Marie Eugenie Delle Grazie (1864-1931) - Liebesgedichte

Marie Eugenie Delle Grazie

 


Marie Eugenie Delle Grazie
(1864-1931)

 


Liebeshymne

So bist Du mein?
Bin ich Dein?
O süße Lust!
Von Deinem Arm umschlungen,
Von Liebe ganz durchdrungen
Ruh' ich an Deiner Brust,
O süße Lust!

Sieh', um uns blühen die Rosen
Die lieben Vögelein kosen:
Wie wir -
Und liebeschützend gleitet
Die Nacht heran und breitet
Den Sternenschleier
Über uns.

©

 

Wie ich dich lieb'

Wie ich Dich lieb, soll ich es sagen
Wird mir das Herz so schwer,
Ich kann es fühlen nur, doch sagen,
Nein, sagen nimmermehr.

Nicht Worte hab' ich, diese Wonne
Zu künden, diese Lust,
Kein Mensch hat je auf dieser Erde
Ein Lied dafür gewußt.

©


 

Meine Liebe

Gold'ner als die Sonne glüht,
Reiner als der Mondenschein,
Schöner als die Rose blüht,
Wohnt die Lieb' im Herzen mein.

Wenn der Lenz von dannen zieht,
Nimmt er jede Blüth' vom Baum;
Meine Liebe geht nicht mit,
Bleibt ein ew'ger Frühlingstraum.

Und wenn Rosen nicht mehr glüh'n,
Nicht mehr lacht der Mondenschein,
Blumen, die da nicht verblüh'n,
Zaubert sie in's Herz hinein.

©


 

alle Liebesgedichte
von Marie Eugenie Delle Grazie

 

 


Gedichte aus: Marie Eugenie Delle Grazie Gedichte 1882
Verlag C.F. Simon, Herzberg und Leipzig


Biographie:
Grazie, Marie Eugenie, delle, Schriftstellerin, ist nach Ebner-Eschenbach die reifste österreichische Erzählerin. Sie wurde in Ungarisch-Weißkirchen (jetzt Jugoslawien) als Tochter des Bergbaudirektors Caesar delle Grazie geboren (Geburtstag: 14. August) und entstammt einem urkundlich bis ins 13. Jahrhundert nachweisbaren venetianischen Geschlecht; ihre Angehörigen mütterlicherseits sind Hannoveraner, Elsässer, hamburger und Schwaben. M. d. G. studierte in Wien und trat zum erstenmal im Alter von 18 Jahren mit einem Band "Gedichte" in die Öffentlichkeit. Seither wirkt sie als freischaffende Schriftstellerin in Wien, die sich in Vers und Prosa, Drama und Epos in fruchtbarer Weise betätigt hat. Ihre Werke wurden ins Russische, Tschechische, Polnische, Schwedische und eben jetzt die letzten ins Vlämische übersetzt. Sie ist Trägerin des Bauernfeld- und des Ebner-Eschenbach-Preises. - Außer Gedichtbänden verfaßte sie ein Epos "Robespierre", einen Einakterzklus "Zu spät", die Dramen "Ver sacrum", "Schlagende Wetter", "Der Schatten", und die Romane "Heilige und Menschen", "Vor dem Sturm", das Lustspiel "Narren der Liebe" und die Novellensammlung "Wunder der Seele", die Romane: "Buch der Liebe", "Eines Lebens Sterne", "O Jugend!", "Donaukind", "Homo", "Der Liebe und des Ruhmes Kränze", "Die weißen Schmetterlinge von Clairvaux", "Die unsichtbare Straße", "Eggersgluh" usw. - Sie ist unverheiratet und wohnt: XVIII., Abt Karl-Gasse 21.
Aus: http://www.onb.ac.at/ariadne/vfb/vfbbiobiblio.htm



 

 


zurück zum Dichterinnen-Verzeichnis

zurück zur Startseite