Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Joseph von Hammer-Purgstall)


Aus: Der Buchstabe Ja

XXXVI. (36)

Wo ist Ostwind, der Both, um jenen nach Würden zu ehren,
Der von meinem Freund liebliche Briefchen mir bringt,

Klagen will ich nun nicht, allein die Milde des Freundes
Feuchtete noch bisher durstige Herzen nicht an.

Wisset, mit was der Verstand im Wege der Liebe vergleichbar?
Mit dem Tröpfchen Thau, das in die Fluthen sich senkt.

Komm'! denn ist gleich mein Ordenskleid die Stiftung der Schenke,
Keinen Pfennig doch wirst du darum finden bei mir.

Ey warum kauft ein Zuckerrohr nicht von Freunden der Redner,
Dessen süßem Kiel liebliche Rede entfließt.

Ha! mein Herz ist wider Trommel und Kutten im Aufruhr, 1
Vor der Schenke Thür pflanzen die Fahne wir auf.

Was verstehen die Aerzte am Weg, die Leiden der Liebe?
Du gestorbener Mann sieh' um den Heiland dich um.

Wie und warum, und alles zu wissen macht häufiges Kopfweh,
Nimm den Becher, und ruh' wenig Minuten nur aus!

Komm'! die auf Zeit sich verstehen verhandeln Himmel und Erde
Für zwey Becher Wein, und ein vertrautes Gespräch.

Immer genießen und schwelgen ist nicht die Gewohnheit der Liebe,
Gehst mit uns du um, trinke die Hefen des Grams.

Nichts besitzet Hafis, was deinen stattlichen Wuchs zahlt,
Nichts als Abendgruß, nichts als Morgengebet.

1 Deff die Halbtrommel der Derwische; mein Herz empört sich wider Kutten und Trommeln, d.i. wider Mönchsitten.


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