Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Joseph von Hammer-Purgstall)


Aus: Der Buchstabe Dal

LXXIII. (73)

Vielleicht mein Herz, daß sich der Schenke Thüren öffnen,
Vielleicht daß sich die Knoten der Verwirrung öffnen.

Hat eines Gleisners Hand aus Selbstsucht dich gesperret,
Sey muthig, dann man wird dich wegen Gott eröffnen.

Zur Lust der Trunkenen, die an frühem Morgen trinken,
Wird manch' verschloßne Thür' durch das Gebet sich öffnen.

Wenn ihr den Bannbrief schreibt, für sie, der Rebe süße Tochter, 1
So werden Augen sich mit blut'gen Wimpern öffnen.

Der Wein ist tod, hinweg nun mit der Laute Haar, 2
Nun soll sich's Doppelhaar der Schenkediener öffnen.

O Gott! der Schenke Thür' ist wirklich zugesperret,
Erlaube nicht, daß sie die Thür' des Truges öffnen.

Hafis! Am jüngsten Tag wirst du verwundert sehen,
Was unter Kutten sich für seltne Gürtel öffnen. 3

1 Die Tochter der Rebe, der Wein.

2 Das Haar der Laute, die Saiten.

3 Am jüngsten Tage werden jene Klausner, die nur Gleisner sind, und jene Blauen, die nichts als blauen Dunst vor die Augen machen, mit besondern Gürteln kennbar gemacht seyn. Da wirst du dich wundern, Hafis, unter den Kutten so viele Gürtel versteckt zu sehen. Wiewohl der Gürtel, ober dem Kleid getragen, ein nothwendiges Stück der morgenländischen Tracht ist, so ist derselbe, unter den Kleidern getragen, das Wahrzeichen heimlicher Parsen und versteckter Feueranbeter. Der Gürtel der Magier heißt Kesti, woraus unstreitig der magische Gürtel der Griechen xesoV entstanden.


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