Liebeslyrik - Miniaturen

Gedichte und Gedicht-Zitate (Stichwort: Mond)
 


Franz Marc (1880-1916)
Liebespaar


 



 

Stichwort: Mond

16./17. Jh.      18. Jh.      19/20. Jh.

 

16./17. Jh.
(keine Beispiele)
 

 

18. Jh.
 

  • Sophie Albrecht (1757-1840)

    An den
    Mond, als er am Tage schien

    Blicke nicht so bleich und traurig,
    Wie auf eines Lieblings Grab,
    Bald ja kommt so süß und schaurig
    Deine Freundin, Nacht herab.
    Lächelnd blickst aus Sternen-Höhen,
    Freundlich du dann zu uns her,
    Spiegelst dich in Silber-Seen
    Und im blauen, stillen Meer.

    Stark in deiner Silberhülle,
    Hebt sich was am Mittag sank,
    Und dir wird in reicher Fülle
    Guter Erdensöhne Dank.
    Frischer grünt die hohe Linde,
    Lauter rauscht der Wasserfall,
    Kühler weh'n die Sommer-Winde,
    Schöner blüht das Veilchen-Thal.

    Und was mehr als Baum und Blühen,
    Mehr als Bach und Quelle ist,
    Stille Liebe siehst du glühen,
    Wo nur du der Zeuge bist. -
    Sendest aus entlegner Sphäre
    Hoffnung, wen nicht Liebe eint,
    Schwimmest in der goldnen Zähre,
    Die beglückte Liebe weint.
    _____


    Verzweiflung unterm
    Monde

    Da schwimmt er lachend ruhig durch die Sterne,
    Der stille
    Mond auf seiner Wolkenbahn,
    Hüpft über Gräber, schleicht durch Blüthen-Lauben,
    Sieht Freuden ruhig den Zerstörer nah'n.

    Ha, dich! dich konnt' ich einst als Zeugen ehren,
    Da mir die Freude heil'ge Treue schwur?
    Dich, Heuchler! konnt' ich zum Vertrauten wählen
    Vor allen Wesen rings in der Natur?

    Als er und ich in süßer Herzensfülle
    Ein Bündniß küßten für die Ewigkeit;
    Dir schenkten wir den Blick in jene Scene
    Und nannten sie: von deinem Strahl geweiht! -

    Wollüstig schwammst du in der heißen Stunde,
    Wie sie dein Blick Jahrhunderte nicht sah;
    Wie rein, wie voll, wie näher dieser Erde,
    Wie mitempfindend, Heuchler, schienst du da!

    Wir freuten uns des hohen Himmels-Zeugen,
    Der nur für uns so freundlich niedersah,
    Und küßten keuscher in der Strahlentrauung,
    Und glaubten uns dem Himmel selber nah. -

    Schon lange sahst du uns nicht mehr wie damals,
    Schon manche Nacht sank mir von Thränen schwer,
    Vereinsamt, nicht von seinem Arm umschlungen,
    Wank' ich in diesem Blüthen-Thal umher. -

    Ach, jede Stelle nennt gestorbne Freuden,
    Und führt mir peinlich die Erinnrung vor;
    Tieftraurend wein' ich in die kalte Asche
    All' meines Reichthums, den ich hier verlor.

    Kein Auge weint mit mir um meine Leiden,
    Ich suchte Trost und Mitgefühl bei Dir;
    Ha! Falscher! Kalt und ruhig blickst du nieder,
    Kein Wölkchen trübt die freche Stirne Dir.

    Du schwimmst so leicht in unsrer Trennungszähre,
    Du scheinst so hell in meines Jammers Nacht,
    Als wär' es unsers Wiedersehns Minute. -
    Weg, frecher
    Mond, der meiner Leiden lacht. -

    Verhülle dich in deine dicht'sten Schleier,
    Die Täuschung flieht, ich seh dich wie du bist.
    Ein kalter Erdball, wo, wie hier auf Erden,
    Der Tugend Thräne, Blut der Unschuld fließt. -

    Was meine Phantasie einst Lächeln nannte,
    Sind kahle Berge, wo der Müde sinkt.
    Dort ragen Scheiterhaufen, Rabensteine,
    Wo man dem Fanatismus Opfer bringt.

    Was ist der Stirn und Wange Silberglätte? -
    Ein wildes Meer, wo Todesröcheln rauscht. -
    Und deine Locken? – Schwarze tiefe Wälder,
    Wo Schlang' und Tiger auf die Beute lauscht. -

    Verläumdung, Bosheit, arg bethörte Liebe,
    Und alle Qualen, die mein Herz empfand,
    Schließt deine Gränze in gestohlne Strahlen,
    Die ich Betrogne friedevoll genannt.

    Vernichten will ich dir gesungne Lieder,
    Kein Kranz, kein Blümchen schmücke den Altar,
    Den thöricht wir dem kältsten Götzen bauten,
    Der einst getäuschter Herzen Zeuge war.
    _____


    An den
    Mond

    Kaum öffnet die Nacht ihre Hallen;
    Purpurn weilt noch
    Der Abschied des Abends an ihrer Schwelle;
    Die Nachtigall
    Beginnt ihr Lied noch nicht
    Und das Käuzlein lauschet in seiner Höhle.

    Was siehest du so verwundernd
    In mein ödes Zimmer? -
    Ueberschaue die Wege
    Deiner glänzenden Gefährten
    Und staune! -

    Siehe! der hohe Sirius
    Ist kaum am Hügel erwacht,
    Und der Stern der Liebe
    Glänzt noch in junger Schöne. -
    Der Adler beschließt erst seinen Strahlenflug,
    Und du wandelst die ersten Schritte
    Auf der nächtlichen Bahn.

    Dennoch – o Artemis,
    Findest du mein Zimmer einsam! -
    Er – o verbergt euch, ihr Sterne!
    Und du Leuchtende! -
    Er – der die Morgenröthe schalt,
    Wenn sie unsren Küssen lauschte
    In der nächtlichen Laube; -
    Der noch wachte in glühender Liebe,
    Wenn ihr eure Kammern schlosset: -

    Er schläft schon! -
    Er schläft -
    Und die Nacht ringt noch
    Mit der Dämmerung
    Um euren Schleier.
    Er schläft -
    Und die Stille herrschet noch nicht.

    Losgewunden
    Vom Kummer der Liebe
    Und ihrem belebenden Entzücken
    Umschweben ihn Träume des Friedens
    Und der stillen Ruhe,
    Die so gern
    Die Herzen der Unempfindlichen beglückt. -

    Er schläft
    Und denkt meiner nicht mehr
    In seinen süßen Träumen.
    Ach, meine Thränen
    Stören seine Ruhe nicht. -

    Mond! und ihr prangenden Sterne!
    Geht in eure Kammern
    Auf ewig.
    Nacht! tritt auf immer
    Aus deiner schwarzen Halle
    Und du, Morgenröthe!
    Lausche nie wieder
    Den Küssen der Liebe.

    Er schläft -
    Und meine Thränen
    Stören seine Ruhe nicht. - -
    _____


    An den
    Mond

    Sei mir gegrüßt – du lieber
    Mond,
    Auf deinen Sternenhöhen;
    Sag' ihm, der mir im Herzen wohnt,
    Wie du mich hier gesehen;
    Daß ich bei deinem sanften Blick,
    Mit einer heißen Thräne,
    Mich nur in seinen Arm zurück,
    Voll glüh'nder Liebe sehne.
    _____


     

  • Gabriele von Baumberg (1768-1839)

    An den
    Mond, als Eduard verreiset war

    Verschwiegner
    Mond, wärst du ein Spiegel:
    O wie viel lieber wandelt' ich
    Auf diesem bunten Blumenhügel!
    O wie viel lieber säh' ich dich!

    Trotz diesen zwischen uns gelegnen
    Gebürgen würde dann mein Blick
    Dem seinigen so oft begegnen,
    Und niemand störte dieses Glück.

    Doch strahl' auch so uns Trost hernieder,
    Erheitre unsern Lebenslauf,
    Und höre meine frommen Lieder,
    Und trinke meine Thränen auf!

    Sehnt Eduard, das Auge trübe,
    Die Brust voll Seufzer, sich nach mir:
    So birg ihm nicht, dass ich ihn liebe,
    Und bring ihm diesen Kuss dafür.

    Doch siehst du ihn bey einer Schönen,
    Die mir ihn raubet: o! so zeig'
    Ihm keine dieser bangen Thränen!
    Bedaure mein Geschick, und – schweig!
    _____


     

  • Philippine Engelhard (geb. Gatterer) (1756-1831)

    Rosalia an den
    Mond

    Schön ists, wenn durch das blühende Gesträuche
    Dein Feuer glimmt;
    Und wenn's auf jenem silberhellen Teiche
    Vervielfacht schwimmt.
    Doch schöner ists, wenn aus Amyntens Blicken
    Die Liebe spricht:
    Drum suchst du jetzt umsonst mich zu entzücken,
    Ich seh dich nicht.

    Jetzt seh ich nur, wie seine sanften Wangen
    Die Liebe malt.
    Und wie bald Geist, bald zärtliches Verlangen,
    Dem Aug' entstralt.
    Ich blicke nicht, auf seinen Arm gelehnet,
    Nach dir zurück;
    Und denke nur, indem mein Auge thränet,
    Mein künftges Glück.

    Doch zürne nicht! Noch lieb' ich dich, wie immer;
    Du warst es ja,
    Durch dessen Huld ich in dem sanften Schimmer
    Zuerst ihn sah.
    Dort sah ich, ganz von deinem Glanz umflossen,
    Im Schlaf ihn glühn;
    Am Apfelbaum, und Abendwinde gossen
    Die Blüth' auf ihn.

    Ich nahte mich – und ach, ein guter Engel
    Erweckt' ihn hier.
    Dein täuschend Licht verbarg ihm kleine Mängel,
    Lieh Reize mir.
    Ich floh - - er schlich in diesen Frühlingstagen
    Mir immer nach;
    Und gestern wagt' er's, sich mir anzutragen
    Am Wiesenbach.

    In deinem Glanz hab' ich Amynt gefunden,
    Und er fand mich.
    Dir dank ich diese wonnevollen Stunden -
    Wie lieb' ich dich!
    O lieber
    Mond, vergönne mir noch lange
    Dein Silberlicht;
    Denn sonst – mir wird schon beym Gedanken bange -
    Seh ich ihn nicht!
    _____


     

  • Leopold Friedrich Günther von Goeckingk (1748-1828)

    An den
    Mond

    Lieber
    Mond! verstecke dich,
    Wenn mein Liebster zu mir fliegt,
    Dass die Neugier müde sich
    Auf dem platten Bauche liegt.

    Lieber
    Mond! verstecke dich,
    Wenn zu viel mein Auge sagt;
    Denn wer ist so schwach, wie ich?
    Lieber keinen Streit gewagt!

    Lieber
    Mond! verstecke dich,
    Wenn er meine Lippen küsst;
    Denn ich Arme schaeme mich,
    Ob er gleich ein Engel ist.

    Lieber
    Mond! verstecke dich,
    Wenn die Abschiedsstunde schlaegt,
    Dass bei meinem Kummer sich
    Nicht das Herz in ihm bewegt.

