Karoline von Fidler (1801-1874) - Liebesgedichte

 



Karoline von Fidler
(1801-1874)


Inhaltsverzeichnis der Gedichte:

 

 





Gefühl


Ein Menschenherz - was hat's zu tragen,
Was hat's zu leiden, weil es lebt!
Kann's einen Tag wohl ruhig schlagen,
Wenn's nicht lebendig sich begräbt?

O namenloser Zug der Erde,
Warum durchwühlst du meine Brust?
O sag' mir, wann ich enden werde
Mit deiner bittersüßen Lust?

Es drückt die Seele kein Verschulden,
Und Lieb' und Hoffnung sind so nah -
Und immer ist ein Weh zu dulden?
Und immer ist die Thräne da?

Dich schwor der Himmel zu beglücken,
Du bist's mein Herz durch eigne Wahl -
Ach und in Meeren von Entzücken
Find'st du den einen Tropfen Qual?

An Wonnegluthen sich verzehren,
Zu schmelzen in der Wehmuth Schooß,
Auf neue Lust den Kelch des Schmerzes leeren
In deines Klopfens unbezwinglich Loos! -

Und doch - für welche Götterfreude
Tauscht' ich dein wollustreiches Weh? -
So trinke denn getrost mein Herz und leide,
Und sprich den Segen und vergeh'!

aus: Deutschlands Dichterinnen
von H. Kletke
Zweite vermehrte Auflage
Berlin Verlag von Hermann Hollstein [1856] (S. 337-338)

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Abends


Der Tag ist hin,
Die Dämm'rung schwillt,
Was blieb Gewinn?
Was unerfüllt?

Hinab ein Wort,
Hinauf ein Blick,
Ein Liedchen fort,
Ein Strahl zurück!

Und wog es leicht,
Hoff' ich belehrt:
Der Abend weicht,
Der Morgen kehrt.

Das Gestern schäumt,
Das Heute lacht,
Ein Blättchen keimt
Wohl über Nacht.

Und wenn der Glanz
Der Tage schwand,
So liegt ein Kranz
In meiner Hand.

Ein leichter Rauch,
Das Herz verglüht!
Mein letzter Hauch
Ein ew'ges Lied!

aus: Deutschlands Dichterinnen
von H. Kletke
Zweite vermehrte Auflage
Berlin Verlag von Hermann Hollstein [1856] (S. 338-339)

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An F.


Gekommen und gegangen
Ist nun schon manches Jahr,
Seit ich in Lust und Bangen
An deiner Seite war;
Wir freuten uns und blickten
Voll Muth hinaus in's Land;
Wir weinten - und wir drückten
Einander still die Hand.

So auf bescheid'nen Wegen,
In Schmerz und Seligkeit,
Führt uns ein stiller Segen
Durch die entschwund'ne Zeit;
Wir zählten nicht die Schritte,
Und fragen zweifelnd nun:
Ob auf des Lebens Mitte
Schon unsre Augen ruhn?

Er sagt's, wie lang' wir Beide
Zusammen schon gelebt,
Er, dem in Himmelsfreude
Mein ganzes Herz erbebt,
Er, dessen Haupt das meine
So weit schon überragt,
Aus dessen Blick die reine,
Die kräft'ge Jugend tagt.

In ihm sind uns're Lenze,
Er wuchs an ihrem Licht,
Er sammelte die Kränze,
Ich fühl's, sie welkten nicht!
Und immer neue blühen
Zu neuer Lebenslust,
Denn junge Herzen glühen
Uns hoffend in der Brust.

Sie wollen wir bewahren,
Mein treu geliebter Freund!
Sie fragen nicht nach Jahren,
So lange sie vereint.
Ob Mond auf Mond sich treiben
Im wechselvollen Schwung,
Wir lieben uns und bleiben
Mit Gottes Hülfe jung!

aus: Deutschlands Dichterinnen
von H. Kletke
Zweite vermehrte Auflage
Berlin Verlag von Hermann Hollstein [1856] (S. 340-341)

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Gebete

1.

