Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Joseph von Hammer-Purgstall)


Aus: Der Buchstabe Ja

LXIII. (63)

Ohne Zweck in eitler Begier ist das Leben verstrichen,
Jüngling gieb mir das Glas, morgen schon wirst du zum Greis.

Sieh', es erglänzet die Flamm' von ferne auf Sinai's Höhen,
Und wie Zunderschwamm fanget den Funken mein Herz.

Dankbar, fürwahr! geziemt uns zu seyn in unserer Hauptstadt,
Wo der Falke der Jagd sich mit der Ameis begnügt.

Um ein Düftchen vom Saum des Geliebten zu haschen wie's Rauchfaß
Hab' ich entschlossen mein Herz hin auf die Gluten gelegt.

Gestern drängte ich mich vor die Thür' des Geliebten zum Pferdetroß.
Armer, sprach er zu mir: Wer hat dich also beschwert?

Hast den Blitz, der von Sina ausgieng, du zum Vertrauten gewählet?
Oder nahte zu dir irgend ein flammend Gestirn?

Blutigen Herzens muß seyn, doch froh zugleich wie die Blase,
Welcher durch Moschusduft Ruhm sich erwarb in der Welt.

Schlage die Flügel, und singe das Lied des Lammes aus Eden,
Armer Vogel, o weh'! daß du im Kefichte bist.

Fort ist die Karawane, nun schläfst du sorglos im Winkel.
Mancher verschlief wie du jenes Signales Geläut. 1

Dir zu Lieb' hat Hafis auf allen Seiten gesichert.
Herr mein Gott! o mach' Suchenden leichter den Weg.

1 Das Zeichen zum Aufbruch einer Karawane wird bald mit Glockengeläute und bald mit Paukenschlag gegeben.


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