    Lieber
    Mond! verstecke dich,
    Wenn zurück mein Liebster kehrt,
    Bis du - was klingt süsser? sprich! -
    Seiner Floete Ton gehoert!
    _____


     

  • Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

    Vollmondnacht

    Herrin, sag, was heißt das Flüstern?
    Was bewegt dir leis die Lippen?
    Lispelst immer vor dich hin,
    Lieblicher als Weines Nippen!
    Denkst du, deinen Mundgeschwistern
    Noch ein Pärchen herzuziehn?
    »Ich will küssen! Küssen! sagt ich.«

    Schau! Im zweifelhaften Dunkel
    Glühen blühend alle Zweige,
    Nieder spielet Stern auf Stern,
    Und smaragden durchs Gesträuche
    Tausendfältiger Karfunkel:
    Doch dein Geist ist allem fern.
    »Ich will küssen! Küssen! sagt ich.«

    Dein Geliebter, fern, erprobet
    Gleicherweis im Sauersüßen,
    Fühlt ein unglückselges Glück.
    Euch im
    Vollmond zu begrüßen,
    Habt ihr heilig angelobet,
    Dieses ist der Augenblick.
    »Ich will küssen! Küssen! sag ich.«
    _____


    Suleika
    Die Sonne kommt! Ein Prachterscheinen!
    Der
    Sichelmond umklammert sie.
    Wer konnte solch ein Paar vereinen?
    Dies Rätsel, wie erklärt sichs? wie?

    Hatem
    Der Sultan konnt es, er vermählte
    Das allerhöchste Weltenpaar,
    Um zu bezeichnen Auserwählte,
    Die Tapfersten der treuen Schar.

    Auch sei's ein Bild von unsrer Wonne!
    Schon seh, ich wieder mich und dich:
    Du nennst mich, Liebchen, deine Sonne,
    Komm, süßer
    Mond, umklammre mich!
    _____


    [Aus einem Briefe an Charlotte v. Stein]

    Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
    Dann scheinet uns der
    Mond,
    Dann leuchtet uns der Stern;
    Wir wandlen und singen
    Und tanzen erst gern.

    Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
    Auf Wiesen, an den Erlen
    Wir suchen unsern Raum
    Und wandlen und singen
    Und tanzen einen Traum.
    _____


     

19./20. Jh.

 

  • Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)

    Der
    Mond und Er

    Lächelndes schönes Gestirn, zu Deiner unendlichen Höhe
    Wend' ich den traurigen Blick, und er erheitert sich oft.
    So auch erheb' ich zu Ihm die schwermuthsvollen Gedanken,
    Und dann scheint mir die Welt nicht mehr ein Kerker zu seyn.

    Freundlich winkt mir sein Bild, wenn ich Dich einsam betrachte.
    Still und schweigend wie Du, wandelt Er ferne von mir.
    Aber es nahet mir hold auf muthlos umdämmerten Bahnen,
    Sanft wie Dein leuchtender Schein, seiner Erinnerung Gruß.

    Unerreichbar bist Du, o
    Mond, in der Ferne des Himmels,
    Dennoch verklärst Du die Nacht still mit erquickendem Glanz;
    So erfüllet auch Er mit Licht und Kraft mir den Busen,
    Ewig mir ferne wie Du, ist er dem Geiste doch nah.
    _____


    Dora's Abendlied

    Still tritt der
    Mond in weiter Himmelsferne
    Aus des Gewölkes nächtlich grauem Flor,
    In goldner Reinheit schimmernd jetzt hervor,
    Umgeben von dem hellen Chor der Sterne;
    Ihn, den ich mir zum Freunde auserkohr,
    Ihn, dem ich klagte, was ich längst verlohr,
    Begrüßt mein Blick in stiller Nacht so gerne.

    Er leuchtet freundlich mir statt aller Kerzen,
    Strahlt leisen Trost in die beklommne Brust,
    Und schenkt in Thränen mir der Wehmuth Lust.
    Wer nimmt des Kummers Last von meinem Herzen,
    Wer hat um ihren Umfang je gewußt! -
    Ach tief verschlossen in der wunden Brust
    Ist all' mein Weh – sind alle meine Schmerzen.

    Du, den ich längst nicht mehr zu nennen wage,
    Und dessen Bild mich dennoch stets umschwebt!
    Du, der im Innern meines Herzens lebt,
    Wo ich nur Dich, und Schmerz und Sehnsucht trage,
    O wenn Dein Blick hinauf zum Himmel strebt
    Und holde Träume Dir der
    Mondschein webt,
    So denk' auch Du an unsres Glückes Tage.

    Sie sind dahin – in weite Ferne bannte,
    Von Dir getrennt, mich grausam mein Geschick.
    Erloschen ist in Thränen nun der Blick,
    In dem sonst Muth und Hoffnung lodernd brannte.
    Der ersten Liebe nahmenloses Glück
    Rief meines Schicksals Stimme ernst zurück,
    Eh' ich des Lebens vollen Werth erkannte.

    Seitdem verhüllt mit ihrem schwarzen Schleier
    Die Schwermuth mir die weite offne Welt;
    Des Himmels hehres, sternbesäetes Zelt,
    Des
    Mondes Glanz, der oft in stiller Feier
    Der Nächte ödes Dunkel mir erhellt,
    Und ahnungsvoll die bange Brust mir schwellt,
    Eröffnet nur mein Herz der Wehmuth freier.

    Ist mir auf ewig jenes Glück verschwunden?
    Ist schmerzliches Entbehren nur mein Loos?
    Und wird allein des Grabes finstrer Schooß
    Mich schützen vor des Leidens bangen Stunden,
    So reiße schnell mich von dem Leben los,
    Willkommner Tod, denn in der Erde Schooß
    Verbluten sanft des Herzens tiefe Wunden.
    _____


     

  • Alois Leopold Altmann (um 1843)

    Hermine an den
    Mond

    Mond, des Himmels Silberkrone,
    Wenn du meine Klage hörst,
    Blick' herab von deinem Throne,
    Ehe du dein Antlitz kehrst!
    Dem Geliebten meine Grüße
    Bring' in deinem stillen Lauf,
    Bring' ihm meiner Sehnsucht Küsse,
    Nimm mein Flehen gnädig auf.

    Künd' ihm meine heiße Liebe,
    Künde sie durch deinen Glanz;
    Siehe, wie Herminens Triebe
    Flechten an der Liebe Kranz!
    Wenn ich an des Theuren Seite
    Mich der Liebe werd' erfreu'n,
    Will ich dir im edlen Streite
    Nachtviol'n und Rosen streu'n!

    Blumen sind der Liebe Gabe,
    Nach den Lüften wallt ihr Duft,
    Stürzt sie auch der Sonne Labe
    Oft in die zu frühe Gruft.
    Also schwinden uns're Tage,
    Jagen nach dem nahen Ziel,
    Wohl uns, wenn wir ohne Klage
    Rückseh'n auf ihr eitles Spiel! —

    Uns'rer Jugend kurze Freuden
    Fliehen wie der Welle Schaum;
    Ach, und jahrelange Leiden
    Folgen ihrem süßen Traum. —
    Möcht' ich meines Blüthenlebens
    Jetzt so still genährte Lust
    Nimmer, nimmer doch vergebens
    Suchen in der leeren Brust! —
    _____


     

  • Johanna Ambrosius (1854-1939)

    Warum ich weine

    Du fragst, warum ich weine?
    Hab' ich dir nie gesagt,
    Warum im
    Mondesscheine
    Die Nachtigall tief klagt?

    Sie schaut des
    Mondes Helle,
    Sehnsucht hebt ihre Brust,
    Wenn leicht die Silberwelle
    Sich kräuselt still vor Lust.

    Wenn alle Blumen strahlen
    So geisterhaft und schön,
    Dann möcht' vor Liebesqualen
    Im
    Mondschein sie vergehn.

    Sie liebt ihn; doch vergebens
    Singt sie für ihn sich müd',
    Die Thränen ihres Lebens
    Ergießen sich im Lied!
    _____


     

  • Elsa Asenijeff (1867-1941)

    SEUFZER EINER FRAU

    O
    Mond, wie darfst du glücklich sein
    Du scheinst ihm allnächtlich ins Fenster hinein!
    Sein Mund und ich, wir müssen uns fern sein
    Ein Leben lang
    Aber du auf deinem nächtlichen Gang
    Streichle mit deinem Licht
    Sein blasses, süsses Gesicht
    Und küss ihn dann viel tausendmal
    Auf seinen roten Mund.
    Und sag ihm in den Traum hinein
    Dass Eine ihn heimlich liebt
    Nur ihn allein auf der ganzen Welt
    Und an ihn glaubt!
    Und dass sie traurig sterben muss –
    Fern seinem Gruss!
    _____


    ZAUBERHAFTE
    MONDNACHT

    Ich steh an den Balkon gelehnt,
    Es ist so tiefe, tiefe Nacht – – –
    Ich kann nicht ruhn – – –
    So hab ich dich noch nie gesehnt –!
    War ich das
    Mondlicht doch,
    Das über deinem Körper spielt,
    Und sich an deinem Mund verfängt,
    – In deinem Barte zitternd wühlt,
    Und zart an deinen Händen hängt.
    Es leuchtet Liebe die lichte Welt!
    Alle Blätter haben sich aufgestellt
    Und sehen träumend die blaue Nacht –
    Die Amsel ist nach bangem Sinnen stumm –
    – Alle Blumen lächeln und fürchten sich
    Und wissen doch nicht warum, – – –
    O fühlst du nichts?
    Die Sehnsucht steht an deiner Tür
    Und reckt die Brüste
    Und spannt die Arme weit
    Und glüht nach deiner Seligkeit – – –
    O wärst du hier!
    _____


    MONDESNACHT

    Die lange Nacht,
    Die bange Nacht,
    Wachend und allein!
    Und draussen blüht der
    Mondenschein
    In lächelndem Frieden über die Welt.

    Du bist noch wach,
    Aus der Ferne
    Strömt leises Glück
    Zu mir . . . . .

    O wärst du hier!
    So hab ich mich noch nie gesehnt,
    Flammend-Geliebter
    Nach dir!
    _____


     

  • Hugo Ball (1886-1927)

    Schöne
    Mondfrau, gehst du schlafen
    Lächelnd und so munter,
    Leise mit den Silberschafen
    In die Nacht hinunter?

    O und du im hellen Kleide,
    Liebe Schehrazade,
    Spielst du, daß die Nacht nicht leide
    Deine Serenade?

    Wandermüde, wundertrunken
    Komm in meine Ruhe.
    Blaue, weiche Sternenfunken
    Küssen deine Schuhe.

    Sieh, die Nacht ist so lebendig,
    Voller Duft und Gnade.
    In den Bäumen eigenhändig
    Spielt sie sich die Serenade.
    _____


    Und bist du im
    Monde der weiße Pfau,
    Dann bin ich dein Liliengarten.
    Es steigt ein schwebend Opferblau
    Voll Bangen und Erwarten.

    Du wirst zu dieser Stunde noch
    Die lichten Schwingen breiten
    Und über Mauern hell und hoch
    Vom Brunnenrande gleiten.

    Die Sterne werden dich schimmern sehn
    Im schwarzen Wasserspiegel.
    Dein Diadem wird leuchtend stehn
    Im Hauch der Lilienhügel.
    _____


     

  • Rudolf G. Binding (1867-1938)

    Auf meinem Bette
    Mondenschein,
    so weiß wie Reif und in dem Busch
    ein Vogellied, von Lieb ein Lied,
    von Liebe, stundenlang.

    Ich schaue auf, und schau hinein
    ins stille
    Mondesangesicht,
    und senk das Haupt, und bin allein.
    Wozu denn Nacht und Sang?
    _____


    Astronomisches Gespräch

    Sieh den
    Mond mit schlanken Sichelarmen
    glühend zucken nach dem schönsten Sterne.
    Süße Ferne,
    wo Gestirne liebend sich umarmen!

    "Meinst du gar sie werden sich erreichen?
    Wird der junge
    Mond den Stern umfangen?
    Hold Verlangen,
    fern von dir zu stehn, dem Stern zu gleichen!"

    Menschenaugen werden's nicht erspähen.
    Doch im Licht des Tages scheu verborgen
    mag der Morgen
    der uns trennt sie bei einander sehen.

    Und wenn Tag mit flammenden Alarmen
    auf mich scheucht vom Lager der Geliebten
    liegen wohl im Ungetrübten
    Mond und Stern sich liebend in den Armen.

