Der Völker
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(Ausgewählte Gedichte)
 









 




Eine reizende, füllige Blüte,
Eine liebliche Märchenblüte
Kam in mein stilles Gemach,
Als kaum der Morgen erglühte.

Laß mich deine Schöne genießen,
Mein Liebchen, sonst wird dich's verdrießen,
Blühendes Blümelein du,
Und mein Zorn wird sich schrecklich ergießen.

O du süßeste Rosenblüte!
O du zierliche, duftende Blüte!
Reich ist mein Garten daheim,
Doch du bist die herrlichste Blüte!

O wie gerne zu mir in die Nähe
Verpflanzt ich dich, aber die jähe
Wut und der Zorn deines Herrn
Erschrecken mich, wenn es geschähe.

O sieh, wie die Rosen erglühen,
Bald wird das Chrysanthemum blühen.
"Spring über die Mauer und sei
Ein glücklicher Mann", sagt ihr Blühen.

Doch dein Herz ist hart! o wehe!
Ja, wie Stein ist dein Herz, o wehe!
Fest schließt du die Türe mir zu,
Wenn ich, Süßeste, zu dir gehe.

O rührten dich doch meine Tränen!
O besiegten dich, Liebste, die Tränen!
Öffne mir hurtig das Tor!
Denn sonst vergeh' ich vor Sehnen.

An der Schwelle der Tür will ich liegen,
Bis der Osten erglüht, will ich liegen
Nachts, bis die Sonne erscheint,
Ihre Strahlen das Dunkel besiegen.

Chinesisches Liebeslied
(Unbekannter Dichter)


 

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Literatur: Der Völker Liebesgarten Leipzig Verlag Julius Zeitler 1909
(Gesammelt und herausgegeben von Paul Seliger)
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