Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Vincenz Ritter von Rosenzweig-Schwannau)


Aus: Buchstabe Se

3.

Sel'ge Nacht, in der du nahest,
Hundertfältig schmeichelnd mir,

Dann mit Schalkheit spröde thuest,
Und ich flehend steh' vor dir!

Bleibt wohl Knospen gleich verschlossen
Was mein armes Herz verhehlt,

Wenn es zum Geheimnisshüter
Sich den Morgenwind erwählt?

Was vom hohen Glück ich hoffte
Stellt' in deinem Wuchs sich dar,

Und mein Wunsch vom langen Leben
Lag in deinem Lockenhaar.

Wie die Kräuslerin des Schicksals
Doch so listig ist und fein!

Reibt sie Seinem Schelmenauge
Noch das Schwarz der Anmuth ein!

 An wieviele Herzenspforten
Pocht' ich nicht in heisser Qual.

Hoffend in den langen Nächten
Auf der Liebe Morgenstrahl!

Magst du mich auch hart behandeln,
Quält mich auch der Neider sehr,

Dem Gefangenen der Liebe
Füllt kein langes Unglück schwer.

Ruhe schenkt der Ost dem Geiste,
Wenn die Rose wiederkehrt;

Gottes tausendfachen Segen
Ist ein solcher Schwätzer werth.

Staub, der mein Gemüth belastet,
Macht des Feindes Auge blind;1

Wirf, Hafis, dich auf die Erde,
Brenn, doch scheine frohgesinnt!
 

1 Staub, hier für Kummer. Der Sinn ist: Der Kummer den ich fühle, wirkt selbst auf meine Feinde schmerzlich ein.

 

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