    "Freund, so laß mich lieber dich umschlingen.
    Gib den Tag als Mantel den Gestirnen.
    Von den Firnen
    schwand das Licht um uns die Nacht zu bringen."
    _____


     

  • Ernst Blass (1890-1939)

    Dein Aug' ist wie der
    Mond auf meinen Wellen,
    Geliebt ein Herrscher über Ebb' und Flut.
    Ich fühle mächtig meine Kräfte schwellen,
    Und strömend find' ich mich gesund und gut.

    Befreiung rauscht in mir aus allen Quellen
    In Atem, Träne, Blickeslust und Blut.
    Was klug verwahrt lag an geschützten Stellen,
    Wirft selig sich in die ersehnte Glut.

    Die abgeschlossenen Zellen sind nun offen,
    Das Tor sprang auf: da ist der bunte Weg,
    Auf dem du gehst. Nun darf ich alles hoffen.

    Und überströmt bin ich von Glück und leg'
    Das Haupt sanft auf die jugendliche Au:
    Da leuchtet über mir des Himmels Blau.
    _____


     

  • Adolf Böttger (1815-1870)

    Wie
    Mondesglanz die Nacht durchbricht

    Wie
    Mondesglanz die Nacht durchbricht
    Und strömt auf Thal und Matten,
    So fließt der Schönheit Lilienlicht
    Aus Deiner Wimpern Schatten.

    Seit im Gebet die Händchen Du
    Zum erstenmal gefaltet,
    Hat auch des Himmels sel'ge Ruh
    In Deinem Blick gewaltet.

    Der Engel des Gebetes blieb
    Am Glanz der Unschuld hangen,
    Und hielt die Stirne fromm und lieb
    Im Bruderkuß umfangen.

    Er legte Dir voll Liebeshuld
    Zwei Rosen auf die Lippe,
    Und hauchte Worte der Geduld
    In diese heil'ge Krippe.

    Er nahm sein lichtes Flügelpaar
    Und lieh es Deiner Liebe,
    Daß sie auf Erden immerdar
    Ganz ohne Flecken bliebe.

    Wer einmal sah im tiefsten Schmerz
    In Deines Auges Sonne,
    O dessen Blick, o dessen Herz
    Bricht - oder schmilzt in Wonne!
    _____


     

  • Paul Boldt (1885-1921)

    Die Liebesfrau

    – Nackt. Ich bin es nicht gewohnt.
    Du wirst so groß und so weiß
    Geliebte. Glitzernd wie
    Mond,
    Wie der
    Mond im Mai.

    Du bist zweibrüstig,
    Behaart und muskelblank.
    So hüftenrüstig
    Und tänzerinnenschwank.

    Gib dich her! Draußen fallen
    Die Regen. Die Fenster sind leer,
    Verbergen uns … – allen, allen! –
    Wieviel wiegt dein Haar. Es ist sehr schwer.

    – Wo sind deine Küsse? Meine Kehle ist gegallt
    Küsse du mich mit deinen Lippen!
    – Frierst du?– – – Du bist so kalt
    Und tot in deinen hellen Rippen.
    _____


     

  • Bess Brenck-Kalischer (1878-1933)

    Aber jene Leute,
    Die von der Liebe
    Als einer Quelle tiefen Genießens sprechen,
    Sie waren sicher vom
    Mond,
    Vom lieben weißen
    Mond.
    Und mich trug ein hohes Verlangen
    Auch ein
    Mondmensch zu sein.
    _____


     

  • Georg Busse-Palma (1876-1915)

    Mondlied

    Im Lindengrün hat sich der
    Mond verfangen
    Und sieht so aus, als ob er weinen möcht. —
    Wie er im Laub, verfing sich mein Verlangen
    In eines Mädchens braunem Haargeflecht.

    In Lindenzweigen und in Mädchenflechten —
    Wer, bleicher Bruder, löst so lieben Bann? —
    Wir sehn so aus, als ob wir weinen möchten,
    Der
    Mond und ich, und sehn uns lange an ...
    _____


     

  • Peter Cornelius (1824-1874)

    Komm, wir wandeln zusammen im
    Mondschein

    Komm, wir wandeln zusammen im
    Mondschein!
    So zaub'risch glänzt jedes Blatt!
    Vielleicht steht auf einem geschrieben,
    Wie lieb mein Herz dich hat.

    Komm, wir wandeln zusammen im
    Mondschein!
    Der
    Mond strahlt aus Wellen bewegt:
    Vielleicht daß du ahnest, wie selig
    Mein Herz dein Bildnis hegt.

    Komm, wir wandeln zusammen im
    Mondschein!
    Der
    Mond will ein königlich Kleid
    Aus goldenen Strahlen dir weben,
    Daß du wandelst in Herrlichkeit.
    _____


    Ich lag im stillen Zimmer

    Ich lag im stillen Zimmer
    Zur Nacht, doch eh' ich schlief
    Warf mir der
    Mond voll Schimmer
    Aufs Bett einen Liebesbrief.

    Und eh' an seinen Lettern
    Ich zuviel Zeit verlor,
    Sang mir mit hellem Schmettern
    Die Nachtigall ihn vor.

    Mein Lieb, mit welchem Solde
    Zahlst du die Dienste all,
    Dem
    Mond mit seinem Golde
    Und der süßen Nachtigall?
    _____


     

  • Max Dauthendey (1867-1918)

    Von dir lachen noch meine Träume

    Dein Leib ist reich gewirkt wie ein Feld voll Honig
    und königlicher Blumen
    Und kommt weich und heimlich wie der
    Mond in mein Bett.

    Von dir lachen noch meine Träume und bewachen dich.
    Und wie die Hähne kämpfen mit erhitztem Sporn,
    So töt' ich den, der dich im Traum begehrt.
    _____


    An deinen Lippen

    Deine Küsse halten mich glühend wach,
    Sie gehen wie feurige Sterne ums Dach.
    An deinen Lippen wird's Blut mir rot,
    Mein Herz springt ins Feuer, mein Auge loht.
    Deine Augen wie kleine
    Monde beim Küssen
    Im letzten Himmel verschwinden müssen.
    _____


    Und mein Herz singt in seinem Käfig

    In allem, was mir schön und allmächtig scheint, bist du,
    Deine Augen kommen in mein Zimmer, und die Luft wird jung,
    Und mein Herz singt in seinem Käfig.
    In mein Haus bringst du Lachtäublein unter mein Dach,
    Die Blumen und Kräuter richten sich auf,
    Bei Scheibe und Schwelle sitzen die Sonne und der
    Mond Mund an Mund.
    _____


    Nie war die eine Liebesnacht in deinem Schoß
    der andern gleich

    Nie war die eine Liebesnacht
    In deinem Schoß der andern gleich,
    Dein Leib ist ein
    Septembermond
    An immer neuen Früchten reich.

    Die Brüste sind ein Traubenpaar,
    Und drinnen pocht der junge Wein,
    Die Augen sind ein Himmelstor
    Und lassen meine Wünsche ein.
    _____


    Mein Herz als
    Mond verkleidet

    Rühr' im Schlaf an deine Wangen,
    Hangen Tropfen an den Kissen,
    Du und ich allein nur wissen:
    Unser Sehnen hat vereint
    Heiß sich in den Schlaf geweint.

    Ach, mein Herz wie's liebt und leidet!
    Spür es leis als
    Mond verkleidet
    Weiß an deiner Tür.

    Sehnsucht muß mit hellen Händen
    Noch im Schlaf dein Zimmer blenden,
    Und die blanken Scheiben schicken
    Blicke, die tags dunkel bleiben;
    Wo sie ungesehen fielen,
    Steigen Lichter aus den Dielen.

    Schweigen müssen Uhr und Zeit,
    Sehnsucht spielt auf blauen Geigen,
    Und wie einst auf Märzenauen
    Werden Balken in den Räumen
    Wieder kühn zu Knospenbäumen.
    Und auch taut im
    Mond wie Eis
    Lautlos deines Spiegels Glas,
    Will mir Heimlichkeiten zeigen,
    Die der Spiegel nie vergaß,
    Er, der zärtliche Vertraute,
    Der nur lebt von deinen Augen
    Und in deine Sehnsucht schaute.
    Dicht an deinen weißen Wangen
    Will ich deinen Atem fangen.
    Was die Scham mir nicht gestand,
    Küß ich aus dem Schlaf der kleinen, zagen, zahmen Hand.

    Rötet Morgen sich im Land,
    Auf dem roten Dach der Welt
    Tötet sich der
    Mond gelassen;
    Und wer ahnt in lauten Gassen,
    Daß, wo Sehnsucht hingestellt,
    Sich noch nachts das Pflaster hellt,
    Und mein Herz, als
    Mond verkleidet,
    Nächtlich blinde Wünsche weidet.
    _____


    Sind zwei getrennt

    Sieh droben den
    Mond zwischen Türmen hängen,
    Er konnte die Nacht aus dem Himmel verdrängen.
    Er hängt wie der Schein alles Sehnenden oben,
    Wie Helle, die sich voll Hoffnung gehoben.

    Und sind zwei getrennt, auch in fremdesten Gassen,
    Verliebten wird niemals ihr Himmel verblassen,
    Ihr Himmel, der kann ihre Augen aufhellen
    Durch brennende Botschaften zwischen zwei Schwellen.
    _____


    Stille weht in das Haus,
    Fühlst du den Atem des
    Mondes,
    Löse dein Haar,
    Lege dein Haupt in den Blauschein hinaus.
    Hörst du, das Meer unten am Strand
    Wirft dir Schätze ans Land;
    Sonst wuchsen im
    Mond Wünsche, ein Heer,
    Seit ich dein Auge gesehn, ist die
    Mondnacht wunschleer.
    _____


     

  • Richard Dehmel (1863-1920)

    Der weise König

    Ich will nicht immer küssen;
    ich will nur fühlen, du bist mein!
    Und wenn du noch viel nackter wärst,
    ich würde lieber zu Stein,
    als heut dich küssen.

    Gieb mir die stillste Stille,
    die du geben kannst.
    Dann will ich wie der
    Mondschein dort,
    der auf den Blättern tanzt,
    bei dir bleiben.

    So sprach der weise König.
    Da fiel ein Blatt in ihren Schooß,
    der Wind fuhr durch den
    Mondschein;
    sie aber nickte blos
    und küßte es.

    Er ist bei ihr geblieben,
    er riß ihr Blatt vom Munde;
    er ist die ganze Nacht geblieben
    und hat sie - Gott weiß wie still - geküßt,
    wohl hundertmal die Stunde.
    _____


     

  • Franz von Dingelstedt (1814-1881)

    Sonne und
    Mond

    Ich weiß nicht, soll ich dich dem
    Mond vergleichen,
    Der aus den Liebesaugen sanft verweint
    Auf mich heruntersieht und Friedenszeichen
    Versöhnend in die wilde Seele scheint?

    Bist du nicht eh'r, vom Himmel hoch gesendet,
    Als Sonne meinem Horizont gegeben,
    Die hellen Strahls mein blödes Auge blendet
    Und doch die Brust erfüllt mit warmem Leben?

    Verwechselt scheint mir aller Dinge Lage,
    Seit mir dein Bildniß aufgegangen ist:
    Du bist der
    Mond am klaren Sommertage,
    Wie du der Winternächte Sonne bist.

    Mein Thun und Treiben im profanen Lichte
    Durchdringest du mit deinem Frieden ganz
    Und tauchst die Nächte, flammende Gedichte,
    In heißer Traumgesichte Gluth und Glanz.

    Mond meiner Tage, meiner Nächte Sonne,
    Hoch über mir geh deinen Strahlenlauf;
    Es wogt zu dir mein Herz in Weh und Wonne,
    Wie Fluth und Ebbe liebedurstig auf!
    _____


    Es kam die Fluth, als mir dein Bildniß
    Im Herzen aufgegangen war,
    Wie plötzlich in der Wasser Wildniß
    Der
    Mond sich spiegelt wunderbar.

