Liebeslyrik der Gegenwart

 


 

Ich aber will dich nackt...

Liebesgedichte von Gabriella Wollenhaupt

 

 


An uns vorbei


In hellen Nächten
Schauten wir uns an.

In dunklen Tagen
Gingen wir an uns vorbei.

In schimmernden Stunden
Liebten wir uns.

In blauendem Morgen
Vergaßen wir mit uns zu reden.


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Trinken


Ich will dich trinken
Mich löschen mit dir.

Ich will dich tränken
Dich laben mit mir.

Ich will dich rätseln
Mich fragen in dir.

Will dich mir schenken
Du sagst mir wofür.


_____



Amor an Petrarca


Hab Pfeile noch und noch auf dich verschwendet,
Doch du hast leider nichts daraus gelernt.
Hab meine allerletzte Kraft für dich verwendet,
Doch deine Königin hat sich von dir entfernt.

Statt sie zu fragen, ob sie mit dir ginge,
Hast du gejammert in vollendeter Sonettenform.
Die Frau – mein Bester – stand auf andere Dinge
Als trockne Lorbeerkränze in gestelzter Norm.

Sie wollt’ ihr Blondhaar mit Kamille waschen,
Die du ihr jeden Tag beschaffen solltest,
Und shoppen mit Dukaten in den Taschen.

Sie mocht’ ihn nicht, den lauen Sex, den du ihr zolltest.
Da konnten auch Canzonen nicht mehr überraschen.
Sie nahm den Mann von gegenüber, und du grolltest.


_____



Petrarca an Amor


Verdammt, hast mich genug gequält
Mit deinen vielen Bogenschüssen
Ich hab den Lorbeer nicht gewählt
Würd’ lieber rote Rosen küssen.

Mia Donna ist mir längst egal
Sie ziert sich jetzt schon 20 Jahr
Doch bei Sonetten zählt nun mal
Die schwarze Liebe – ist doch klar.

Hätt ich mit Laura rumgemacht
Könnt ich doch keine Verse schreiben.
Ich müsst sie lieben jede Nacht,

Mich würde nur die Wollust treiben,
Und nichts, was echten Ruhm ausmacht.
Ach, Amor, lass das Schießen bleiben!


_____



Hast mich lange nicht


Hast mich lange nicht
Gesehen,
Gehört,
Gesprochen.

Hast mich lange nicht
Gefragt,
Gekannt,
Geküsst.

Hast mich lange nicht
Gelebt,
Geliebt,
Genommen.

Hast mich jetzt genug
Verpasst,
Vergessen,
Verlassen.


_____



Du woanders


Du woanders - Träume betrügen.
Du unterwegs -Narben schmerzen.
Du bei mir - Wünsche tun weh.
Du an mir - Lust brennt.
Du in mir - Sehnsucht wird still.
Du neben mir - Träume haben betrogen.

_____



Zauberei


Schau zu mir.
Ich zaubere dir
einen Regenbogen
übers Eismeer.
Oder eine Rose
unter den Teer.


_____



Versunken

(Nach B. Lesmian)


Versunken in einen Traum,
Geb' ich dir ein Zeichen, dir
Meinem wachsamen Diener,
Damit du mein Verlangen
Nach Liebkosungen stillst.

Du bist so flink und so zärtlich
Und gewissenhaft bei der Arbeit!
Dein Haar riecht nach Kräutern:
In der Sonne gewachsen
Und bei Mondlicht geerntet.

Mit dem Atem weiter Gärten
Umhüllst du meine Seele.
Ich halte deinen Kopf wie einen Kelch,
Und schau auf deine Lippen –
Die Spur ihres Zitterns verfolgend.

Nein, du sollst nicht zittern!
Ich lege meinen warmen Mund
Auf deine Brust, genau dort,
Wo die vor Hunger schreienden Wildtiere
Einstmals ihre Träume träumten.


_____



kettenreaktion


augen glühen
in meinen poren

mein mund
flüsterheiß

angedockt an
deinem ohr

ich kette meine
blicke an deine

und schreie mein
herz in deins.


_____



schneckengleich


im käfig aus feinem glas
bleibt die stirn so kühl:
schneckengleich der tag.

wind drängt den jammer
ungeliebter nächte
mit dem staub ins land.

mein herz fühlt so schwer
im glanz der mythen:
nicht berühren, nein!

die sehnsucht ist ein
ruhmloses schlachtfeld:
ausbruch unmöglich.


_____



dämonen


du atmest seide
an meinen hals.

streichelst spinnweb
auf meinen bauch.

flüsterst terzinen
zwischen meine brüste.

küsst dämonen
in meinen schoß.


_____



Schwarze augen


deine hände sind
mondnahe lust
wenn du in
meinem leib badest.
schwarze augen
laden zum fest.


