Der Völker
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(Ausgewählte Gedichte)
 






 




Bittere Qualen sind Qualen der Liebenden,
Deren Labung ein Durst, denen Ambrosia
Ihr unendliches Sehnen
Ihre Trauer Erquickung ist.

Deines Herzens tiefe Wunde,
Liebende, wer kann sie heilen?
Das des Arztes Hand du scheuest
Sprich, wer wird dir helfen?

Märtrerin, und suchst der Marter
Neue, dir geliebte Schmerzen!
Dir gefällt kein Qualgelübde;
Sprich, wer kann dir helfen?

Was die milde Erde darbeut,
Kühlend Wasser, Balsamäther,
Milch und Honig, aller Blumen
Wohlgeruch ist dir wie Galle;
Ach, wer kann dir helfen?

Wie weissagend die Furcht mir oft
Eine Warnerin sang; sie sang:
"Unter den Unbezwingbarn ist
Liebe das unbezwinglichste,
Glühende Pfeile schießet sie,
Unauslöschlichen Feuers voll.
Und die ernstere Liebe, sie,
Deren Flamme der Äther ist,
Ach, sie scherzet und spielet nicht;
Sie umbildet das weiche Herz,
Bricht die Härte mit ihrem Pfeil,
Wirft zu Boden, bis sie erhebt."

Eure Schwester, Gespielinnen,
Die im Tode der Sehnsucht liegt,
Ist nicht tot; o sie schlummert nur.
Seht, wie atmend das Herz ihr schlägt,
Wie ihr Mund nach Erquickung lechzt!

Nehmt, o nehmt in euren Schoß,
Unterstützt die Gesunkene,
Schlingt den liebenden Arm um sie,
Daß sie ruhe von ihrer Qual.

 Neulateinisches Liebeslied
(Jakob Balde)



 

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Literatur: Der Völker Liebesgarten Leipzig Verlag Julius Zeitler 1909
(Gesammelt und herausgegeben von Paul Seliger)
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