    Hochwasser war, als die Gedanken
    An dich stets höher mich gefaßt,
    Bis ich in selig-trunk'nem Schwanken
    Erlag der ungewöhnten Last.

    Die Ebbe kommt, nun unerweichbar
    Das Schicksal mich von dannen treibt,
    Und ach! stets weniger erreichbar
    Der
    Mond, dein Bild, dahintenbleibt.

    Tiefwasser ist, wann dich erbleichend
    Mein Angesicht zum Letzten sieht,
    Daß alle Liebe, schmerzlich weichend,
    Hinab in's tiefste Herz mir flieht.

    Gehst du nun später am Gestade
    Frühmorgens den gewohnten Lauf,
    So lies auf deinem weichen Pfade,
    Was dir die Fluth zurück ließ, auf.

    Sind Muscheln nur und glatte Steine
    Und Perlen, die wie Thränen sehn:
    Auf allen muß Ein Bild, das deine,
    Ein Name, dein geliebter, stehn!
    _____


     

  • Carl Ferdinand Dräxler-Manfred (1806-1879)

    Der
    Mond

    Auf leichtem Zweig im Waldgeheg'
    Süßnachtigall verweilt,
    Bis auf dem lichten Sternensteg
    Der
    Mond herübereilt.

    Der spinnt so süß und mildiglich
    Waldüber seinen Strahl,
    Als zög' er gerne sie zu sich
    In lichten Himmelssaal.

    Die aber klagt und weint so weich
    Um ihr gar falsches Lieb,
    Und fühlte sich den Engeln gleich
    Wenn das nur treu ihr blieb.

    So trauert wohl das arme Blut,
    Und sieht in's blasse Licht,
    Der
    Mond ist, ach, so mild und gut,
    Doch helfen kann er nicht!
    _____


    Mondnacht

    Mild leuchten
    Mond und Sterne
    Den Liebenden im Kahn,
    Die Ufer rücken ferne,
    Es dringt kein Laut heran.
    O zauberhaftes Leben
    Der
    Mondnacht auf dem See,
    Und ach, zwei Herzen beben
    In süßem Liebesweh.

    Es geht im Schilf ein Säuseln
    Es nickt dem Kahne nach,
    Des Ruders sanftes Kräuseln
    Schlägt jetzt die Fischlein wach;
    Die meinen - holdes Wunder! -
    Von Rosen sich umbaut,
    Weil in den See hinunter
    Ein Wangenpaar geschaut.

    Wie Lispel holden Reimes
    Erklingt es fort und fort:
    Hat
    Mond und See Geheimes?
    Ist's Lippenkuß und Wort?
    Sind's Lüfte, die sich küßten?
    Gekos' von Well' und Licht?
    Die Glücklichen, die's wüßten,
    Die Beiden sagen's nicht!
    _____


     

  • Demeter Dudumi (um 1856)

    Hell glänzt durch dunkles Waldesgrün
    Des
    Mondes Silberschein,
    Gern möcht' ich in der schönen Nacht
    Mit dir im Walde sein!

    Es spiegelt sich des
    Mondes Bild
    Im See so klar und rein,
    Gern möcht' ich in der Sternennacht
    Mit dir im Kahne sein!

    Es stiehlt der Strahl des
    Mondes sich
    Zu dir in's Kämmerlein,
    Gern möcht' ich in der stillen Nacht
    Bei dir, mein Liebchen, sein!

    Der
    Mond erlischt, der erste Strahl
    Des Morgens bricht herein,
    Ach Gott, ich möchte auch bei Tag
    In deiner Nähe sein!
    _____


     

  • Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

    Mondnacht

    Es war, als hätt der Himmel
    Die Erde still geküßt,
    Daß sie im Blütenschimmer
    Von ihm nun träumen müßt.

    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es rauschten leis die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.

    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.
    _____


    AN A. S.

    Weine nicht, zwar trennen uns Berge und Fluren,
    doch ferne über Tal und Wälder denk ich dein.
    Wenn das Morgenrot emporsteigt, denk' ich dein,
    bei der Abendröte denk ich dein, und wenn das
    Heer der Sterne aufzieht, da blicke ich herauf zum
    Mond, der auch damals uns so anlächelte, als
    ich deinem Purpurmunde zum erstenmal das lispelnde
    Geständnis der Liebe in der Laube, von Sternen
    umblinkt, entküßte. Blickst du dann etwa auch
    zum
    Monde, begegnen sich in Himmelssphären
    unsre Blicke, o so flüstre dir das Abendlüftchen, daß
    der
    Mond eine Sehnsuchtsträne beglänzt, die dein
    Jüngling um dich weint.
    _____


     

  • August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

    Drüben an dem Neckar schimmert
    In dem hohen Haus ein Licht -
    Und so schön hat mir geflimmert
    Noch ein Stern auf Erden nicht.

    Meine Blicke ziehn mich immer
    Drüben nach dem Fensterlein,
    Suchen nur des Lichtes Schimmer
    Wie der
    Mond den Sonnenschein.

    Heitre Bilder vor mir schweben
    Wie aus einer andren Welt,
    Und ich seh im trüben Leben
    Meiner Sehnsucht
    Mond erhellt.
    _____


     

  • Theodor Fontane (1819-1898)

    Trauriges Erwachen

    Der
    Mond, der alte Lauscher,
    Steht vor dem Fensterlein;
    Er horcht und schaut wie neidisch
    In Liebchens Kämmerlein.

    Ich lag zu ihren Füßen,
    - O welch ein Götterlos! -
    Und wiegte wonnetrunken
    Mein Haupt in ihrem Schoß.

    Sie spielte mit den Händchen
    In meinem dunklen Haar
    Und strich es zärtlich kosend; -
    Wie schön das Mädchen war!

    Mit ihrem lieben Auge,
    Wie Demant rein und klar.
    Versprach sie ewge Treue; -
    Wie schön das Mädchen war!

    Aus ihren süßen Küssen
    Da fühlte ich fürwahr
    Schon Seligkeit entsprießen; -
    Wie schön das Mädchen war!

    Die purpurfarbnen Lippen,
    Die sagten endlich gar,
    Daß sie mich herzlich liebe; -
    Wie schön das Mädchen war!

    Da, all die Lust zu fassen,
    Hat meine Brust nicht Raum
    Und selig rufend: Vanda!
    Erwach' ich aus dem Traum.

    Da war die Lust entflohen
    Und bitterböser Schmerz,
    Der Gram um ewge Trennung
    Erfüllte nun mein Herz.

    Zwar stand der
    Mond, der Lauscher,
    Vor meinem Fensterlein;
    Doch war er bald verschwunden,
    Denn ich - war ganz allein.
    _____


    Der Bach und der
    Mond
    (An Minna)

    Es floß ein Bach durch Waldesgrün,
    War lauter, klar und rein,
    Viel Blümchen an dem Bache blühn,
    Und alle nett und fein.

    Doch tut er stets, als säh' er nicht
    Die Blümchen um ihn her,
    Des lieben
    Mondes Angesicht
    Gefiel dem Bache mehr.

    Er hat es gleich ans Herz gedrückt
    Und zärtlich es geküßt,
    Wenn's nur auf ihn herabgeblickt
    Und freundlich ihn gegrüßt.

    Doch plötzlich raubt ein Wolkenschwarm
    Dem Bach des
    Mondes Bild,
    Da tobt er voller Schmerz und Harm
    Durchs nächtige Gefild.

    Das Leben dünkt ihn kein Genuß,
    Nur einzig Qual und Not,
    Und voller Lebensüberdruß
    Erfleht er schon den Tod; -

    Da, dank dem Ewgen, bricht hervor
    Der
    Mond gar hell und klar; -
    Was alles, auch der Bach verlor,
    Jetzt droht ihm nicht Gefahr.

    Jetzt, wo des
    Mondes Silberglanz
    Sich spiegelt in der Flut,
    Ist er der alte wieder ganz,
    Dem Leben wieder gut.
    _____


     

  • Marie Laura Förster (1817-1856)

    In stürmischer
    Mondnacht

    Der Himmel ist düster, die Lüfte klagen
    Im Tannenwalde; vom Sturme getragen
    Ziehen Wolken auf Wolken von Westen her.
    Ich auch bin düster, mein Herz ist schwer;
    Es klaget und zittert da drinnen so eigen,
    Wie Windesseufzer in Tannenzweigen.

    Gedanken ziehen so trübe, o trüber
    Als jene Wolken schattend darüber.
    Da durch das Dunkel tritt plötzlich mild
    Der
    Mond, der helle. So tritt dein Bild,
    Du Holde, du Liebe, von der ich geschieden,
    Plötzlich ins Herz mir und gibt ihm Frieden.
    _____


     

  • Alfred Friedmann (1845-1923)

    Liebeswiedersehen

    Des
    Mondes Silber floß in Strömen nieder,
    Wir saßen am Clavier und sangen Lieder,
    Die brachten uns vergang'ne Zeiten wieder!

    Wie war so mancher
    Silbermond verschwunden
    Seit jener Stunde, da wir uns gefunden,
    Nun kam uns wieder eine jener Stunden!

    Wie vom Pocal, durch blendend weißes Linnen
    In eine Schale junge Weinflut rinnt,
    Durch Klärung Glut und Goldglanz zu gewinnen,
    Und traumhaft dann die Sinne einzuspinnen: -

    So durch das Netz, das uns ein
    Mondstrahl spinnt,
    Fühl' ich zu mir des Wohllauts Goldstrom rinnen,
    Indeß mein Herz im Stimmeneinklang sinnt,
    Wie es der Herzen Einklang rückgewinnt!
    _____


     

  • Emanuel Geibel (1815-1884)

    Du bist so still, so sanft, so sinnig,
    Und schau' ich dir in's Angesicht,
    Da leuchtet mir verständnißinnig
    Der dunkeln Augen frommes Licht.

    Nicht Worte giebst du dem Gefühle,
    Du redest nicht, du lächelst nur;
    So lächelt in des Abends Kühle
    Der lichte
    Mond auf Wald und Flur.

    In Traumesdämmerung allmählich
    Zerrinnt die ganze Seele mir,
    Und nur das Eine fühl' ich selig,
    Daß ich vereinigt bin mit dir.
    _____


    Mein Herz ist wie die dunkle Nacht,
    Wenn alle Wipfel rauschen;
    Da steigt der
    Mond in voller Pracht
    Aus Wolken sacht -
    Und sieh, der Wald verstummt in tiefem Lauschen.

    Der
    Mond, der helle Mond bist du:
    Aus deiner Liebesfülle
    Wirf Einen, Einen Blick mir zu
    Voll Himmelsruh -
    Und sieh, dies ungestüme Herz wird stille.
    _____


    Wenn ich an dich gedenke
    Bei stiller Nacht allein,
    Das geht mir durch die Seele
    Wie lichter
    Mondenschein;
    Das geht mit durch die Seele
    Wie lieblich Harfenspiel,
    Mir ist, ich hatte nimmer
    Der Freuden also viel.

    Mein Herz ist wie ein Ringlein
    Von eitel güldnen Glast,
    Du bist die klare Perle,
    Und bist darein gefaßt.
    So wie die Perl' im Golde,
    So funkelst du darin,
    Und trägst auch mich beschlossen
    So fest in deinem Sinn.

    O dank' dir's Gott, Herzliebste,
    Viel tausend, tausendmal,
    So viel als Veilchen blühen
    Zu Ostern tief im Thal!
    So viel als Veilchen blühen,
    So oft gedenk' ich dein;
    Das geht mir durch die Seele
    Wie lichter
    Mondenschein.
    _____


     

  • Emilie Emma von Hallberg (1826-1862)

    O könnt' ich mit dir wallen,
    Du bleicher
    Mondenschein,
    Ich schlich mich ganz verstohlen
    In Liebchens Kämmerlein.

    Und haucht' auf Mund und Stirne
    Ihm wol der Küsse viel,
    Und trieb in seinen Locken
    Ein wunderliches Spiel.

