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Heinrich Heine
(1797-1856)
Begegnung
(Die Wasserleute)
(Geschrieben im Herbst 1841)
Wohl
unter der Linde erklingt die Musik,
Da tanzen die Burschen und Mädel,
Da tanzen zwei, die niemand kennt,
Sie schaun so schlank und edel.
Sie
schweben auf, sie schweben ab,
In seltsam fremder Weise,
Sie lachen sich an, sie schütteln das Haupt,
Das Fräulein flüstert leise:
»Mein
schöner Junker, auf Eurem Hut
Schwankt eine Neckenlilje,
Die wächst nur tief in Meeresgrund -
Ihr stammt nicht aus Adams Familie.
Ihr seid
der Wassermann, Ihr wollt
Verlocken des Dorfes Schönen.
Ich hab Euch erkannt, beim ersten Blick,
An Euren fischgrätigen Zähnen.«
Sie
schweben auf, sie schweben ab,
In seltsam fremder Weise,
Sie lachen sich an, sie schütteln das Haupt,
Der Junker flüstert leise:
»Mein
schönes Fräulein, sagt mir, warum
So eiskalt Eure Hand ist?
Sagt mir, warum so naß der Saum
An Eurem weißen Gewand ist?
Ich hab
Euch erkannt, beim ersten Blick,
An Eurem spöttischen Knixe -
Du bist kein irdisches Menschenkind,
Du bist mein Mühmchen, die Nixe.«
Die
Geigen verstummen, der Tanz ist aus,
Es trennen sich höflich die beiden.
Sie kennen sich leider viel zu gut,
Suchen sich jetzt zu vermeiden.
Aus: Heinrich Heine.
Sämtliche Gedichte in zeitlicher
Folge. Hrsg. von Klaus Briegleb. Insel Taschenbuch Verlag 1997
(S. 435-436)
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