Liebeslyrik - Miniaturen

Gedichte und Gedicht-Zitate (Stichwort: treu, Treue)
 


Franz Marc (1880-1916)
Liebespaar


 



 

Stichwort: treu, Treue

16./17. Jh.      18. Jh.      19/20. Jh.

 

16./17. Jh.
 

  • Hans Aßmann Freiherr von Abschatz (1646-1699)

    Wenn wahre Glutt
    In
    treuem Herzen brennet /
    Den Grund der edlen Flamme kennet /
    So taurt ihr ungefärbter Schein /
    Biß daß wir Asche seyn /
    Ohn allen Wanckelmutt;
    Es muß ihr ieder Tag verneuten Zunder geben /
    Und sie der
    Treue Ruhm biß zu den Sternen heben.
    _____

     

  • Anonyme Barockdichter

    Mein herze bleibt dir
    treu / ich will mich dir verschreiben /
    Daß ich in ewigkeit dein
    treuer freund will bleiben.
    Was schadt abwesenheit? ich sey auch wo ich sey /
    So glaube sicherlich / mein herze bleibt dir
    treu.
    _____

     

  • Paul Fleming (1609-1640)

    Elsgens
    treues Herz

    Ein
    getreues Herze wissen
    hat des höchsten Schatzes Preis.
    Der ist selig zu begrüßen,
    der ein
    treues Herze weiß.
    Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
    denn ich weiß ein
    treues Herze.
    Läuft das Glücke gleich zu Zeiten
    anders, als man will und meint,
    ein
    getreues Herz' hilft streiten
    wider Alles, was ist Feind.
    Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
    denn ich weiß ein
    treues Herze.
    Sein Vergnügen steht alleine
    in des andern Redligkeit,
    hält des andern Not für seine,
    weicht nicht auch bei böser Zeit.
    Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
    denn ich weiß ein
    treues Herze.
    Gunst, die kehrt sich nach dem Glücke,
    Geld und Reichtum, das zerstäubt,
    Schönheit läßt uns bald zurücke,
    ein
    getreues Herze bleibt.
    Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
    denn ich weiß ein
    treues Herze.
    Eins ist da sein und geschieden.
    Ein
    getreues Herze hält,
    giebt sich allezeit zufrieden,
    steht auf, wenn es niederfällt.
    Ich bin froh bei höchstem Schmerze,
    denn ich weiß ein
    treues Herze.
    Nichts ist süßers, als zwei
    Treue,
    wenn sie eines worden sein.
    Diß ists, das ich mich erfreue,
    und sie giebt ihr ja auch drein.
    Mir ist wol bei höchstem Schmerze,
    denn ich weiß ein
    treues Herze.
    _____


