Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Joseph von Hammer-Purgstall)


Aus: Der Buchstabe Ta

LXIII. (63)

Morgenwind, o Hudhud! nach Saba will ich dich schicken 1
Siehe woher und wohin wir dich schicken!

Schad' ists, daß ein Vogel wie Du in Wüsten des Grams lebt,
Laß dich ins Netz der Beständigkeit schicken.

Nichts ist nah und Nichts ist ferne dem Pfade der Liebe,
Oeffentlich will ich Wünsche dir schicken.

Morgens und Abends werd' ich Karawanen guter Gebete 2
Kosend aus Osten und Westen dir schicken.

Du so ferne dem Blick, und meinem Herzen so nahe,
Täglich will ich Gebete dir schicken.

Daß von dem Heere des Grams des Herzens Ruh nicht zerstört werd'
Will ich die Seele als Herold dir schicken.

Daß von meiner Sehnsucht die Sänger Kunde dir geben
Will ich die Lieder mit Tönen dir schicken.

Schenke komm! es bracht ein heimlicher Bothe dir Kunde
Duld' ich will Arzneyen dir schicken.

Unsre Gesellschaft Hafis ist mit deinem Lobe beschäftigt
Pferd und Kleider will ich dir schicken. 3

Schau in deinem Gesicht ein göttliches Wunder, ich werde
Einen Spiegel Gottes dir schicken. 4

1 Hudhud, der Widhopf, Salomons Briefträger an Balbis, die Königin von Saba. Hafis bedient sich statt desselben des Morgenwinds.

2 Ich sende dir Karawanen guter Wünsche, ist unter vielen andern eine der Wünschungsformeln, mit denen man freundschaftliche Schreiben beginnt.

3 Pferd und Ehrenkleid, als die Insignien der Belehnung, oder auch blos vorzügliche Ehrenzeichen, im ganzen Morgenland üblich.

4 Unter dem Spiegel Gottes versteht der Dichter hier sein Herz. Ich will dir mein Herz schicken, damit du dich darinn wie in einem Spiegel sehen könnest.



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