin, ach! zagte so sehr,
Zerwarf sich im Schlummer und träumte, wie schwer!
Von blutigen Perlen in blutigem Kranz,
Von blutigem Gastmahl und höllischem Tanz.

Sie warf sich im Bette, so müde! so krank!
Den kommenden Morgen und Tag entlang.
"O, wenn's doch erst wieder tief Mitternacht wär!" -
Komm' Mitternacht! führe mein Labsal mir her! -

Und als es wohl wieder tief Mitternacht war,
Und still herab blinkte der Sternelein Schar:
"O weh mir! Mein Busen! Was ahndet wohl dir?" -
Horch! horch! Da knarrte die heimliche Thür.

Ein Junker, in Flor und in Trauergewand,
Trug Fackel und Leichengedeck in der Hand;
Trug einen zerbrochenen, blutigen Ring;
Und legt' es danieder stillneigend und ging.

Ihm folgt' ein Junker in Purpurgewand,
Der trug ein gülden Geschirr in der Hand,
Versehen mit Henkel und Deckel und Knauf,
Und oben ein königlich Siegel darauf.

Ihm folgt' ein Junker in Silbergewand
Mit einem versiegelten Brief in der Hand,
Und gab der erschrocknen Prinzessin den Brief
Und ging und neigte sich schweigend und tief.

Und als die erschrockne Prinzessin den Brief
Erbrach und mit rollenden Augen durchlief,
Umflirrt es ihr Antlitz, wie Nebel und Duft;
Sie stürzte zusammen und schnappte nach Luft.

Und als sie mit zuckender, strebender Kraft
Sich wieder ermannt und dem Boden entrafft:
"Juchheisa!" Da sprang sie: "Juchheisa! tralla!
Auf, lustig, ihr Fiedler! mein Brauttag ist da!"

"Juchheisa! Ihr Fiedler, zum lustigen Tanz!
Mir schweben die Füße, mir flattert der Kranz!
Nun tanzet, ihr Prinzen von nah' und von fern!
Auf, lustig! ihr Damen! Auf, auf, lustig, ihr Herrn!

"Ha! Seht ihr nicht meinen Herzliebsten sich drehn!
Im Silbergewande, wie herrlich! wie schön!
Ihn zieret am Busen ein purpurner Stern.
Juchheisa, ihr Damen! Juchheisa, ihr Herrn!

"Auf! lustig zum Tanze! Was steht ihr so fern?
Was rümpft ihr die Nasen, ihr Damen und Herrn?
Mein Bräutigam ist er! Ich heiße die Braut!
Uns haben die Engel im Himmel getraut!

"Zu Tanze! Zu Tanze! - Was grinzet ihr fern?
Was rümpft ihr die Nasen, ihr Damen und Herrn?
Weg, Edelgesinde! Pfui! stinkest mir an!
Du stinkest nach stinkender Hoffart mir an!

"Wer schuf wohl aus Erden den Ritter und Knecht?
Ein hoher Sinn adelt auch niedres Geschlecht!
Mein Schönster trägt hohen und züchtigen Mut
Und speiet in euer hochadelig Blut!

"Juchheisa! Ihr Fiedler, zum lustigen Tanz!
Mir schweben die Füße, mir flattert der Kranz!
Juchheisa! Trallala! Juchheisa! Trallala!
Auf, lustig, ihr Fiedler! Mein Brauttag ist da!" -

So sang sie zum Sprunge; so sprang sie zum Sang;
Daß aus der Stirn ihr der Todestau drang.
Der Todestau troff ihr die Wangen herab;
Sie taumelt' und keuchte zum Boden hinab.

Und als sich ihr Leben zum letzten ermannt,
Erstreckte sie nach dem Gefäße die Hand,
Und schlang's in die Armen und hielt es im Schoß
Und deckte, was drinnen verborgen war, bloß.

Da rauchte, da pocht' ihr entgegen sein Herz,
Als fühlt' es noch Leben, als fühlt' es noch Schmerz.
Neu that sich ihr blutiger Thränenquell auf
Und strömte wie Regen vom Dache darauf.

"Nun, blutiger Jammer! Wann rinnst du zu End'?
Wenn alle Gewässer auf Erden verrennt?
Ach! Alle Gewässer verrinnen ja nicht!
So endest du, blutiger Jammer, auch nicht!" -

Drauf sank sie mit hohlem, gebrochnem Blick
In dumpfen Todestaumel zurück;
Und drückte noch fest, mit zermalmendem Schmerz,
Das Blutgefäß an ihr liebendes Herz.

"Dir lebt' ich, o Herzchen! Dir sterb' ich mit Lust!
O weh mir! - O weh! du zerdrückst mir die Brust! -
Herab! - Herab! - den quetschenden Stein! - -
Oh! Jesu Maria! - - Erbarme dich mein!" - -

Drauf schloß sie die Augen, drauf schloß sie den Mund. -
Drauf rannten die Boten; dem König ward's kund;
Laut scholl durch die Säle das Zetegeschrei:
"Prinzessin ist hin! Auf, König, herbei!"

Das krachte dem Alten ins dumpfe Gehör.
Er liebte die einzige Tochter so sehr.
Er hielt sie wohl höher als Zepter und Kron',
Und höher als seinen hellstrahlenden Thron.

Und als auch herbei der Verräter mit sprang,
Da knirschte der Alte: "Das hab' ich dir Dank!
Dein Blut mir's entgelte! das trinke Burgund!
Weil das mir geraten dein giftiger Mund.

"Ihr Blut dich verklaget vor Gottes Gericht,
Das dir dein blutiges Urteil schon spricht!"
Rasch zückte der Alte den blinkenden Dolch
Und bohrte danieder den spanischen Molch. - -

"Lenardo! du Armer! - Blandine! Mein Kind! -
Du heiliger Himmel! verzeih' mir die Sünd'! -
Nicht mich auch verklaget vor Gottes Gericht!
Ich bin ja eur Vater - verklaget mich nicht!" -

So weinte der König, so reut' ihn zu spat,
Schwer reut' ihn die himmelan schreiende That. -
Drauf ließ er wol machen ein'n silbernen Sarg,
Worein er die Leichen der Liebenden barg.



Aus: Bürgers Gedichte. Herausgegeben von Arnold G. Berger. Kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe Leipzig und Wien 1891. Bibliographisches Institut (S. 92-102)
 

 

 


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