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Franz Grillparzer
(1791-1872)
Das Grab im Walde
Ballade
"Wie das
treue Weib dem Mann
bleib mir liebend zugetan,
bleib mir treu und hold,
treu und rein wie Gold!"
sprach
zu Fräulein Edeltrud
Hans von Werden und voll Mut
schwingt er sich aufs Roß
und verläßt das Schloß.
Dahin wo
den Sarazen
tapfrer Christen Schwerter mähn
dahin ruft ihn schnell
Friederichs Befehl.
Und nach
manchem harten Strauß
schifft er sich zu Joppe aus,
sieht der Christen Blut,
und der Feinde Wut.
Seines
tapfern Armes Schwert
wird gefürchtet und geehrt,
und der Feind entweicht
wo es ihn erreicht.
Und er
häufet Sieg auf Sieg;
doch ein Friede hemmt den Krieg;
zu dem Liebchen hin
will der Held nun ziehn.
Er
verläßt des Landes Schoß,
wo sein Blut für Christus floß,
eilt vom heil'gem Strand
in der Heimat Land.
Als er
nun durch Deutschland zoh,
eben einen Wald durchfloh,
hört er ein Geschrei,
er zur Hilf herbei!
Und er
sieht auf hohem Roß
hier ein Mädchen, hehr und groß
war der Glieder Bau,
sanft des Auges Blau,
Das um
Hilf zum Himmel blickt
fest von Räuberarm umstrickt;
kühn und stark bewehrt
folgt ein Trupp zu Pferd.
Werden
scheut keine Gefahr,
achtet nicht der Zahl der Schar,
stürzt mit Hieb und Stich
in die Feinde sich.
Diese
stutzen, stehn verblüfft,
dann erst als sein Schwert sie trifft,
jeder sich besinnt
und der Kampf beginnt.
Unsers
Ritters tapfrer Arm
mähet in der Feinde Schwarm,
strecket manchen hin,
und die andern fliehn
Jetzt
naht er dem Mädchen sich;
Ha! durchbohrt von einem Stich
ist sie, weh ihm graut!
er erkennt die Braut!
"Werden,
ach ich bin vermählt"
stöhnt die Holde matt und fällt
auf den Rasen hin
weg war Geist und Sinn!
Er hält
sie mit stillem Harm
weinend in dem lassem Arm,
aber nun durchschallt
Hörnerton den Wald.
Und mit
Schwert und Jägerspeer
trabt ein Rittersmann einher,
sieht das blut'ge Paar,
Angst sträubt ihm das Haar;
denn der
Arme der hier weint
war sein längst vergeßner Freund
der die teure Braut
seiner Hut vertraut
Schändlich mit erlognem Mund
tat dem treuen Weib er kund,
daß in Sklaverei
Hans gestorben sei.
Doch
auch selbst im Tode bricht
sie die Treue Hansen nicht;
da schleppt der Barbar
sie an den Altar
und ein
unauflösbar Band
schlingt um sie des Priesters Hand,
den der falsche Mann
durch sein Gold gewann.
Doch
bald war des Weibs er satt
das durch manche Lastertat
er sich frech erkämpft;
seine Gier gedämpft,
als er
mit verdammter List
sie zu morden sich entschließt,
doch hört Hans ihr Schrein
eilt sie zu befrein.
Nun
sieht er mit einemmal
Werden dem die Braut er stahl
stehn vor seinem Blick,
und er bebt zurück;
in dem
Innern seiner Brust
war er sich der Schuld bewußt,
und dem Buben graust
vor des Tapfern Faust.
Doch
bald hat er sich gefaßt,
schnell greift er in wilder Hast
nach dem Jagdgeschoß,
eilt auf Werden los.
Und er
trifft ihn nur zu gut!
Werden liegt in seinem Blut,
hingestreckt im Staub
wilder Tiere Raub.
Und der
freche Mörder flieht
schnell von hinnen, doch durchglüht
sein verrätrisch Herz
Angst und Höllenschmerz.
Der
Verräter irrt umher,
auf ihm lieget zentnerschwer,
des Verbrechens Last,
läßt ihm keine Rast.
Fürchterlich ist seine Qual,
denn er glaubt, daß Berg und Tal
Feld und Hain und Luft,
Mörder zu ihm ruft.
Er
ersteigt die Felsenwand,
eilet an des Abgrunds Rand,
"Mörder!" schreit er und
stürzt sich in den Schlund.
An der
Klippen rauhem Stein
klebt zerschmettert sein Gebein;
wer das Scheusal sieht,
schlägt ein Kreuz und flieht.
Nun
sieht man um Mitternacht
wenn kein lebend Wesen wacht,
eine Geistsgestalt
die zum Grabe wallt,
wo des
frommen Ritters Leib,
und das treuergebne Weib
leicht im Sand verscharrt
der Erstehung harrt.
Dorthin
wie die Sage heißt
wandelt der gequälte Geist
von dem Fels herab
zu der Frommen Grab.
Jede
Mitternacht erscheint
er und ringt die Händ und weint,
stöhnt und seufzet laut
bis der Morgen graut.
Wenn des
Morgens Lüfte wehn
und die Hähne munter krähn,
und der Osten glüht,
seufzt er und entflieht;
fliehet
bis den dunkeln Wald
Lunas holder Schein durchstrahlt,
kehrt zurück und klagt,
bis es wieder tagt.
Aus: Franz Grillparzer:
Werke. Band III: Gedichte, Epigramme, Satiren, Autobiographische
Schriften. Winkler Verlag München 1971 (Nach dem Text der
historisch-kritischen Gesamtausgabe, hrsg. von August Sauer und Reinhold
Backmann, Wien 1909-1948) (S. 43-48)
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