Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Vincenz Ritter von Rosenzweig-Schwannau)


Aus: Buchstabe Mim

33.

All' mein Leiden kömmt vom Freunde,
Und so auch die Arzenei;

Und mein Herz ward ihm zum Opfer,
Wie es auch die Seele sei.

Das was schöner ist als Schönheit
- Anmuth nennt man's insgemein -

Das besitzt mein Vielgeliebter,
Und auch jene nennt er sein;

Nur ein Abglanz seiner Wangen
Scheinen beide Welten mir:

Offen hab' ich's dir verkündet,
Sagte es auch heimlich dir.

Hinter'm Vorhang, theure Freunde,
Sagt ein Wörtchen Euch mein Mund:

Aber das was man gesprochen
Wird durch Weitersagen kund.

 Jene trunkene Narcisse
Sie vergoss, ach, all' mein Blut,

Während jene wirre Locke
Grausam auch ein Gleiches thut.

Kein Vertrauen lässt sich fassen
Zu den Dingen dieser Welt;

Ja, auch mit dem Lauf des Himmels
Ist es Anders nicht bestellt.

Denk' an Jenen der da grausam
Meinem Blute stellend nach,

Kühn den Bund den er geschlossen
Und auch die Verträge brach.

Wie jetzt an ihr Ziel gekommen
Des Vereines frohe Nacht,

Schwinden auch die bösen Tage
Die die Trennung hat gebracht.

Seines Maales Bild1, verspritzte
Schon gar oft mein Augenblut,

That es klar und unverhohlen,
Wie es auch es heimlich thut.

Keine Furcht kennt der Verliebte
Vor dem Richter. Bringe Wein!

Auch Verbote eines Herrschers
Schüchtern nimmermehr ihn ein.

Dass Hafis der Liebe fröhne
Ist dem Vogte wohlbekannt,

Ist es selbst auch dem Assafe
In der Salomonen Land.2
 

1 D.i. Mein Augenstern, der dem Muttermaale des Geliebten gleicht.

2 Nämlich dem persischen Reichswesire.

 

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