Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Vincenz Ritter von Rosenzweig-Schwannau)


Aus: Buchstabe Dal

1.

Du sah'st, o Herz, was Gram der Liebe
Nun abermals für Folgen hat,

Und wie der Holde mir enteilte,
Und was dem treuen Freund er that.

Ach, welch' ein Spiel war's, das bethörend
Die Zauberin Narzisse trieb!

Ach, wie benahm sich die Berauschte
Mit jenem, der stets nüchtern blieb?

Durch Freundes Kaltsinn nahm die Thräne
Des Abendrothes Farbe an;

Sieh, was mein Stern, der liebelose,
Bei diesem Anlass mir gethan!

Aus Leïla's Wohnung schoss am Morgen
Ein Blitz hervor mit wildem Glanz,

Und weh, Medschnun, dem Herzenskranken,
Verbrannte er die Garben ganz!

Gib, Schenke, mir des Weines Becher!
Was des verborg'nen Zeichner's1 Hand

Vollbracht durch seines Zirkels Wendung,
Das wurde Keinem noch bekannt.

Was Jener, der so reich bemalte
Des azurblauen Himmels Rund,2

Vollbrachte hinter'm Räthselschleier,
Das ward noch keinem Menschen kund.

Die Liebe fachte in Hafisen
Den Feuerbrand des Grames an;

O seht doch nur, was einem Freunde3
Ein alter Freund4 hat angethan!
 

1 D.i.: Gottes.

2 D.i.: Gott.

3 D.i.: Hafisen.

4 Die Liebe

 

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