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Friedrich Wilhelm Gotter
(1746-1797)
Röschen und Lukas
Romanze
1775
Kein Mädchen unsres Dorfes kam
An Schönheit Röschen gleich;
Wie Lukas, war an Muth und Kraft
Kein andrer Jüngling reich;
Und beyde waren fromm und gut,
Von Kindesbeinen an,
Und beyde sich, mit Zärtlichkeit,
Wie Engel, zugethan.
Der elterliche Segen krönt
Der treuen Herzen Wahl;
Und morgen soll die Hochzeit seyn;
Bereit ist Bett und Mahl;
Da trieb sie noch gewohnter Fleiß
Ins Feld; sie gruben Leim;
Und ach! sie kamen diesmal nicht
Von ihrer Arbeit heim.
Denn über ihrem Haupte bricht
Das hohe Land, stürzt ein,
Begräbt sie; ängstlich hört man noch
Sie unterm Schutte schreyn.
Zu spät! - Man zieht sie todt hervor,
Auch noch im Tode schön;
Lautweinend kömmt das ganze Dorf,
Das Unglückspaar zu sehn.
Ein Sarg, ihr Bautbett nun, umschließt
Der Liebenden Gebein;
Der Kirchthür gegenüber, blinkt
Ihr goldner Leichenstein;
Beym Aus- und Eingang, seh' ich ihn,
Und thränend fragt mein Blick:
Wodurch verdiente solch ein Paar
Dieß traurige Geschick?
Aus: Friedrich Wilhelm Gotter -
Gedichte.
Neu-verlegt bei Herbert Lang 1971.
Nachdruck der Ausgabe Gotha, Carl Wilhelm Ettinger 1787 (S. 311-313)
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