    Treue Pflicht

    Mein Unglück ist zu groß,
    zu schwer die Not,
    so mancher Herzensstoß
    dreut mir den Tod.
    Mein Schmerze weiß von keiner Zahl.
    Vor, nach und allemal
    häuft sich die Qual.
    Ein Mensch hat alle Schuld,
    das mich doch liebt.
    Das, weil es mir ist huld,
    mich so betrübt.
    Von Liebe kömmt mir alles Leid.
    Ich weiß von keiner Zeit,
    die mich erfreut.
    Preist jemand ihre Pracht,
    so wird mir weh.
    Wer ihr gedenkt, der macht,
    daß ich vergeh'.
    Erinner' ich mich denn der Pflicht,
    was Wunder ists, daß nicht
    mein Herze bricht.
    Licht ist ihr Augenglanz,
    klar ihre Zier.
    Das macht, daß ich mich ganz
    verlier in ihr.
    Sie hat es, was mein Herze sucht,
    Scham, Schönheit, Jugend, Zucht,
    der Tugend Frucht.
    An ihr liegt Alles mir.
    Was acht' ich mich?
    Mein Sinn ist Freund mit ihr
    und hasset sich.
    Was ich beginne spat und früh,
    Was ich gedenk, ist sie,
    die Werthe, die.
    Sie hat mich ganz bei sich,
    das schöne Kind;
    ihr auch zu lassen mich
    bin ich gesinnt.
    Die
    Treue, die sie mir verspricht,
    find' ich in solcher Pflicht
    sonst nirgends nicht.
    Und leb ich mich gleich tot
    in solcher Pein,
    noch hat es keine Not;
    sie, sie kans sein,
    die mir das Leben wiedergiebt,
    die mich so sehr betrübt,
    als sie mich liebt.
    Ach! daß ich ihr mein Leid
    nicht klagen kan!
    Ich bin von ihr zu weit
    itzt abgetan.
    Von Scheiden kömmt mir alle Not;
    diß macht mich blaß für rot,
    für lebend tot.
    Läuft nun mein Glücke so?
    Ach wehe mir!
    O! warum ward ich froh
    von ihrer Zier?
    Für jene kurze Frölichkeit
    hab' ich ein langes Leid
    auf allezeit.
    Bekenne selbst auf dich,
    mein kranker Sinn,
    hast du nicht Schuld, daß ich
    so elend bin?
    Warum bewegte dich die Gunst?
    Es war ja gar umsonst
    mit deiner Brunst.
    Leid' ich für jene Lust,
    so geht mirs recht.
    Mir war nicht unbewußt,
    was Frucht sie brächt'.
    Und gleichwol kunt' ich ganz nicht ruhn;
    was mich betrübet nun,
    das mußt' ich tun.
    Euch klag' ich erstlich an,
    ihr Augen, ihr.
    Wie habt ihr doch getan,
    so falsch an mir?
    Verräter wart ihr meiner Pein.
    Drum müßt ihr ohne Schein
    und dunkel sein.
    Fliest, (denn diß sollet ihr
    zur Buße tun,)
    hinfürder für und für,
    wie vor und nun.
    Quellt ewig, wie mein Schmerze quillt,
    so wird mein Leid gestillt,
    doch nie erfüllt.
    Nicht aber läßt mein Mut
    sie eins aus sich.
    Das junge
    treue Blut
    beherrschet mich,
    so daß ich ganz nicht anders kan,
    ich muß ihr um und an
    sein untertan.
    Liebt einer so, wie ich,
    der sage mir,
    wie er gehabe sich
    bei Liebsbegier.
    Ich fühle wol, was mich versehrt;
    noch gleichwol halt' ich wert,
    was mich gefärt.
    Itzt ist es Mitternacht,
    da alles ruht.
    Mein munter Herze wacht,
    tut, was es tut.
    Es denkt, von müden Thränen naß,
    von ihr ohn' Unterlaß
    und weiß nicht was.
    Ein Kranker, der gewiß
    am Tode liegt,
    der tröstet sich auf diß,
    was er auch kriegt.
    Das ist gewiß, ich muß dahin,
    doch bleib' ich, wie ich bin,
    frisch ohne Sinn.
    Erbarmens bin ich wert.
    Doch klagt mich nicht,
    bis daß sie von mir kehrt
    der Liebe Pflicht.
    Doch wird Dianens Brudern Schein
    eh' gehn am Himmel ein,
    als dieses sein.
    Mit Gott und mit der Zeit
    muß Alles sein.
    Ein Wechsel kehrt mein Leid
    und ganze Pein.
    Hat nichts als Unbestand Bestand,
    so wird mein Ach zuhand,
    in Lust verwant.
    Habt Achtung auf mein Leid,
    auf meine Qual,
    ihr, die ihr Wächter seid
    in Amors Saal'.
    Hebt alle meine Tränen auf
    und schafft mir Freude drauf
    für guten Kauf.
    Ihr Sternen auch, die ihr
    vor habt geliebt
    und oftmals, wie itzt wir,
    auch wart betrübt,
    tut, wie man hat an euch getan,
    schreibt meine Seufzer an
    in Jovis Plan.
    Vergess' ich meiner Pflicht,
    ja, säum ich nur
    und halt' ich dieses nicht,
    was ich ihr schwur,
    so sei mir Venus nimmer gut,
    so quäle sich mein Mut,
    wie er itzt tut.
    Nein! Ich will feste stehn.
    Sie, wie sie mir verspricht,
    wird auch mir gleiche gehn
    und wanken nicht.
    Des Herzens, das sich selbst nicht schont,
    mit
    Treue Treue lohnt,
    bin ich gewohnt.
    So steht mein fester Schluß
    unwiderruft.
    Drauf schick' ich diesen Kuß
    ihr durch die Luft.
    Diß Lied auch sei von meiner Hand
    als meiner Liebe Pfand
    ihr zugesant.
    Glückt mirs und sagt nicht nein,
    der Alles fügt,
    so soll sies einig sein,
    die mich vergnügt.
    Mein letztes Wort ist:
    Treue Pflicht.
    Treu' ist es: der es spricht
    mehr kan er nicht.
    _____


