Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Vincenz Ritter von Rosenzweig-Schwannau)


Aus: Buchstabe Dal

32.

Wer zarte Rücksicht wahrt für die Getreuen,

Den wahret Gott: kein Unglück darf er scheuen.

Willst du, dass der Geliebte treu verfahre,

So wahr' den Faden1, dass auch er ihn wahre.

Dem Freunde nur geb' ich vom Freunde Kunde:

Bekanntes wahrt man aus bekanntem Munde.

Er sprach, als ich ihn bat mein Herz zu wahren:

»Was kann ein Knecht? Gott wahre vor Gefahren!«

Haupt, Gold und Herz will ich dem Theuren geben,

Der Lieb' und Treue wird zu wahren streben.

Erblick'st du, Ost, mein Herz in jenem Haare,

So sag' ihm hold, dass es das Plätzchen wahre.

Herz! Lebe so, dass, wenn dein Fuss geglitten,

Dich Engel wahren mit der Hand der Bitten.

O tapf're Krieger! Wahrt des Herrn Befehle,

Der stets Euch wahrt, gleich seiner theuren Seele.

Wo ist dein Wegstaub? Sollt's Hafis erfahren,

Will zu des Ost's Erinn'rung er ihn wahren.
 

1 Den verbindenden Faden der Freundschaft.

 

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