Balladen

- Gespräche zwischen Verliebten - lyrische Erzählungen - u.ä.
 

Frederic Leighton Der Fischer und die Sirene um 1856-58


 

Ludwig Christoph Heinrich Hölty
(1748-1776)


Daphne und Apoll
Romanze

Ich will euch Daphnens Schicksal lehren,
Kommt, höret mich!
Des holden Mädchens, das Cytheren
An Schönheit glich.

Apoll, der gern nach Mädchen schielte,
Wie Dichter thun,
Sah einst im Thal, wo Zephyr spielte,
Die Daphne ruhn.

Er nahte sich mit Stutzertritten;
Kein Reh flieht so
Als sie, da sie mit Zephyrschritten
Dem Gott entfloh.

Sie flog voran, Apollo keuchte
Ihr hitzig nach,
Bis er das arme Ding erreichte
Am Silberbach.

Errettet mich, ruft sie, ihr Götter!
Die Thörinn die!
Zevs winkt - und starre Lorbeerblätter
Umfliegen sie.

Ihr Füßgen, sonst so niedlich, pflanzte
Sich plötzlich fest
Tief in der Erde. Säuselnd tanzte
Um sie der West.

Apollo weinte ganze Stunden
Um diesen Baum.
Er hielt den kalten Stamm umwunden,
Und lebte kaum.

Er wand darauf von Daphnens Haaren
Sich einen Kranz,
Und eilte, Freude zu erfahren,
Zum Göttertanz.

Noch jetzt zerzaußt der Schönen Locken
Ein kleiner Graf,
Und krönt mit ihren grünen Locken
Bald Mäv, bald Bav.

Laßt euch dies Beyspiel, Mädchen, rühren,
Thut eure Pflicht,
Und flieht, so lang euch Reitze zieren,
Uns Männer nicht.

Wenn euch auf runzelvollen Wangen,
Kein Purpur glüht,
Und keine Amoretten bangen,
Dann flieht nur, flieht.

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andere Lesarten:


Apoll und Daphne
eine Romanze

Ich will euch Daphnens Schicksal lehren,
O höret mich!
Des holden Mädchens, das Cytheren,
An Schönheit glich.

Apoll, der gern nach Mädchen schielte,
Wie Dichter thun,
Sah einst im Thal, wo Zephyr spielte,
Die Daphne ruhn.

Er nahte sich mit Stutzertritten,
Kein Reh flieht so,
Als sie, da sie mit Zephyrschritten
Dem Gott entfloh.

Sie flog voran, Apollo keuchte
Ihr hitzig nach,
Bis er das arme Ding erreichte
Am Silberbach.

Errettet mich, ruft sie, ihr Götter!
Die Närrin die!
Zevs winkt - und starre Lorbeerblätter
Umfliegen sie.

Ihr Füßgen, sonst so niedlich, pflanzte
Sich plötzlich fest
Tief in die Erde. Säuselnd tanzte
Um sie der West.

Apollo weinte ganze Stunden
Um diesen Baum,
Er hielt den kalten Stamm umwunden,
Und lebte kaum.

Er wand darauf von Daphnens Haaren
Sich einen Kranz,
Und eilte, Freude zu erfahren,
Zum Göttertanz.

Mit ihren grünen Locken krönet
Noch oft ein Graf,
Trotz der Satyre, die ihn höhnet,
Bald Mäv, bald Bav.

Auch braungesengte Köche ziehen
Ihr Locken aus,
Zum lieblichen Gewürz der Brühen,
Beym fetten Schmaus.

Laßt euch dies Beyspiel, Mädchen, rühren,
Das Warnung spricht,
Und flieht, so lang euch Reize zieren,
Den Jüngling nicht.

Wenn einst auf euren Rosenwangen
Kein Purpur glüht,
Und keine Amoretten hangen,
Dann flieht nur, flieht.

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Apoll und Daphne,
Eine Romanze

Soll ich euch Daphnens Schicksal lehren,
So höret mich,
Des holden Mädchens, das Cytheren
An Schönheit glich.

Apoll, der gern nach Mädchen schielte,
Wie Dichter thun,
Sah einst im Thal, wo Zephyr spielte,
Die Daphne ruhn.

Er nahte sich mit Stutzertritten,
Kein Reh flieht so
Als sie, da sie mit Zephyrschritten
Dem Gott entfloh.

Sie flog voran, Apollo keuchte
Ihr hitzig nach,
Bis er das arme Ding erreichte,
Am Silberbach.

Errettet mich, ruft sie, ihr Götter!
Die Närrin die!
Zevs winkt - und starre Lorbeerblätter
Umfliegen sie.

Ihr Füßgen, sonst so niedlich, pflanzte
Sich plötzlich fest
Tief in der Erde. Säuselnd tanzte
Um sie der West.