_____



mein herz


mein herz liebt den
der nicht bei mir ist

mein leib liebt den
der neben mir liegt

meine seele betrauert beide.


_____



Ich bin allein


Ein Vogel träumte tief in meinem Leib.
Sein Herz war leise und so schwach,
Nur unsere Liebe hielt ihn wach.
Wir streichelten sein Federkleid.

In deinem Schweigen lag der Grund
Dass seine Augen nicht mehr jagten
Und andre Jäger es nun wagten
Auf ihn zu lauern Stund um Stund.

Mit Sehnen sucht ich ihn zu hegen,
Mein Herz sollt ihm kein Käfig sein
Er sollte frei sein und sich fortbewegen

Auf Sonnenstrassen in den Wind hinein,
Um Lorbeerküsse sachte abzulegen,
Die ich für dich geküsst. Ich bin allein.

_____



Lust


Komm! Pack mich! Will nichts sein
Als nur dein Fleisch an meinem,
Mein Leib verklebt mit deinem!
Du bist wie kühler Bitterwein.

Komm! Küss mich! Deine Zunge
Mag doch das Rumschwarwenzeln
Und auch das kühne Inmirtänzeln.
Du wirkst wie Cannabis auf Lunge.

Ja! Schrei! Ich stopfe dir den Schlund
Mit schön erdachten Liebesschmerzen.
Du schmeckst nach wildem Hungermund.

Ich weiß! Das ist nach deinem Herzen!
Du stößt mich lachend in den Höllengrund
Und zündest deine startbereiten Nebelkerzen.


_____



ich will


lorbeer um
deinen kopf winden
rosen in
deinen schoß legen
stöhnen von
deinen lippen saugen
stürme in
dein herz wünschen
helden in
deine seele küssen


_____



wir sind gleich


wir sind gleich
in der zartheit
und göttlich
in der wildheit
und geboren
für die erfüllung


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18. Sonett von Shakespeare


Ich gleiche keinem Sommertag
Bin nicht so mild wie Honigsaum
Und meine Blüten knospen kaum
Weil warmen Wind ich nicht ertrag.

Mein Sommer ist ein Ränkespiel
Und meine Schönheit trifft ins Hirn
Mein Mal des Stolzes auf der Stirn
Ist jedem dumpfen Mann zuviel.

Die harten Seelen klopf ich weich
Mit lustvolldüstren Spinnenweben
Ich bin nicht zart und dennoch reich

An zärtlich-tiefen Liebesleben.
Ich atme mit dem Winde gleich:
Und werde mich in ihm erheben!


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Rüstung

Du willst, dass ich
Dein Unglück vertreibe.

Doch sag mir, wie.

Unter deinem Mantel
Schimmert die Rüstung.

Ich aber will dich nackt.


_____



picknick im bett mit meinem liebhaber


picknick im bett (1) - sonett


die wilden spiele haben uns geschafft
jetzt sind die glieder müd geliebt
du schaust mich an und möchtest saft
von trauben, möglichst durchgesiebt.

du sagst, wie kirschen seien meine lippen:
ganz frisch und immer wieder neu im rot
und in der nähe meiner zarten rippen
gäb’s äpfel, wie sie gott im paradies verbot.

du sagst, dass ich den wilden zauber hätte
von nelkenbäumen, die in südseeparadiesen
gleich neben orchideen um die sonne buhlen.

mein süßer eros! liegst so mattgeliebt im rosenbette!
ich lass den roten wein in deinen nabel fließen
und trink ihn aus der schönsten aller kuhlen.


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picknick im bett (2)


amore!


spür mein schwarzesschokoladenblut
fass mich an mit zimtstangenfingern
küss meinen heißenkirschenmund
leck mich mit der peperonizunge
spiel mit den granatäpfelbrüsten
schnupper in den duftnelkenporen
streichel den sommeraprikosenbauch
knete meine weißbrotschenkel und
stoß in meinen pfefferminzschoß!


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picknick im bett (3)


dein blut


heiße schokolade
meine worte das
sahnehäubchen obendrauf

mein blut
goldener rum
deine worte das
streichholz ihn zu entflammen


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picknick im bett (4) - stanze


am abend breite ich die seidendecke
über die heiß zerwühlten lasterkissen
und schneide blüten aus der rosenhecke.
die kirschen duften sanft. du sollst jetzt wissen
was ich mit meiner zauberei bezwecke:
dass du bist mein! will dich nie mehr vermissen.
jetzt leg dich hin! ich füttre dich mit kuchen
und später hilfst du mir beim krümel suchen.


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(c) Gabriella Wollenhaupt
E-Mail: frauausglas@yahoo.de Homepage: http://www.gabriella-wollenhaupt.de


 


 

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