Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Joseph von Hammer-Purgstall)


Aus: Der Buchstabe Ja

XXXI. (31)

Ich bin allein der Narr
Im Schenkenkloster,
Es ist mein Buch und Kleid
Für Wein versetzet.

Der Spiegel unseres Schahs
Das Herz ist staubig,
Ich fleh' deßhalb zu Gott
Um Sinnserleuchtung.

Es fließt ein steter Strom
Vom Aug' zum Gürtel,
O daß zum Ufer hin
Man Cedern pflanze!

O bring' das Schiff des Weins!
Ob ihren Wangen
Ist jedes Aug' aus Gram
Zum Meer geworden.

Ich habe Buß' gethan
Beim Weinverkäufer,
Nun trink' ich nimmer Wein,
Weil sie nicht da ist.

Die Kerze sagt vielleicht
Uns das Geheimniß,
Es schenkt der Schmetterling
Sich nicht des Wortes.

Sprich nur Verliebten nichts
Als vom Geliebten,
Ich achte Niemanden,
Als Wein und Liebchen.

Erzürn' dich nicht, wenn dir
Narzissen prahlen,
Wer helle siehet, geht
Nicht hinter Blinden.

Wie lieblich klang mir nicht
Die neue Sage,
Erzählt am Schenkenthor
Von meinem Christen;

Er sprach: wenn den Islam
Hafis nicht achtet,
Ach weh! was saget er
Dann beim Gerichte! 1

1 Der junge Christ Hafisens Liebling selber ärgert sich daran, daß Hafis ein so schlechter Moslim ist.


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