Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Joseph von Hammer-Purgstall)


Aus: Der Buchstabe Dal

CXVII. (117)

Freunde, öffnet einen Knoten
Von den Locken der Geliebten,
Schön ist die Nacht, verlängert sie
Mit den schwarzen Locken.

Dies ist trauliche Gesellschaft,
Alle Freunde sind versammelt,
Leset die Zauberformeln ab,
Les't mit hoher Stimme.

Welch ein Unterschied ist zwischen
Dem Verliebten und Geliebten,
Koset mit dir die Freundinn, mußt
Du dich flehend nahen.

Lauten und Schalmeien tönen
Hoch, sie schrey'n mit lauter Stimme:
Neiget das Ohr von dem Verstande
Zu den Eingeweihten.

Ueber Jeden, der im Hause
Nicht lebendig ist von Liebe,
Betet nach meinem Kirchenbuche
Sterb- und Grabgebete.

Von dem Rath des Vielerfahr'nen,
Ist der erste Buchstab dieser:
"Hüte vor einem Liebchen dich,
Das nicht deines Stands ist."

Bei des Freundes Seele schwör' ich
Nie wird euch der Schmerz erscheinen,
Wenn ihr nur auf die Huld des Herrn
Noch Vertrauen habet.

Wenn Hafis einst eine Gnade
Von Euch frey begehren sollte,
Weiset die Gnad', ich bitt' euch,
An des Freundes Lippen.


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