    Und Liebchen würde träumen
    Gar wunderliches Zeug,
    Von Kuß und Händedrücken
    Wie
    Mondenschein so weich.
    _____


    Am Himmel schimmern viel tausend Sterne
    Und schauen mir zärtlich in's Herze hinein,
    Das aber seufzet aus tiefsten Grunde:
    "Mein Liebchen, könnte ich bei dir sein!"

    Und auch der
    Mond, der bleiche Geselle,
    Er lächelt so kalt und so frostig mich an,
    Doch seufzet mein Herz aus tiefstem Grunde:
    "O wäre ich bei dem geliebten Mann!"

    Ach,
    Mond und Sterne sind kalt und schaurig
    Und schrecken mein heißes Herze zurück,
    Mein heißes Herze glühet und flammet,
    Flammet wie Liebchens verlangender Blick.
    _____


    Die Blumen auf dem Fenster
    In meinem Kämmerlein,
    Die schlummern, ach, so süße
    Im hellen
    Mondenschein.

    Der
    Mond, der lose Buhle
    Küßt sie viel tausendmal
    Und spottet meiner Sehnsucht,
    Und spottet meiner Qual.

    Könnt' ich zu dieser Stunde
    Doch auch ein Blümchen sein,
    Und wärest du, mein Leben,
    Der süße
    Mondenschein!
    _____


     

  • Robert Hamerling (1830-1889)

    Meine Lilie

    Es flimmert der Kranz der Sterne,
    Der
    Mond aus Wolken bricht,
    Am Fensterlein dämmert ferne
    Ihr Lilienangesicht.

    Verglühet, ihr Sternenkränze,
    Versinke, du
    Mondespracht!
    Nur du meine Lilie, glänze,
    Wenn sehnende Liebe wacht!
    _____


     

  • Walter Hasenclever (1890-1940)

    Mond.
    Gazellen rufen.
    Die Öde der Täler, bedeckt von Schnee.
    Sieh, ich wandle,
    Ein Mensch der Liebe.
    Ein Herz voll Hoffnung
    Hat mich erreicht.
    _____


     

  • Heinrich Heine (1797-1856)

    An dem stillen Meeresstrande
    Ist die Nacht heraufgezogen,
    Und der
    Mond bricht aus den Wolken,
    Und es flüstert aus den Wogen:

    Jener Mensch dort, ist er närrisch,
    Oder ist er gar verliebet,
    Denn er schaut so trüb und heiter,
    Heiter und zugleich betrübet?

    Doch der
    Mond der lacht herunter,
    Und mit heller Stimme spricht er:
    Jener ist verliebt und närrisch,
    Und noch obendrein ein Dichter.
    _____


    Die Lotosblume ängstigt
    Sich vor der Sonne Pracht,
    Und mit gesenktem Haupte
    Erwartet sie träumend die Nacht.

    Der
    Mond, der ist ihr Buhle,
    Er weckt sie mit seinem Licht,
    Und ihm entschleiert sie freundlich
    Ihr frommes Blumengesicht.

    Sie blüht und glüht und leuchtet,
    Und starret stumm in die Höh;
    Sie duftet und weinet und zittert
    Vor Liebe und Liebesweh.
    _____


    Die schlanke Wasserlilje
    Schaut träumend empor aus dem See;
    Da grüßt der
    Mond herunter
    Mit lichtem Liebesweh.

    Verschämt senkt sie das Köpfchen
    Wieder hinab zu den Welln -
    Da sieht sie zu ihren Füßen
    Den armen blassen Geselln.
    _____


    Wahrhaftig, wir beiden bilden
    Ein kurioses Paar,
    Die Liebste ist schwach auf den Beinen,
    Der Liebhaber lahm sogar.

    Sie ist ein leidendes Kätzchen,
    Und er ist krank wie ein Hund,
    Ich glaube, im Kopfe sind beide
    Nicht sonderlich gesund.

    Vertraut sind ihre Seelen,
    Doch jedem von beiden bleibt fremd
    Was bei dem andern befindlich
    Wohl zwischen Seel und Hemd.

    Sie sei eine Lotosblume,
    Bildet die Liebste sich ein;
    Doch er, der blasse Geselle,
    Vermeint der
    Mond zu sein.

    Die Lotosblume erschließet
    Ihr Kelchlein im
    Mondenlicht,
    Doch statt des befruchtenden Lebens
    Empfängt sie nur ein Gedicht.
    _____


    Wandl ich in dem Wald des Abends,
    In dem träumerischen Wald,
    Immer wandelt mir zur Seite
    Deine zärtliche Gestalt.

    Ist es nicht dein weißer Schleier?
    Nicht dein sanftes Angesicht?
    Oder ist es nur der
    Mondschein,
    Der durch Tannendunkel bricht?

    Sind es meine eignen Tränen,
    Die ich leise rinnen hör?
    Oder gehst du, Liebste, wirklich
    Weinend neben mir einher?
    _____


    Was treibt dich umher, in der Frühlingsnacht?
    Du hast die Blumen toll gemacht,
    Die Veilchen, sie sind erschrocken!
    Die Rosen, sie sind vor Scham so rot,
    Die Liljen, sie sind so blaß wie der Tod,
    Sie klagen und zagen und stocken!

    O, lieber
    Mond, welch frommes Geschlecht
    Sind doch die Blumen! Sie haben Recht,
    Ich habe Schlimmes verbrochen!
    Doch konnt ich wissen, daß sie gelauscht,
    Als ich, von glühender Liebe berauscht,
    Mit den Sternen droben gesprochen?
    _____


    Wie des
    Mondes Abbild zittert
    In den wilden Meereswogen,
    Und er selber still und sicher
    Wandelt an dem Himmelsbogen:

    Also wandelst du, Geliebte,
    Still und sicher, und es zittert
    Nur dein Abbild mir im Herzen,
    Weil mein eignes Herz erschüttert.
    _____


    Wie dunkle Träume stehen
    Die Häuser in langer Reih;
    Tief eingehüllt im Mantel,
    Schreite ich schweigend vorbei.

    Der Turm der Kathedrale
    Verkündete die zwölfte Stund;
    Mit ihren Reizen und Küssen
    Erwartet mich Liebchen jetzund.

    Der
    Mond ist mein Begleiter,
    Er leuchtet mir freundlich vor;
    Da bin ich an ihrem Hause,
    Und freudig ruf ich empor:

    Ich danke dir, alter Vertrauter,
    Daß du meinen Weg erhellt;
    Jetzt will ich dich entlassen,
    Jetzt leuchte der übrigen Welt!

    Und findest du einen Verliebten,
    Der einsam klagt sein Leid,
    So tröst ihn, wie du mich selber
    Getröstet in alter Zeit.
    _____


     

  • Karl Henckell (1864-1929)

    Vollmond am See

    Mondlicht durch die Platanen rinnt,
    Welle schlägt ans Gestade,
    Vollmond silberne Streifen spinnt
    Über die feuchten Pfade.

    Jetzt mit dir, Geliebte, so
    Leicht in den Lichttanz tauchen,
    Überrieselt vom
    Mondentau
    In abgründiger Himmel Blau
    Unser sehnsuchtschwellendes Herz verhauchen!
    _____


     

  • Max Herrmann-Neiße (1886-1941)

    Lied der weißen
    Mondnacht

    Fabelhafter Schluchten
    schlummerndes Getier
    hütet unsrer
    Mondnacht
    Silber-Stier.

    Schaukelnd zu der Triften
    zärtlicher Schalmei
    jungfräulicher Hirtin
    Lorelei.

    Tropfend durch die Zweige
    schneeigen Altars
    starb ein Stern im Neigen
    deines Haars.
    _____


     

  • Georg Heym (1887-1912)

    Alles ist eitel

    Ach, ich kann dich nicht verwinden.
    Ach, nicht kann der Dichtergriffel
    Dich aus meiner Seele merzen.
    Ach, ich seh auf Buchenrinden
    Glänzen eingeschnittne Herzen.
    Ach, der laue
    Mondenschein
    Glänzt so bräutlich durch den Hain.
    Ach, kämst du doch heut gegangen,
    Ach, wie wollt ich dich umfangen,
    Heute in der Sommernacht.

    Doch die Träume sind zerstoben,
    Eine schwere Wetterwolke
    Hat sich vor den
    Mond geschoben.
    Nun ich geh weit zu wandern,
    Weit von unsren alten Buchen.
    Sieh ich werd in allen andern
    Ewig rastlos dich nur suchen.

    Mag dann einst in manchem Jahr,
    Wenn wir beide schon verwehn,
    Unterm
    Mond ein stilles Paar
    Aus bemoosten Herzen sehn,
    Daß hier ‹einer› glücklich war.
    _____


     

  • Paul Heyse (1830-1914)

    In der
    Mondnacht

    In der
    Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht
    Gehen Engel um auf leisen Sohlen;
    Blonde Engel, innig und verstohlen
    Küssen sie die schönsten Menschenblumen.

    Tausendschönchen, allerliebste Blume,
    Weiß es wohl, woher der Schimmer stammet,
    Der dir heut das Antlitz überflammet:
    Bist noch in den Traum der Nacht verloren.

    Denkst der Engel, die durchs kleine Fenster
    Sich auf
    Mondesstrahlen zu dir schwangen,
    Leise dir zu küssen Mund und Wangen
    In der
    Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht.
    _____


     

  • Edmund Hoefer (1819-1882)

    Es glänzt der
    Mond

    Es glänzt der
    Mond, der still am Himmel lauscht,
    O schau den See, der ihm entgegenrauscht!
    Er schließt sein Stralen, sanft und göttlich rein,
    Voll Sehnsucht in die tiefsten Wellen ein.
    Du bist der
    Mond, der still am Himmel lauscht,
    Ich bin der See, der dir entgegenrauscht.

    Es glänzt der
    Mond, der still am Himmel zieht.
    O lausch' dem Sänger, der ihm bringt sein Lied!
    Mit Jubel singt er in die laue Nacht
    Von seinem Glanz nur, seiner milden Pracht.
    Du bist der
    Mond, der still am Himmel zieht,
    Ich bin der Sänger, der dir bringt sein Lied.

    Es glänzt der
    Mond, der still am Himmel säumt.
    O schau die Erde, die zu ihm sich träumt!
    In seines Märchenzaubers Himmelsruh
    Schließt sorglos sie die müden Augen zu.
    Du bist der
    Mond, der still am Himmel säumt,
    Ich bin die Erde, die zu dir sich träumt.

    Es glänzt der
    Mond, der still am Himmel schwebt.
    O schau die Wolke die zur Höhe strebt!
    Doch wie sie strebt mit ihrem duft'gen Flor,
    Zu ihm da droben dringt sie nie empor.
    Du bist der
    Mond, der still am Himmel schwebt,
    Ich bin die Wolke, die zur Höhe strebt.
    _____


     

  • Mia Holm (1845-1912)

    Ihr beide

    Der
    Mond ist blass und du bist bleich,
    Ihr beide seid einander gleich,
    Und beide steht ihr hoch und fern
    Und beide, beide hab ich gern.

    Der schöne
    Mond, so still und gross,
    Fällt nie herab in meinen Schoss,
    Und nimmer neigst du dein Gesicht,
    Ob auch mein Herz in Sehnsucht bricht.
    _____


     

  • Angelika von Hörmann (1843-1921)

    Es sprach der
    Mond mir Tröstung zu
    Am Tage seiner Wende:
    Ein Weilchen noch halt' aus in Ruh',
    Bald ist dein Leid zu Ende.

    Noch einmal muß am Himmelsraum
    Die helle Scheibe schwinden,
    Schmal, wie ein winzig Strichlein kaum,
    Wirst du mich wiederfinden.

    Dann aber wachs' ich Tag für Tag,
    Aufleuchtend wie dein Hoffen,
    Bis, was dein Herz ersehnen mag,
    Ist endlich eingetroffen.

