Philippine Engelhard (1756-1831)  - Liebesgedichte

Philippine Engelhard

 

Philippine Engelhard (geb. Gatterer)
(1756-1831)


 

Magnetismus und Liebe
1786


Magnetismus wollt ihr uns erklären?
Seinen Wirkungskreis, wie weit er geht.
Wird nicht viel Geheimes immer währen
Auf der Prüfungswelt, so lang sie steht?

Seine Heilkraft hat man übertrieben,
Doch wer läugnet billig ganz sie ab?
Da, trotz jeder Kur oft Schmerzen blieben;
Und nur der Magnet gleich Lindrung gab.

Unerklärlich ists schon wenn man siehet
Ihren Kuß voll Sympathiegefühl;
Und wie bang das andre Ende fliehet,
Wahrlich, als wär' Lieb' und Haß im Spiel.

Liebe nannt ich? O die heißen Schmerzen
Wer erklärt sie? Wer die süße Pein?
Schleicht sie gleich in edle weiche Herzen
Täglich – Glück und Schicksal trotzend – ein!

Leicht erklärt sind Thierverwandte Triebe,
Die ein Heil'ger selbst wohl flüchtig fühlt,
Wenn ein Weib, schön wie das Bild der Liebe,
Um ihn her mit ihren Reizen spielt.

Nie stirbt aus das menschliche Geschlechte!
Sagte Blanka, klug in Raserei,
Doch vom Tausend weiß kaum Eins was rechte
Heiße, reine Seelenliebe sey!

Diese Glut, die seliges Entzücken
Wie der Engel aus dem Anschau'n trinkt.
O kein Wort vermag sie auszudrücken,
Die beredt aus Aug' in Auge blinkt!

Warum kann ein Blick das Herz zerschmelzen,
Wie die Frühlingssonne Eis durchdringt,
Das, wie Fels bei Sturm und Wogenwälzen,
Standhaft blieb, von Liebenden umringt?

Fromme weinen, wenn sie gleiche Flammen,
Sehn in Edlen, die das Schicksal trennt.
Kalte Seelen hört man sie verdammen,
Und den Sünder, der nur Wollust kennt.

O Petrarch! Du kanntest dieses Sehnen
Laura war schon eines Andern Raub.
Dennoch weihtest du ihr Lied und Thränen,
Selbst noch als ihr Leichnam ruht' im Staub.

Guter Yorick, der die Leidenschaften
Stark besiegte – sonst so schwach und weich -
An Elisen und der Tugend haften
Konntest du mein Liebling stets zugleich.

Schwächer kämpft', als Lotte sich vermählte,
Kürzlich Werther – sonst auch fromm und gut.
Sprecht: Wes Auge wohl den Schmerz verhehlte,
Als er wild vergoß sein eignes Blut!

Still mein Lied! Verstehn und lieben werden
Nur Geweihte Dich – die Saite bricht.
O gesteht's, ihr Weisen dieser Erden:
Viel ist Räthsel hier – ihr löst es nicht!

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Minna an ihren Geliebten
Bey Uebersendung einiger Blumen


Schon hat des nahen Frühlings Güte
Sich kleine Blümchen vorgesandt.
O nimm jetzt ihre erste Blüthe
Aus deines treuen Mädchens Hand.

Zwar ihre Farben – Sie erwerben
Nicht Beyfall auf den ersten Blick;
Allein an deinem Busen sterben
Erhebt sie zu dem größten Glück.

Und wenn sie bunten Schwestern weichen,
Freun sie sich heimlich deiner Wahl. -
Sieh Minna diesen Blumen gleichen,
In schönerer Gespielen Zahl.

Sie konnte deine Lieb' erwerben,
Dir zu gefallen ist ihr Pflicht.
Sie soll in deinen Armen sterben -
Und neidet Könniginnen nicht!


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alle Liebesgedichte
von Philippine Engelhard

 


Gedichte aus: Gedichte von Philippine Gatterer
Mit Kupfern von Chodowiecki
Göttingen, gedruckt und verlegt
bey Johann Christian Dieterich 1778

folgendes Gedicht:
Schon hat des nahen Frühlings Güte (Minna an ihren Geliebten)


Aus: Gedichte von Philippine Engelhard gebohrne Gatterer
Dritte Sammlung
Nürnberg bei George Eichhorn 1821

folgendes Gedicht:
Magnetismus wollt ihr uns erklären? (Magnetismus und Liebe)


Biographie:
Gatterer, Magdalene Philippine, auch: Juliane S., Karoline, Rosalie, * 21.10.1756 Nürnberg, † 28.9.1831 Blankenburg/Harz. - Lyrikerin.
Als drittes Kind Johann Christoph Gatterers lebte G. seit ihrem dritten Lebensjahr in Göttingen. Von ihren Eltern nach damals üblicher Art in abgeschiedener Häuslichkeit erzogen, suchte sie schon früh den mangelnden Kontakt mit ihrer Umwelt durch Ausflüge in die Poesie zu kompensieren. Sie schrieb ohne Anleitung u. - ihren briefl. Äußerungen zufolge - meist spontan Gedichte, von denen einige unter dem Pseud. Rosalie in dem von Bürger u. Goeckingk herausgegebenen »Göttinger Musenalmanach« erschienen. In ihrem mit Bürger seit 1777 geführten Briefwechsel bekennt sie, »daß ich, was die Dichtkunst betrifft, wie ein wilder Baum ohne Pflege aufgewachsen bin« (Ebstein, S. 35). Bürger erteilte ihr poetolog. Ratschläge, feilte an ihren Gedichten u. beriet sie in buchhändlerischen Fragen anläßlich der Herausgabe ihrer Gedichte, die 1778 u. 1782 in Göttingen erschienen, mit Kupfern von Chodowiecki u. Franz Riepenhausen. Die beiden Bände enthalten Freundschafts- u. Liebesgedichte, häusl. Szenen, Idyllen u. Elegien, Gelegenheitsverse im Stil der Anakreontik u. der Empfindsamkeit, oft in mytholog., seltener allegor. Einkleidung. Sie können als weibl. Pendant zur Poesie des Göttinger Hains bezeichnet werden.
1780 heiratete G. Johann Philipp Engelhard, Kriegssekretär im Hessen-Kasselschen Dienst, später Direktor des Kriegscollegiums, u. lebte mit ihm in Kassel in glückl., kinderreicher Ehe. In diesen Jahren u. nach dem Tod ihres Mannes (1818) pflegte sie ihre poetische Begabung weiter, ohne jedoch eine Entwicklung in Stil u. Sujet zu vollziehen. 1821 erschien eine dritte Sammlung Gedichte in Nürnberg.

WEITERE WERKE: Gottfried August Bürger u. P. G. Ein Briefw. [...]. Hg. Erich Ebstein. Lpz. 1921.

Aus: Autoren- und Werklexikon: Gatterer, Magdalene Philippine, S. 2. Digitale Bibliothek Band 9: Killy Literaturlexikon, S. 5821 (vgl. Killy Bd. 4, S. 90)

siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Philippine_Engelhard


 

 


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