Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Joseph von Hammer-Purgstall)


Aus: der Buchstabe Cha

I. (1)

Mein Herz verlangt nach dem Gesicht Farruch's, 1
Es ist verwirret wie das Haar Farruch's,

Ich nehme aus sein Hindufarbes Haar,
Sonst Niemand naht sich dem Gesicht Farruch's,

O dreymal glücklich ist er, dieser Schwarze, 2
Er, der Begleiter und Gefährt' Farruch's,

Wie Weiden zittert die Cypreß' im Garten,
Sobald sie sieht den hohen Wuchs Farruch's 3

Gieb mir den safranfarben Wein, o Schenke,
Zum Angedenken der Narziß' Farruch's. 4

Aus Gram hat sich mein Leib gekrümmt zum Bogen,
Zum Bogen wie die Augenbraun' Farruch's,

Den Moschushauch vom Tartarland beschämet,
Der Hauch des Ambradufts vom Haar Farruch's.

Wenn jedes Herz sich neigt nach einer Seite,
So neiget meines sich ganz zu Farruch.

Ich diene gern dem hohen Geist von Jenem,
Der wie Hafis sich nennt ein Sklav Farruch's. 5

1 Der wahre oder erdichtete Name eines Lieblings des Dichters.

2 Das schwarze Haar wird hier zum Eunuchen personificirt, der allein des Glückes theilhaftig ist, sich dem Hareme des schönen Gesichtes zu nahen.

3 Aus Eifersucht und Neid zittert die Cypreße über den schönen Wuchs, der ihre Form beschämet.

4 Die Narziße, das Auge; liebetrunkene Augen werden trunknen Narzißen verglichen, und daher die Verbindung zwischen dem Auge des Geliebten und dem Wein, den der Dichter vom Schenken fodert.

5 Sudi bemerkt zu Ende dieser Gasel: es fänden sich unter den Versen Hafisens wohl manche leichte und lose, und zu diesen gehörten die vier eben gelesenen.


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