    Ich strahl' in voller Herrlichkeit
    Ins Dunkel deiner Schmerzen,
    Und finde eine selige Maid
    An des Geliebten Herzen.
    _____


     

  • Justinus Kerner (1786-1862)

    In der
    Mondnacht

    Laß dich belauschen,
    Du stille Nacht!
    Nur Wasser rauschen,
    Nur Liebe wacht.

    Vom Walde drüben
    Tönt süßer Schall,
    Es singt von Lieben
    Die Nachtigall.

    Der Vogel schweiget,
    Der
    Mond entwich,
    Zur Blume neiget
    Die Blume sich.

    Der Liebe Fülle
    Durchströmt die Flur,
    In Nacht und Stille
    Sinkt die Natur.
    _____


     

  • Theobald Kerner (1817-1907)

    In der Nacht

    Gedenkst du mein? - und eine Thräne rinnt,
    Die Worte löschend, nieder auf's Papier;
    Ich sprech' umsonst: Ach, was bin ich ein Kind! -
    Die Thräne fällt, und and're folgen ihr.

    Im Schlafe Alles - ich noch sitz' allein,
    Denk' traurig an das treue, ferne Lieb:
    Die Lampe lischt, zur Scheibe blickt herein
    Der blasse
    Mond, will sehen, was ich schrieb.

    O ziehe weiter deine stille Bahn,
    Kannst Worte wenig, viel der Thränen seh'n -
    Doch wenn du kommst an ihrem Hause an,
    Dann bleibe leis' vor ihrem Fenster steh'n.

    Gib Acht, auch sie denkt jetzt in Kummer mein -
    O
    Mond, die Liebe bringt viel Herzeleid;
    Doch besser, tragen solche heiße Pein,
    Als geh'n wie du in kalter Einsamkeit.
    _____


     

  • Hedwig Kiesekamp (Ps. L. Rafael) (1844-1919)

    Du

    Du bist der Frühling meines Lebens,
    Das
    Mondlicht meiner öden Nacht:
    Du, - was das Leben werth des Lebens,
    Und dieses Leben selig macht.
    _____


    An den
    Mond

    Silbermond, mit mildem Scheine
    Wandelst du am Himmelszelt,
    Sanfter Tröster aller Zeiten,
    Bote du der Liebeswelt!

    Schauest sie, die einsam trauernd,
    Sehnend blickt zu dir empor.
    Schauest ihn in weiter Ferne,
    Der auf ewig sie verlor!

    Sag' von Allem, was du schautest,
    Weise, schonend, nur Ein Wort:
    Sage nicht von ihren Thränen:
    Sag' ihm: "Friedlich lebt sie dort!"
    _____


     

  • Karl Ernst Knodt (1856-1917)

    Ihr Bild

    Der
    Mond ist auf. Es glänzt sein Schein.
    Mein Boot treibt auf der See.
    Ich zieh' das rasche Ruder ein
    Und luge in die Höh'.

    Wenn so die weiche Welle wiegt,
    Und an dem
    Mond vorbei
    Im Wind die Wanderwolke fliegt:
    Wie atm' ich ruhig-frei

    In all der Unrast ... Es umschweigt
    Ein Traum das Herz so reich,
    Und an der Hoffnung Himmel zeigt
    Dein Bild sich -
    mondglanzgleich.
    _____


     

  • August Kopisch (1799-1853)

    An den
    Mondschein

    O
    Mondschein, lieber Mondschein,
    Guck in ihr Fensterlein,
    Weck sie und sag der Liebsten:
    Dein Liebster harret dein!
    Dein Liebster harret dein!

    Sag ihr, sie soll erscheinen
    Ohn allen Schmuck der Welt:
    Weil Schönheit, holde Schönheit
    Ohn allen Schmuck gefällt,
    Ohn allen Schmuck der Welt.

    Ihr Aeuglein soll mir glänzen,
    Nicht sanfter Perlen Schein:
    Ihr Hälschen will ich küssen,
    Nicht Kett' und Edelstein,
    Nicht Kett' und Edelstein.

    Auch nicht mit Blumen soll sie
    Sich schmücken, duftend, bunt:
    Sie ist ein Rosensträuschen,
    Ihr Mund ein Nelkenmund,
    Ihr Mund ein Nelkenmund!

    Da will ich Biene werden
    Und fest mich saugen ein:
    Und müßt' ich davon sterben,
    Ich ließ es doch nicht sein,
    Ich ließ es doch nicht sein!
    _____


     

  • Nikolaus Lenau (1802-1850)

    Das
    Mondlicht

    Dein gedenkend irr' ich einsam
    Diesen Strom entlang;
    Könnten lauschen wir gemeinsam
    Seinem Wellenklang!

    Könnten wir zusammenschauen
    In den
    Mond empor,
    Der da drüben aus den Auen
    Leise taucht hervor.

    Freundlich streut er meinem Blicke
    Aus dem Silberschein
    Stromhinüber eine Brücke
    Bis zum stillen Hain.

    Wo des Stromes frohe Wellen
    Durch den Schimmer zieh'n,
    Seh' ich, wie hinab die schnellen
    Unaufhaltsam flieh'n.

    Aber wo im schimmerlosen
    Dunkel geht die Fluth,
    Ist sie nur ein dumpfes Tosen,
    Das dem Auge ruht.

    Daß doch mein Geschick mir brächte
    Einen Blick von dir!
    Süßes
    Mondlicht meiner Nächte,
    Mädchen, bist du mir!

    Wenn nach dir ich oft vergebens
    In die Nacht geseh'n,
    Scheint der dunkle Strom des Lebens
    Traurend still zu steh'n;

    Wenn du über seinen Wogen
    Strahlest zauberhell,
    Seh ich sie dahingezogen,
    Ach, nur allzuschnell!
    _____


     

  • Hermann Lingg (1820-1905)

    Mondmythus

    Ich sah heut früh im Brunnen tief
    Zwei Liebende allein,
    Die schöne Morgenröthe schlief
    Beim bleichen
    Mondenschein.
    Sie küßten sich von Herzen
    Mit lichtem Purpurmund,
    Ein wellenheimlich Scherzen
    War um die Morgenstund!

    "Schlüpf' schnell in deine goldnen Schuh',
    O rosenfingrig Kind,
    Des Himmels Thore gehen zu,
    Geh heim, geh heim geschwind!"
    Voll Angst blickt in die Höhe
    Das holde Morgenroth;
    Da sieht es oben, wehe!
    Den bleichen Liebling todt! -
    _____


     

  • Feodor Löwe (1816-1890)

    Schön ist der
    Mond,
    Der nächtlich einsam wallt,
    So schön bist du!
    Doch auch so ernst und kalt.

    Mein Herz ein See,
    In dem dein Bildniß ruht.
    Und bist du nah,
    So wechselt Ebb' und Fluth.

    Du aber theilst
    Dies wilde Drängen nicht,
    Streust still auf mich
    Dein träumerisches Licht.
    _____


    Glaubst du wirklich, daß ich fern von dir?
    Ewig, ewig, weilest du bei mir.

    Du mein
    Mond bei stiller Abendruh;
    Meines Tages lichte Sonne du.

    Wie ein Vogel durch die Lüfte zieht,
    Mein Gedenken stets zu dir entflieht.

    Wie von keinem Schlummer weiß der Bach,
    So ist meine Sehnsucht immer wach.

    Ach, so fern von dir und doch so nah!
    Nur wer liebet, weiß, wie mir geschah.
    _____


     

  • Ernst Wilhelm Lotz (1890-1914)

    Die Morgenwiese ist ...

    Die Morgenwiese ist vom Tauregen feucht.
    Mir deucht,
    Die Haare der Erde hätten nicht feucht sein müssen
    Und waren fein trocken geblieben,
    Hätt' es nicht heut Nacht den
    Mond getrieben,
    Sie zu bedecken mit seinen Küssen. -
    Seht nur, beiden schlägt das Gewissen:
    Der
    Mond hat sich um die Ecke gestohlen,
    Rot geworden ist die Erde
    Und lacht in sich hinein ganz unverhohlen
    Mit heimlichtuender Gebärde.
    _____


    Nachtgesang

    Sieh, die Treppen des Gebirges
    Kam die Nacht heraufgestiegen,
    Und sie pflückte alle Abendrosen ab.

    Sieh, die Treppen des Gebirges
    Kam der
    Mond heraufgestiegen,
    Und er pflanzte
    Stille weiße Lilien ein.

    Wie sie zitternd Blüten treiben
    Hoch und leuchtend in die Nacht.

    Hör, die Treppen meines Hauses
    Sehnsucht kommt heraufgestiegen,
    Und sie pflückt mir meine roten Rosen ab.

    Mädchen, kämst du wie ein
    Vollmond
    Still herauf auf meiner Treppe,
    In die Brust mir
    Deiner Brüste Lilien pflanzend,

    Daß sie große Blumen tragen
    Weiß und traumhaft in die Nacht.
    _____


     

  • Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942)

    Poem

    Die Bäume sind von weichem Lichte übergossen,
    im Winde zitternd glitzert jedes Blatt.
    Der Himmel, seidig-blau und glatt,
    ist wie ein Tropfen Tau vom Morgenwind vergossen.
    Die Tannen sind in sanfte Röte eingeschlossen
    und beugen sich vor seiner Majestät, dem Wind.
    Hinter den Pappeln blickt der
    Mond aufs Kind,
    das ihm den Gruß schon zugelächelt hat.

    Im Winde sind die Büsche wunderbar:
    bald sind sie Silber und bald leuchtend grün
    und bald wie
    Mondschein auf lichtblondem Haar
    und dann, als würden sie aufs neue blühn.

    Ich möchte leben.
    Schau, das Leben ist so bunt.
    Es sind so viele schöne Bälle drin.
    Und viele Lippen warten, lachen, glühn
    und tuen ihre Freude kund.
    Sieh nur die Straße, wie sie steigt:
    so breit und hell, als warte sie auf mich.
    Und ferne, irgendwo, da schluchzt und geigt
    die Sehnsucht, die sich zieht durch mich und dich.
    Der Wind rauscht rufend durch den Wald,
    er sagt mir, daß das Leben singt.
    Die Luft ist leise, zart und kalt,
    die ferne Pappel winkt und winkt.

    Ich möchte leben.
    Ich möchte lachen und Lasten heben
    und möchte kämpfen und lieben und hassen
    und möchte den Himmel mit Händen fassen
    und möchte frei sein und atmen und schrein.
    Ich will nicht sterben. Nein!
    Nein.
    Das Leben ist rot,
    Das Leben ist mein.
    Mein und dein.
    Mein.

    Warum brüllen die Kanonen?
    Warum stirbt das Leben
    für glitzernde Kronen?

    Dort ist der
    Mond.
    Er ist da.
    Nah.
    Ganz nah.
    Ich muß warten.
    Worauf?
    Hauf um Hauf
    sterben sie.
    Stehn nie auf.
    Nie und nie.
    Ich will leben.
    Bruder, du auch.
    Atemhauch
    geht von meinem und deinem Mund.
    Das Leben ist bunt.
    Du willst mich töten.
    Weshalb?
    Aus tausend Flöten
    weint Wald.

    Der
    Mond ist lichtes Silber im Blau.
    Die Pappeln sind grau.
    Und Wind braust mich an.
    Die Straße ist hell.
    Dann...
    Sie kommen dann
    und würgen mich.
    Mich und dich
    tot.
    Das Leben ist rot,
    braust und lacht.
    Über Nacht
    bin ich
    tot.

    Ein Schatten von einem Baum
    geistert über den
    Mond.
    Man sieht ihn kaum.
    Ein Baum.
    Ein
    Baum.
    Ein Leben
    kann Schatten werfen
    über den
    Mond.
    Ein
    Leben.
    Hauf um Hauf
    sterben sie.
    Stehn nie auf.
    Nie
    und
    nie.
    _____


     

  • Julius Mosen (1803-1867)

    Der
    Mond und Sie

    Wie ist so ruhig, klar und rein
    Dein liebes Angesicht,
    So wie im Lenz der
    Mondenschein
    Ein träumerisches Licht!

