L I E B E S - L E X I K O N

Die entdeckte Sprache der Verliebten
oder reelles Liebes-Lexikon
aus dem Jahre 1749

 



 




EROBERUNGEN

Man bedient sich dieses schönen Wortes um die Ehrerbietung anzuzeigen, so sich eine Schöne erweisen läßt. Die Metapher ist sehr richtig, denn ein Held macht sich weniger Ruhm daraus, wenn er die größten Provinzen unter seine Botmässigkeit gebracht, als eine schöne Frau, wenn sie die Blicke und Aufmerksamkeit vieler Cavaliers an sich gezogen.
Die Waffen, deren man sich bedient, diese Eroberungen vorzunehmen, sind gewisse kleine Arten, in der Tracht und der Kleidung, die betrügerischen Blicke, das schalkhafte Lächeln, die Tändeley: ein General trägt bisweilen nicht so viel Sorgfalt, wie er zwanzig tausend Mann in Schlachtordnung stellen soll, als eine Frau, wenn sie ein Schminkpflästergen legen oder einen Wink mit den Augen geben soll, um den Angriff zu machen.

Zwey Cammerfrauen, eine gute Freundin und ein junger Cavalier, vermögen mit allem ihrem Verstande nicht so viel, daß sie den Ort einer Blume recht bestimmen könnten. Der Nachttisch ist der Ort, wo Kriegsrath gehalten wird, die öffentlichen Alleen oder die Opera sind das Feld zum Treffen, und wie man bey einem so großen Unternehmen nichts von allem demjenigen vergießt, was die menschliche Klugheit zu Verstärkung ihrer Macht veranstalten kann, so erwählt man einige häßliche Personen zu seinen Gefährten, damit die Schönheit durch die Widrigkeit der andern desto mehr hervorleuchten möge. Aber wir würden uns gar zu weit einlassen, wenn wir von dem Treffen besonders handeln wollten, wo man mehr Kriegslist anwendet, als jemals Archimedes erfunden hat:
wir werden davon in einer Abhandlung von der Kriegskunst der Damen, welche wir herausgeben versprechen, wenn unser Wörterbuch günstig aufgenommen wird, umständlich handeln.

 


zurück zum Stichwort-Verzeichnis
 

zurück zur Startseite