Die Troubadours

Lieder - Nachdichtungen der Troubadours
 

 

 


Frau Castelloza
(Mitte des 13. Jahrhunderts)



Mir sollte Lust zum Singen mangeln sehr;
Sing' ich, so mehr
Macht mir die Liebe Pein.
Ich klag', ich wein',
Angst feßelt meine Sinnen.
Denn fremder Sprödigkeit
Hab' ich mein Herz geweiht.
Trag' ich noch länger Leid,
Scheint Thorheit mein Beginnen.

Nur eine holde Miene doch begehr'
Ich, Süßer, eh'r
Ich sterb' in herber Pein.
Würden verzeihn
Die Unthat, die da minnen,
Wenn ihr mir's nicht verleiht?
Drum bin ich doch bereit
Zu lieben allezeit;
Treu' heg' und Glaub' ich innen.

Ich dient' euch eifrig, jedes Truges leer,
Erntet' auch mehr
Unbill von euch ich ein.
Nicht niedrig, nein,
Ehrvoll ist mein Beginnen,
Bedenk' ich, welch ein Kleid
Euch schmückt der Herrlichkeit,
Drob höhrer Frau ihr weiht
Geziemend eure Minnen.

Seit ich euch sah, befolgt' ich eur Begehr;
Doch nimmermehr
Wollt ihr mir günst'ger sein.
Mein Senden, mein
Flehn will mir nichts gewinnen,
Da ihr entfernt gar weit
Von Sinnesändrung seid.
Mir fehlt's an Freudigkeit,
Schmerz bringt mich fast von Sinnen.

Einst euren Handschuh, - schmollt mir nicht zu sehr! -
Hatt' ich, und der
Ward durch Entwendung mein,
Mit Furcht und Pein,
Es schade eurem Minnen
Bei ihr, der ihr geweiht;
Drum gab ich, schnell bereit,
Ihn wieder euch, und leid
That mir mein schlimm Beginnen.

Wohl weiß ich, büßet mancher Ritter schwer,
Fraun bittend mehr,
Als jene ihn, allein
Er erntet ein
Unheil für solch Beginnen.
Die einem Mann sich weiht,
Muß dessen Adlichkeit
Und Huld durch Freundlichkeit
Und Bitte sich gewinnen.

Frau Almur, allezeit
Lieb' ich mir selbst zum Leid;
Er, dem ich mich geweiht,
Weiht mir nur flücht'ges Minnen.

Mut, Holder, bricht mein Leid;
Ich lieb' euch allezeit,
Und voll Aufrichtigkeit
Und Treu' ist all mein Sinnen.


Nachgedichtet von Karl Ludwig Kannegießer (1781-1861)

Aus: Gedichte der Troubadours
im Versmaaß der Urschrift übersetzt
von Karl Ludwig Kannegießer
Tübingen 1852 (S. 428-430)

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Wenn hold, Freund, eur Benehmen wär',
Leutselig, hehr, bescheiden, ritterlich,
Dann liebt' ich euch, doch wohl erinnr' ich mich,
Daß grimm ihr wart und voll Verschlagenheit
Und trugvoll; doch heb' ich zu singen an
Von eurem Werth, da ich nicht anders kann,
Um durch die Welt zu breiten eure Ehr',
Da, wo's zumeist mir Haß macht und Beschwer.

Ich halt' euch preislich nimmermehr,
Und lieb' euch nicht getreu und inniglich;
Bis daß ich seh', ob's frommend ist für mich,
Zeig' ich voll Unbill mich und Grausamkeit;
Und dennoch thu' ich's nicht, weil man mich dann
Der Untreu' gegen euch beschuld'gen kann;
Und selber hättet ihr dann Ursach' sehr,
Wenn irgend gegen euch ich schuldig wär'.

Ich weiß, was Holdes ich begehr',
Obwohl sie's nennen ungeziementlich,
Ruft einen Ritter eine Frau zu sich,
Und hält ihm Predigten dann lang und breit,
Wiewohl man doch auch unterscheiden kann.
Erst prüf' ich, und mich sterben laß' ich dann,
Und auch vom Bitten hoff' ich Hülfe sehr
Bei ihm, der mich gepeinigt hart und schwer.

Ein Thor ist, schilt mich irgend wer,
Denn euch zu lieben ja erfreuet mich,
Mag er auch denken und erzürnen sich.
Ihr seid wohl jetzt nicht wie in jener Zeit,
Als ihr mir sagtet, nichts gieng' ich euch an;
Vielleicht kommt doch noch einst die Zeit heran,
Wo mir noch Lust und Freud' entspringt daher;
Es nur zu sagen freuet schon mich sehr.

Kein' andre Lust ist mein Begehr.
Ich sag' euch, nichts berührt mich wonniglich,
Nur eure Lieb' erquickt und tröstet mich,
Obwohl sie mir verursacht Schmerz und Leid.
Doch hebt jedwedes Herzenslabsal an
Von euch, den ich noch nicht bekehren kann.
Auch bin ich freilich wohl der Hoffnung leer,
Als nur im Schlaf, und nirgends weiter mehr.

Was ich thun soll, weiß ich nicht mehr;
Denn gut' und böse Weg' erprobt hab' ich.
Hart ist eur Herz, doch nichts entmutigt mich.
Mündlich geb' ich, nicht schriftlich euch Bescheid,
Und sterbe, wenn ich euch nicht ändern kann,
Zu meiner Lust; und wenn ich sterbe, dann
Habt ihr gefehlt und euch versündigt schwer,
Dann werdet ihr getadelt werden sehr.


Nachgedichtet von Karl Ludwig Kannegießer (1781-1861)

Aus: Gedichte der Troubadours
im Versmaaß der Urschrift übersetzt
von Karl Ludwig Kannegießer
Tübingen 1852 (S. 431-432)

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Vida:
"Frau Castelloza war aus der Auvergne, eine edle Dame, Ehefrau von Turc de Mairona. Und sie liebte Herrn Arman de Breon und machte ihre Lieder über ihn. Und sie war eine sehr fröhliche, sehr gebildete und eine sehr schöne Dame. Und hier sind einige ihrer Lieder niedergeschrieben."

zitiert aus:
Angelica Rieger - Trobairitz
Der Beitrag der Frau in der altokzitanischen höfischen Lyrik
Edition des Gesamtkorpus
Max Niemeyer Verlag Tübingen 1991
 
 

Biographie:
Castelloza war eine Trobairitz des frühen 13. Jahrhunderts. Über ihr Leben ist wenig bekannt. Laut ihrer Vida stammte sie aus der Auvergne und war mit einem Mann Namens Truc Mairona verheiratet. Wahrscheinlich ist sie im Umfeld des Trobadors Peirol anzusiedeln.

Vier Lieder von ihr sind überliefert, jedoch von keinem die Melodie. Damit ist sie neben Beatriz de Dia die einzige Trobairitz, von der mehr als ein Lied erhalten ist. Das Thema ihrer Lieder ist die betrogene Liebe.


Lieder: Amics, s'ie us trobes avinen
Ia de chantar non degr'aver talan
Mout avetz faich lonc estatge
Per ioi que d'amor m'avegna

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Castelloza

 

 

 


 

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