    Ich gehe Nächtens nie allein,
    Dein holdes Bild geht mit,
    Und selbst der
    Mond in hellem Schein
    Hält mit mir Tritt und Schritt.

    Doch geh' ich in mein Kämmerlein
    Und drück' die Augen zu,
    So schwindet zwar der
    Mondenschein,
    Doch, Liebchen, niemals du.
    _____


    Nachtlied

    Dürft' ich mit dir dort oben gehn,
    Du träumerischer
    Mond,
    Ich könnte wol hinübersehn,
    Wo die Geliebte wohnt!

    Zu glücklich ist die Nachtigall,
    Die in dem Lindenbaum
    Vor ihrem Haus mit süßem Schall
    Durchklinget ihren Traum!
    _____


    Botschaft

    Mondenschein, stiller Mondenschein,
    Eile zu ihrem Kämmerlein!
    Du sollst sie oftmals grüßen,
    Mondenschein, darfst sie küssen!
    Willst Du mein Bote sein?

    Nachtigall, traute Nachtigall,
    Fliege mit deinem Liederschall,
    Fliege zu ihr und sage,
    Was ich im Herzen trage
    Ueberall, überall!

    Rosenduft, süßer Rosenduft,
    Schwinge dich durch die Abendluft,
    Eile mit deinem Wehen!
    Schmeichler, sie wird es verstehen,
    Daß dich die Liebe ruft!

    Aber der treueste Bote hier
    Plaudert den ganzen Tag von ihr;
    Immerfort muß er springen,
    Fröhliche Kunde mir bringen,
    Eile, mein Herz, zu ihr!
    _____


     

  • Erich Mühsam (1878-1934)

    Nacht

    Leis' verhallen ferne Geigenklänge,
    und ein Köter bläfft gedämpft dazu.
    Milde warnt der
    Vollmond durch die Scheiben -
    sieht, wie wir uns lieben - ich und du.
    Ach, er gönnt uns unser junges Treiben
    und schickt alles, was uns stört, zur Ruh.
    _____


     

  • Wolfgang Müller von Königswinter (1816-1873)

    Im
    Mondschein

    Nun steiget still der
    Mond herauf,
    Er findet dich am Fensterlein;
    Ich grüße dich durch seinen Strahl,
    Du grüßest mich durch seinen Schein.

    Derselbe Himmel überm Haupt,
    Dieselbe Erde untem Fuß,
    Und zwischen uns im Dämmerraum
    Ein einz'ger süßer Herzensgruß!
    _____


     

  • Wilhelmine Mylius (um 1846)

    Wunsch und Gruß

    Wenn immer doch
    Mondschein blieb'!
    Ich blickte all' Abend so gerne
    In den
    Mond und die goldenen Sterne,
    Und dächte dabei in die Ferne:
    Gut' Nacht, gut' Nacht, mein Lieb! -

    Wenn immer doch
    Mondschein blieb'!
    Und somm'rige Abendmilde!
    Und im Herzen die schönen Gebilde!
    Wie froh grüß' ich über Gefilde:
    Gut' Nacht, gut' Nacht, mein Lieb! -

    Wenn immer doch
    Mondschein blieb'!
    Wie flimmert's am Himmelsraume,
    Wie zittert's im Wasserschaume,
    Wie lispelt's so halb noch im Traume:
    Gut' Nacht, gut' Nacht, mein Lieb! -
    _____


     

  • Hermione von Preuschen (1854-1918)

    Mondnacht

    Mondnacht, blaue - alle Sehnsuchtsüße,
    alle Schwermut tiefsten Menschenseins
    kauert sich um deine müden Füße,
    reckt sich hoch im Bann des mystischen Hains.

    Mondnacht, hast umschlossen alles Leben!
    Meiner dunklen Wünsche Schmerzensfracht
    glüht noch einmal auf in seligem Beben
    meiner letzten blauen
    Mondennacht!
    _____


     

  • Robert Prutz (1816-1872)

    All

    Du bist das keusche
    Mondenlicht,
    Das still und klar durch Wolken bricht,
    Und bist der Sonne Feuerstrahl,
    Der Blumen weckt in Berg und Thal.

    Der fromme Abendstern bist du,
    Der lächelnd winkt zu sel'ger Ruh',
    Und bist der Blitz, der, gottentstammt,
    Der Seele Dunkel mir durchflammt.

    Doch – "Namen sind nur Rauch und Schall!"
    Sei, wie du bist, du bist mein All!
    In deine Seele schließ' mich ein,
    Die Meine du, ich ewig dein!
    _____


    (Das Mädchen spricht:)
    Mond, hast du auch gesehen,
    Wie mich mein Schatz geküßt?
    Frei muß ich dir gestehen,
    Daß mich das sehr verdrießt.

    Auch weiß ich nicht, wie eben
    Es gestern Abend kam,
    Ob ich ihn ihm gegeben,
    Ob er den Kuß sich nahm.

    Du mußt's nicht weiter sagen,
    Ich bitte dich darum,
    Wenn dich die Leute fragen,
    O lieber
    Mond, sei stumm!
    _____


     

  • Anna Ritter (1865-1921)

    Brautring

    Als über den Flieder das
    Mondlicht rann,
    Da steckt' er mir heimlich ein Ringlein an,
    Und küßte den Ring und die Hand dazu
    Und lauschte selig dem ersten "Du".

    Das
    Mondenlicht sah in den Ring hinein,
    Das gab einen fröhlichen, hellen Schein,
    Der Fliederbaum neigte die Blüthen stumm,
    Die Gräser raunten: "Das Glück geht um!"
    _____


    Der neidische
    Mond

    Nun küsse mich, ich halte still,
    Du lieber, lieber Mann,
    Und zieht der
    Mond ein schief Gesicht -
    Was geht's den
    Mond wohl an!

    Ich glaube gar, den alten Herrn
    Plagt nur der blasse Neid:
    Der ginge lieber auch zu Zwei'n
    Durch seine Ewigkeit.
    _____


     

  • Emil Rittershaus (1834-1897)

    Warum nicht ich?

    Nur hie und da noch Lampenschein
    In einem Schlafgemach;
    Nur hier und da noch schleicht zum Frei'n
    Ein Kätzlein über's Dach.
    Im West statt rother Abendgluth
    Erglänzt ein falber Strich;
    Die Nacht ist still und alles ruht.
    Warum nicht ich?

    Auch Dir, mein Lieb, auf's Augenpaar
    Des Traumes Schleier sinkt;
    Auf Deines Fensters Scheiben klar
    Der Schein des
    Mondes blinkt.
    Der
    Mondschein und der Sternenschein
    Umgaukeln kosend Dich;
    Sie sind bei Dir im Kämmerlein.
    Warum nicht ich?

    Doch dürft' ich schleichen, liebes Kind,
    Zu Dir nun ungesehn,
    Ich fürchte fast, es wär' geschwind
    Um Deine Ruh' gescheh'n!
    Und dennoch gern, ach, gar zu gern
    Zu Dir ich heute schlich.
    Dich küßt der
    Mond, Dich küßt der Stern,
    Warum nicht ich?
    _____


     

  • Hermann Rollett (1819-1904)

    Mondenschein

    Ich schrieb ein Lied im
    Mondenschein
    An das entfernte Liebchen mein;

    Und wie ich schrieb und schrieb – da stahl
    In's Leid sich manch ein
    Mondesstrahl.

    Und als mein fernes, fernes Lieb
    Die Worte las, die ich ihr schrieb,

    Da hat in ihres Schmerzes Nacht
    Ein milder Glanz sie angelacht.

    Da war ihr, als ob
    Mondenlicht
    Ihr strömte über's Angesicht,

    Und in des Liedes mildem Schein
    Schlief sie verklärt und selig ein.
    _____


    Mondnacht

    Nächtlich in verschwiegner Stunde
    Kommt der
    Mond heraufgezogen,
    Der so liebevoll dem Bunde
    Unsrer Herzen ist gewogen.

    Und die tiefverschwiegnen Sterne
    Sprühen auf wie helle Funken
    Von der Sonne, die dort ferne
    Auf die Felsen hingesunken.

    Und die lichten Wogen rauschen
    So wie träumend uns zu Füßen,
    Und wir schauen und wir lauschen,
    Wie sie leis' die Sterne grüßen.

    Und wir halten uns umschlungen, -
    Dein Gedanke wird mein Wille,
    Und wir schweigen – süß durchdrungen
    Von der
    Mondnacht heil'ger Stille.
    _____


     

  • Otto Roquette (1824-1896)

    Sterne sind schweigende Siegel

    Mondenschein
    Klettert heimlich übers Dach
    In die Tannenzweige,
    Schaut in Liebchens Schlafgemach,
    Ob sich ihm nichts zeige?
    Dämmernd nur schimmert
    Schwindend das Lichtlein,
    Traumduft umflimmert
    Schon das Gesichtlein.
    Schlaft ihr schon, schlaft ihr schon,
    Aeuglein, wie Veilchen?
    Rosen und Schnee,
    Schlankestes Reh,
    Oeffne ein Weilchen
    Liebchen den Riegel!
    Sterne sind schweigende Siegel!

    Liebchen fein,
    Thu mir auf, dem
    Mond zur Straf',
    Laß uns für sein Spähen
    Diesem alten Lauscher brav
    Eine Nase drehen!
    Dämmernd nur schimmert
    Schwindend das Lichtlein,
    Traumduft umflimmert
    Schon das Gesichtlein.
    Schlaft ihr schon, schlaft ihr schon,
    Aeuglein, wie Veilchen?
    Rosen und Schnee,
    Schlankestes Reh,
    Oeffne ein Weilchen
    Liebchen den Riegel,
    Sterne sind schweigende Siegel!
    _____


     

  • Friedrich Rückert (1788-1866)

    Du ziehst, nicht sag' ich's, zum wievielten Male,
    O
    Mond, am Himmel deine alten Kreise,
    Derweil mich selber hier im alten Gleise
    Du ziehen siehst durch diese süßen Thale.

    Das Fenster aber dort, das blinkt, das schmale,
    Ist noch vergittert nach der alten Weise;
    Und kannst du, Freund, die Gitter mir nicht leise
    Zerbrechen, ach, mit einem deiner Strahle?

    Kannst du, wie ohne Widerstand die Scheiben
    Du selbst durchdringst, nicht mich auch werden lassen,
    Hinein zu dringen, ganz in Licht zergangen?

    Umsonst! ich muß am dunklen Boden bleiben;
    Du gehst allein, Freund, Feind, den ich muß hassen,
    Hin, wo du bleich willst ruhn auf roten Wangen.
    _____


    Wann still die Nacht auf dunkeln Pfaden schreitet,
    Die unterm Mantel trägt die goldnen Sterne,
    Und im Gewölk gleich heimlicher Laterne
    Der
    Mond sein wachsend Silberlicht bereitet;

    Denk' ich, und meines Auges Thräne gleitet,
    Zurück in jener Nächte schöne Ferne,
    Wo er mit seinem lieberglühten Kerne
    Auf meinen Liebesgängen mich geleitet.

    Wozu, o
    Mond, mit deinem Strahlenschimmer
    Hat dich ein Gott in Lüften aufgehangen,
    Als daß die Lieb' in deinem Licht soll wallen?

    Die Liebe wallt in deinem Lichte nimmer,
    Der Docht in deiner Lamp' ist ausgegangen,
    Und deine Scherben laß vom Himmel fallen.
    _____


     

  • Leopold Schefer (1784-1862)

    Verwandlung

    Nun die Nacht mit goldnem Auge
    In die stillen Thäler blickt,
    Und die Liebenden nun alle
    Erst vereint und still beglückt,
    Muß ich leider von ihr kehren,
    Die mich gern, so gern behielt,
    Ach, im vollen Scheidekusse
    Süß verräth, was sie mir fühlt!

