Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Joseph von Hammer-Purgstall)


Aus: Der Buchstabe Ra

IV. (4)

Zeig' das Gesicht, damit ich
Meines Daseyns vergesse,
Streu' in den Wind die Spreu
Verbrannter Herzen, trage sie fort.

Augen und Herz hab' ich der
Fluth des Elend's geweihet,
Sage zum Strom' des Grams:
Zerstör' mein Wesen, trage es fort.

Lebe der Wirth! und leicht ist
Alles Uebrige sonsten,
Andere giebt es noch
Aus dem Gedächtniß, trag' mich nicht fort.

Ha! wer vermag den Moschus
Seiner Locken zu riechen,
Diese Begier, mein Herz,
Must du verbannen, trage sie fort.

Gestern noch sprach er: ich will
Morden dich mit den Wimpern,
Blutiger Sinn, entfleuch
Aus seinem Herzen, trage dich fort!

Sage der Brust: entflamme den
Heuchler, unseren Mobed,
Sage dem Aug': verschling'
Des Tygers Fluthen, trage sie fort.

Ohne Bemüh'n wird's dir auf
Diesem Weg nicht gelingen,
Willst du den Lohn, gehorch'
Zuerst dem Meister, trag' ihn dann fort.

Gieb mir das Wort, an meinem
Sterbetag mich zu besuchen,
Und du befreyest mich
Hinfort von Leiden, tragest sie fort.

Denke Hafis! des Freundes
Zartes weiches Gemüthe,
Geh', und entferne von ihm
Die Klagetöne, trage sie fort.


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