Herr, du kennest meine Sorgen,
Meine Wünsche kennest du,
Rängen sie auch tief verborgen
Namenlos dem Himmel zu.

Gieb aus deiner Gnaden Fülle,
Du der beten mich gelehrt,
Was in ahnungsvoller Stille
Stumm ein Mutterherz begehrt.

Gieb, wonach die Lippen beben,
Gieb, wonach das Auge weint,
Gieb, wonach die Seufzer streben,
Ihm, den meine Seele meint!


2.

Und was ich auch ersinnen mag
In Furcht und Zuversicht,
Wie auch ein Wörtlein Tag für Tag
Sich bebend ringt an's Licht,

Kann ich's doch sagen nimmermehr,
Was in der Seele quillt,
Die Zeichen bleiben kalt und leer,
Das Sehnen unerfüllt.

Doch weiß ich's ja, weiß wohl, warum
Ich kämpf' in süßer Pein -
Die rechte Lieb' ist göttlich stumm,
Gehört von Gott allein.

Gehört von ihm in Lust und Schmerz,
Auch stammelnd nicht verschmäht -
Was willst du mehr mein flehend Herz?
Dein Schlag ist dein Gebet.


3.

Du holde Lebenswonne,
Du süßes Erdenglück,
Gieb seinem Herzen Sonne,
Gieb Klarheit seinem Blick;

Schick' fröhliches Gelingen
Zu Allem, was er treibt,
Daß auch in ird'schen Dingen
Ihm heitrer Glaube bleibt.

Mach' durch ein tröstlich Hoffen
Ihm leicht der Tage Last,
Und immer halt' ihm offen
Den Weg zu süßer Rast.

O all ihr Frühlingsdüfte
Tränkt ihn mit Jugend-Lust!
Ihr milden Sommerlüfte
Weht Kühlung seiner Brust!

Ein Fleckchen, schöne Erde!
Voll Blumen und voll Licht,
Darauf er glücklich werde,
Versag' dem Theuren nicht.

Und du, o Herr, sprich Amen,
Du Herr der Herrlichkeit!
Du, der durch seinen Namen
Die Lust am Leben weiht;

Der alles fromm Begehrte
Für seine Menschen schuf,
Der sie sich freuen lehrte,
Du höre meinen Ruf!

aus: Deutschlands Dichterinnen
von H. Kletke
Zweite vermehrte Auflage
Berlin Verlag von Hermann Hollstein [1856] (S. 342-344)

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Liebe


Die Lieb' ist Alles! Wer zu lieben weiß,
Der kennt des Daseins einzig werthen Preis;
In ihm ist Gott - er hat das Licht, die Kraft,
Er hat den Glauben und die Wissenschaft!

Wer liebt, der lebt, und giebt des Lebens Lust
All' dem, was er umschließt mit warmer Brust;
Er theilet aus - sieht seinen Schatz nicht an,
Er weiß es, daß er endlos geben kann.

Die Liebe hat nicht Zweifel, hat nicht Noth,
Die Sünde kennt sie nicht, kennt nicht den Tod -
Die Lieb' ist ewig! - und darum allein,
Weil ich geliebt, werd' ich unsterblich sein!

aus: Deutschlands Dichterinnen
von H. Kletke
Zweite vermehrte Auflage
Berlin Verlag von Hermann Hollstein [1856] (S. 344-345)

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Biographie:

Fidler, Frau Karoline von, geboren 24. August 1801 bei Glogau in Schlesien, gestorben 6. September 1874, sie war die Gattin des königlichen preussischen Generallieutenants Ferdinand v. Fidler. Ihre Gedichte wurden als Manuskript gedruckt. [Gedichte 1844]

aus: Lexikon deutscher Frauen der Feder. Hrsg. von Sophie Pataky
Berlin 1898

 


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