    Schöner
    Mond, du Zaubrer, löse
    Mir die menschliche Gestalt!
    Busch und Blüthen press' ich an mich —
    Gieb, o gieb mir Geist'sgewalt!
    Diese Thürme, diese Mauern
    Dann durchschweb' ich leicht und flott,
    Und mit wonnevollen Schauern
    Werd' ich dann bei ihr — zum Gott!
    _____


    Vollmondnacht

    Jüngling
    Wieder herauf schwebst du, o Mond,
    Wieder wie da glänzend und schön
    Als ich noch froh dich kommen sah.
    Sieh, denn du kamst denen zugleich
    Dämmernd, die ich liebend-geliebt
    Völlig-beglückt einzig besaß!
    Wieder herauf schwebst du, o
    Mond,
    Immer noch voll! — Aber dein Freund
    Weinet seitdem lange schon, ach,
    Ueber der Welt eilend Geschick!
    Wie? — du verbirgst, Seliger, dich
    In des Gewölks düstres Gezelt!
    Kannst du noch nicht Thränen im Aug'
    Einsamer Treuliebender sehn?


    Mond
    Selig sind die Todten.
    Wohl der Erd' entgangen,
    Sind sie doch im Kreise
    Wo die Sterne wandeln.
    Sieh', ich komm' und gehe
    Leuchtend dir und schwindend —
    Und schau' , wie die Todten,
    Stets der Sonne Antlitz.
    Alle deine Todten
    Schau' ich auch; sie lächeln,
    Daß du drunten weinest.
    Selig sind die Todten.
    _____


     

  • Max von Schenkendorf (1783-1817)

    An den
    Mond

    Lächle, lächle lieber
    Mond
    In der Zelle Nacht,
    Wo die stille Liebe wohnt,
    Wo die Sehnsucht wacht.

    Meines Herzens ew'gen Drang
    Bring' ihn doch zur Ruh,
    Sing' ihm süßen Wiegensang,
    Tröstungen ihm zu.

    Lächle mit dem Himmelstrahl
    Trauter, lieber
    Mond
    In das stille Friedensthal,
    Wo die Freundin wohnt.

    Ströme deinen Segensquell
    Hin auf ihr Gemüth,
    Das so lieblich, rein und hell
    Wie dein Antlitz blüht.

    Zeuge meiner Seligkeit,
    Meiner Freundin Freund,
    Der oft still und ohne Neid
    Mich mit ihr vereint.

    Ist der Tag nicht bald vollbracht,
    Holder Bundesstern?
    Ach, ist die Vermählungsnacht
    Immer noch so fern?

    Mond, wann fällt dein bleicher Strahl
    Lächelnder herab
    Auf das ew'ge Friedensthal,
    Auf das stille Grab,

    Wo die Sehnsucht schläft und ruht,
    Ach wohin sie zieht,
    Wenn mit ihrem höchsten Gut
    Sie der Erd' entflieht?

    Mond, mein Geist fliegt auf zu dir,
    Um den Ort zu weihn,
    Wo er eins mit Ihr, mit Ihr,
    Seliger wird sein.
    _____


     

  • René Schickele (1883-1940)

    Als ich sie abends im Garten sprechen sah

    Sind ihre Lippen nicht schon ihre Brust und Hüften ganz? ...
    Die Lippen, die sich regen, nicht schon ihres Leibes leiser Tanz
    und ihre Müdigkeit schon ihres Schlafes Blumenglut:
    ein
    Mondleib, überschwemmt von Rosenblut,
    und mehr noch - ganz?
    _____


    Um dein Gesicht ist ein Glanz
    wie das Feuer eines Edelsteins um seinen Kern.
    Ich seh es immer, wie's - eine Vase, ein Kelch -
    dein Zimmer erhellt.
    Es versinkt in unsern Umarmungen
    und geht wieder auf wie ein
    Mond,
    den deine Liebesglut erhält.
    Wenn ich von dir gehe,
    starre ich lang in den Himmel. Es fällt ein Stern,
    und meine Liebe steht, ein gewaltiger Erzengel,
    vor dem
    Mond und hütet ihn.
    _____


     

  • Alexander Julius Schindler (Julius von der Traun) (1819-1885)

    Vollmondschein

    1.
    Der Mond geht schweigend durch die stille Welt,
    Ein Vogel wiegt sich träumend in der Helle,
    So wie mein Herz, das diese Scholle hält
    Und wandern möchte zu der fernsten Stelle.

    Des Baches Wogen silbersprühend wallen
    Dem schilfbewachs'nen Rand des Weihers zu,
    Vom Walde drüben leise Stimmen schallen
    Zu mir herüber - Kind! o wär'st es du!


    2.
    Du flohst von mir, wie der Novembersturm
    Das letzte Blatt entreisst dem Rebgelände -
    Der
    Mond geht schweigend über Dach und Thurm,
    Mein Haus ist leer - mein Herz, wir sind am Ende!

    Sei still! - Im Walde drüben schweigt es wieder,
    Des Windes Hauch allein noch stört die Ruh,
    Der seufzend geht im Korne auf und nieder -
    Wo in der Ferne, Kind, wo wandelst du?!
    _____


     

  • Arnold Schloenbach (1817-1866)

    Mondes-Liebe

    Holdes
    Mondlicht! Mildes Leuchten!
    Wunderbares Zauberbild!
    Sag', was ist das für ein Zauber,
    Der aus Deinen Strahlen quillt?

    Deute mir das bange Sehnen,
    Das Dein Blick in uns erschließt,
    Jenes weiche trunkne Träumen,
    Das Dein Glanz in uns ergießt!

    "Liebe! Liebe ist mein Zauber,
    Meines Dankes süße Pflicht;
    Denn von ihr, der großen Erde,
    Kommt mir erst mein liebes Licht.

    Und nun geb' ich ihr zurücke,
    Nur mit meiner Lieb' getränkt,
    Was mich ihr so herrlich machte,
    Was sie liebend mir geschenkt.

    Nun erleucht' ich ihre Nächte,
    Gebe sanften Frieden ihr! - -"
    O - das sind ja Deine Worte,
    Mädchen, die Du sprachst zu mir!

    Mädchen -
    Mondlicht meiner Seele!
    Holdes, reines Liebes-Bild!
    O, nun kenn' ich auch den Zauber,
    Der aus Deinem Aug' mir quillt!
    _____


     

  • Hans Schmidt-Kestner (1892-1915)

    Mondnacht

    Wenn wir durch die Dünen gehn,
    Liebste mein,
    Sterne schon am Himmel stehn, -
    Mondenschein, -
    Rauscht leise nur das Meer,
    Trägt uns alte Lieder her.

    Und die Lieder seltsam klingen,
    Liebste, du,
    Nixen, glaube ich, sie singen,
    Hör' nur zu! -
    Ach wie ist die Nacht so still,
    Alles nur noch schlafen will.

    Unsre Hände haben sich verschlungen,
    Liebste, wie?
    Eben Seufzer sind zu mir gedrungen,
    Hörst du sie?
    Kleine, hast wohl nicht gedacht,
    Wie verräterisch die Nacht!

    Unsre Lippen werden sich nun finden.
    Liebste, ja,
    Deiner Liebe Tiefen zu ergründen,
    Bin ich nah!
    Sieh, da taucht der
    Mond ins Meer! -
    Stille, Dunkel rings umher .....
    _____


     

  • Carl Sternheim (1878-1942)

    Wir waren ganz alleine
    Mit unsrer Seligkeit,
    Der
    Mond mit mildem Scheine
    Schien just zur Abendzeit.

    Im Kummer und im Glücke
    Ist mir der
    Mond sonst wert,
    Doch giebt es Augenblicke,
    Wo auch der
    Mond mich stört.
    _____


     

  • Francisca Stoecklin (1894-1931)

    Wenn der
    Mond groß ist

    Wenn es Abend wird, fällt mir dein Lächeln ein,
    Schwarzer Engel, der meine Träume umnachtet.

    Im Herbst saßen wir oft auf den Bänken am Strom,
    Stille Kinder, in der abendlichen Sonne.

    Wenn dann deine Hand zärtlich über mein Haar strich,
    O wie freute sich da die Seele.

    Seitdem sind traurige Jahre vergangen,
    Ängste und Wahnsinn, zerfallene Abende.

    Wenn der
    Mond groß ist, betet mein bleicher Schatten
    In deinem Zimmer verlorene Tänze.
    _____


     

  • Heinrich Vogeler (1872-1942)

    Wenn der
    Mond in hellen Silbernächten
    Steigt leise in Dein Kämmerlein,
    Wenn er spielt mit Deinen goldnen Flechten,
    Schaut in die Augen Dir hinein,
    Wenn er küsst Dein weiches Seidenhaar,
    Dann bringt er Dir meine Grüsse dar.
    _____


     

  • Wilhelm Wackernagel (1806-1869)

    O du mein
    Mond in stiller Nacht,
    Der über mir am Himmel wacht,
    Und mit mir wacht und träumet,
    Und wenn ich schlafe meinen Traum
    Mit duft'gem Silber säumet!

    Du immer nah und immer fern,
    Mein Morgenstern, mein Abendstern,
    Vorbotinn aller Wonne!
    Und alle Wonne selber du,
    Du
    Mond, du Stern, du Sonne!

    O du mein Leid, du meine Lust!
    Du eine Ros' an meiner Brust,
    Ein Dorn in meinem Herzen!
    Ich drück' ihn tief ins Herz hinein,
    Und liebe dich mit Schmerzen.
    _____


     

  • Maria Luise Weissmann (1899-1929)

    Uralt...

    Schweig, mein Geliebter; Mund auf Mund
    Wurden wir groß, wurden wir alt
    In einem nie gestillten Bund,
    Alt wie der uralte Wald.

    Alt wie der
    Mond, mein Lichtgesicht,
    Bist du am Himmel tausend Jahr
    O schmale Sichel aufgericht,
    Der ich die Ernte war.

    Alt wie das Meer, die dunkle Saat,
    Nach dir gereift, sehnsüchtige Flut,
    Steigt zwischen uns den ewigen Pfad
    Dunkel das ewige Blut.
    _____


     

  • Paul Wertheimer (1874-1937)

    Mondlicht
    Nach Verlaine

    Das weisse
    Mondlicht
    Flimmert im Wald.
    Hoch von den Zweigen
    Ein Liederreigen,
    Ein Flüstern und Weben.
    Wir schweben, schweben.

    Der See ruht leuchtend.
    Die Weiden ringsum
    Sind schwarz und stumm;
    Darüber weint
    Des Windes Geige.
    O schweige, schweige.

    Und weiches Ermatten
    Sinkt leise nieder
    Vom blauschwarzen Himmel
    Und löst die Glieder
    Zu süssem Bunde.
    Wir schlürfen die Stunde.
    _____


     

  • Ernst von Wildenbruch (1845-1909)

    Liebespost

    In der
    Mondesnacht, in der stillen Nacht,
    Wenn da alles schläft, rings kein Auge wacht,
    Da gedenk' ich süßes Mädchen dein,
    Möchte ach so gerne bei dir sein.

    Höre
    Mond mich an, stiller Wandersmann,
    An ihr Fenster geh, klopfe leise an,
    Schick ihr einen süßen Traum hinein,
    Sage ihr, der Liebste denket dein.
    _____


     

  • Joseph Christoph von Zedlitz (1790-1862)

    Der Abendhimmel

    Wenn ich an Deiner Seite
    Im Abenddunkel geh',
    Den
    Mond und sein Geleite,
    Die tausend Sterne seh',

    Dann möcht' ich den
    Mond umfangen
    Und drücken an meine Brust,
    Die Sterne herunter langen
    In voller, sel'ger Lust!

    Mit ihnen die Locken Dir schmücken!
    Und schmücken die schöne Brust,
    Ich möcht' Dich schmücken und drücken,
    Und sterben vor Wonn' und Lust! –
    _____



     

 

 

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