Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Vincenz Ritter von Rosenzweig-Schwannau)


Aus: Buchstabe Dal

48.

Dein Leib bedürfe nie der Ärzte Protzigkeit;

Dein zarter Körper sei von jedem Schmerz befreit!1

Auf deinem Heile fusst das Heil der ganzen Welt:

Kein Zufall lasse dich dem Leide blossgestellt!

Es ruhen Bild und Sinn2 auf deinem Wohl allein:

Nie soll dein Äuss'res welk, nie krank dein Inn'res sein!

Stürzt plündernd sich der Herbst auf diesen Wiesenplan,

So falle nimmermehr er die Zipresse an!

Und zeigt in vollem Glanz sich deiner Schönheit Licht,

So fehle zum Gespött die Kraft dem Bösewicht!

Wer auf dein Mondsgesicht mit scheelem Auge

 schaut,

Der prassle in der Gluth des Gram's wie Rautenkraut!3

Hafisen's Zuckerwort sei deine Arzenei,

Dass Rosenwasser dir und Kand entbehrlich sei!
 

1 Dieses Ghasel verfasste der Dichter bei Gelegenheit der Genesung eines seiner Freunde.

2 D.i. das Physische wie das Moralische.

3 Die Orientalen werfen die Körner des Rautenkrautes in's Feuer, weil sie glauben, dass dadurch die Wirkung des cattiv' occhio aufgehoben werde.

 

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