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Ludwig Uhland
(1787-1862)
Der Ring
Es ging
an einem Morgen
Ein Ritter über die Au.
Er dacht' in bangen Sorgen
An die allerschönste Frau.
»Mein
wertes Ringlein golden!
Verkünde du mir frei,
Du Pfand von meiner Holden,
Wie steht es mit ihrer Treu'?«
Wie er's
betrachten wollte,
Vom Finger es ihm sprang,
Das Ringlein hüpft' und rollte
Den Wiesenrain entlang.
Er will
mit schnellen Händen
Es haschen auf der Au,
Doch goldne Blumen ihn blenden
Und Gräser, betropft von Tau.
Ein
Falk' es gleich erlauschte,
Der auf der Linde saß,
Vom Wipfel er niederrauschte,
Er holt' es aus dem Gras.
Mit
mächtigem Gefieder
Er in die Luft sich schwang.
Da wollten seine Brüder
Ihm rauben den goldnen Fang.
Doch
keiner gewann's von allen,
Das Ringlein fiel aus der Höh'.
Der Ritter sah es fallen
In einen tiefen See.
Die
Fischlein hüpften munter,
Zu haschen den goldnen Tand;
Das Ringlein sank hinunter,
Bis es den Blicken schwand.
»O
Ringlein! auf den Triften,
Da äffen dich Gras und Blum';
O Ringlein! in den Lüften,
Da tragen die Vögel dich um.
O
Ringlein! in Wassers Grunde,
Da haschen die Fische dich frei.
Mein Ringlein! ist das die Kunde,
Die Kunde von Liebchens Treu'?«
Aus: Ludwig Uhland. Werke.
Herausgegeben von Hartmut Fröschle und Walter Scheffler. Band I:
Sämtliche Gedichte Nach der Ausgabe letzter Hand, den Erstdrucken und
Handschriften mit Anmerkungen, Zeittafel, Bibliographie und einem
Nachwort zu Band I und II hrsg. von Walter Scheffler Winkler Verlag
München 1980 (S. 182-183)
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