Mohammed Schemsed-din Hafis

(Übersetzung: Vincenz Ritter von Rosenzweig-Schwannau)


Aus: Buchstabe Nun

4.

So oft ich auch den Ärzten
Mein Leiden mitgetheilet,

Die Fremdlinge, die armen,
Hat Keiner noch geheilet.

Des Liebeskästchens Siegel
Blieb nimmer unversehret:

Nie werde Nebenbuhlern,
O Herr, ein Wunsch gewähret!

Zur Rose die stets weilet
In eines Dornes Krallen

Sprich: »Mögest du erröthen
Vor holden Nachtigallen!«

O Herr, lass mich nicht früher
Erliegen dem Geschicke

Als auf der Freunde Wange
Der Freunde Auge blicke!

 Woran ich heimlich leide
Musst' ich dem Freund erzählen:

Unmöglich ist's dem Arzte
Sein Leiden zu verhehlen.

Soll länger noch, o Prasser,
Am Tische, der mit Gaben

Besetzt ist deiner Liebe,
Ich keinen Antheil haben?

Es hielten nicht die Menschen
Hafisen für bethöret,

Hätt' er auf die Ermahnung
Gebildeter gehöret.
 

 

 

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