Apollo weinte ganze Stunden
Um diesen Baum,
Er hielt den kalten Stamm umwunden,
Und lebte kaum.

Er wand, ein Denkmahl zu bewahren,
Mit naßen Blick,
Sich einen Kranz von Daphnens Haaren,
Und flog zurück.

Nun ward das Kränzewinden Mode -
Der Dichterling,
Der eine Fabel, oder Ode
Gereimt, empfing

Nun Lorbeern. Blutge Lorbeern schlungen
Sich um das Haupt
Des Helden, der den Feind bezwungen,
Und ihn beraubt.

O Himmel, wie zerzaußten beyde
Des Mädchens Haar,
Das sonst der Stutzer Augenweide,
Und Wonne war.

Laßt euch dies Beyspiel, Mädchen, rühren,
Das Warnung spricht,
Und flieht, so lang euch Reize zieren,
Den Jüngling nicht.

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Apoll und Daphne,
eine Romanze

Apoll, der gern nach Mädchen schielte,
Wie Dichter thun,
Sah einst im Thal, wo Zephyr spielte,
Die Daphne ruhn.

Er nahte sich mit Stutzertritten;
Kein Reh flieht so,
Als Daphne, die mit Zephyrschritten
Dem Gott entfloh.

Sie flog voran, Apollo keuchte
Ihr hitzig nach,
Bis er das arme Ding erreichte,
Am Silberbach.

Da rief sie, rettet mich, ihr Götter!
Die Thörin die!
Zevs winkte - starre Lorbeerblätter
Umflogen sie.

Ihr Füßgen, sonst so niedlich, pflanzte
Sich plötzlich fest
Tief in der Erde. Gaukelnd tanzte
Um sie der West.

Apollo klagte ganze Stunden
Am Lorbeerbaum,
Hielt ihn mit festen Arm umwunden,
Stand, als im Traum.

Er lehnte seine feuchten Wangen
Ans grüne Holz,
Jüngst eine Nymphe, sein Verlangen,
Der Nymphen Stolz.

Er girrte noch ein Weilchen, pflückte
Nun jenen Kranz,
Der seine blonde Scheitel schmückte,
Bey Spiel und Tanz.

Du arme Daphne! Tausend pflücken
Nun Kränze sich,
Von deinen Haaren, sich zu schmücken,
Du dauerst mich!

Die Krieger und die Dichter hausen
In deinem Haar,
Wie Stürme, die den Wald durchbrausen;
Die Köche gar.

Ja, ja, die braunen Köche ziehen
Dir Locken aus,
Zum lieblichen Gewürz der Brühen,
Beym fetten Schmaus.

Laßt euch dies Beyspiel, Mädchen! rühren,
Das Warnung spricht,
Und flieht, so lang euch Reize zieren,
Den Jüngling nicht.

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Apoll und Daphne
1770

Apoll, der gern nach Mädchen schielte,
Wie Dichter thun,
Sah einst im Thal, wo Schatten kühlte,
Die Dafne ruhn.

Er nahte sich mit Stuzertritten,
Mit Ach und O,
Als Dafne schnell mit Zefirschritten
Dem Gott entfloh.

Sie flog voran; Apollo keuchte
Ihr hizig nach,
Bis er die Schöne fast erreichte
Am Silberbach.

Da rief sie: Rettet mich, ihr Götter!
Die Thörin die!
Zeus winkt, und starre Lorberblätter
Umfliegen sie.

Ihr Füßchen, sonst so niedlich, wurzelt
Im Boden fest;
Apollo kömmt herangepurzelt,
Und schreiet: Pest!

Dann lehnt er seine feuchten Wangen
Ans grüne Holz:
Jüngst eine Nimfe, sein Verlangen,
Der Nimfen Stolz!

Er girrt ein Weilchen, sinnt, und pflücket
Sich einen Kranz,
Der seine blonde Scheitel schmücket
Bei Spiel und Tanz.

Du arme Dafne! Tausend pflücken
Nun Kränze sich
Von deinen Haaren, sich zu schmücken!
Du daurest mich!

Die Krieger und die Dichter zausen
In deinem Haar,
Wie Stürme, die den Wald durchbrausen!
Die Köche gar!

Ja ja, die braunen Köche ziehen
Dir Locken aus,
Zum lieblichen Gewürz der Brühen
Beim Hochzeitsschmaus!

Laßt, Mädchen, euch dies Beispiel rühren,
Das Warnung spricht,
Und flieht, so lang' euch Reize zieren,
Uns Dichter nicht!



Aus: Ludwig Christoph Heinrich Hölty: Gesammelte Werke und Briefe. Kritische Studienausgabe. Hrsg. von Walter Hettche. Wallstein Verlag 1998
(S. 16-23)
 

 

 


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