    Er betrachtet ihre Schönheit und
    Treue

    Du
    treue Schönheit du und auch du schöne Treue,
    die ihr den zarten Leib und edlen Geist besitzt,
    ihr Schwestern gleicher Kraft, die ihr mir das beschützt,
    worüber ich mich stets mit höchsten Freuden freue,
    was sag' ich doch von euch, daß euch und mich nicht reue?
    Ihr starke Göttinnen, habt mir den Sinn erhitzt,
    daß mir auf dieser Welt nichts als nur Eine nützt.
    Sie ists, an der ich mich ohn' Unterlaß verneue.
    Die zarte Schönheit folgt der Flucht der schönen Zeit,
    die feste Treue geht den Weg der Ewigkeit,
    die Schönheit macht mir Lust, die
    Treue Trost zu leben.
    O wie ein göttlichs Mensch ist diese, die euch hat!
    O wie ein Menschgott auch wird der, dem in der Tat
    wird diese schöne
    Treu' und treue Schönheit geben!
    _____


     

  • Georg Greflinger (um 1620-1677)

    Treuliebender

    Soll ich denn so unrecht haben/
    Daß mein Hertz ein Mägdlein liebt/
    Das mich wenig kan begaben/
    Das mir nichts als Küsse giebt/
    Lasset mir doch meinen Willen/
    Laß ich euch doch eure Grillen.

    Gläntzt mein Lieb schon nicht in Spangen/
    Die von Gold und Perlen seyn/
    Ey so haben mich gefangen
    Ihre
    Treu und Tugendschein/
    Und ihr freundliches verstellen
    Kan allein mich ihr gesellen.

    Die mich
    treu und redlich meynet/
    Ist/ so lang ich lebe/ mein/
    Laß sie mier als wie sie scheinet/
    Arm/ verachtet/ bloß und klein/
    Ist der HErr mit meinen Sachen/
    Will ich sie wol grösser machen.

    Reiche Weiber/ Arme Männer/
    GOtt bewahr vor solcher Eh/
    Kennet mich vor den Erkenner
    Von des Ehstand Lust und Weh/
    Einer Frauen dienstbar werden
    Ist das gröste Joch auff Erden.

    Was wir zwey zusammen bringen
    Ist die Säule dieser Welt/
    Lieb und
    Treu in allen Dingen/
    Ohne die die Welt zerfällt/
    Treu und Liebe die bestehen/
    Wann der Reichthum muß vergehen.
    _____


     

  • Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616-1679)

    Du kennst mein
    treues herze /
    Es liegt ja in deiner hand /
    Als meiner liebe
    treues pfand /
    So dich bedient im ernst und scherze.
    Kein garten blüht mir ohne dich /
    Du schöne blume meiner sinnen /
    Wie solte doch mein auge sich
    Von dir entfernt ergetzen können?
    _____

     

  • Johann Rist (1607-1667)

    Wenn meine
    Treu nicht solte wehren
    O liebstes Lieb biß in den Tod/
    Wolt' ich zu lieben nicht begehren
    noch leiden so viel Angst und Noht/
    Wenn aber ich verpflichtet bin/
    zu schenken dir mein Ehr' und Leben
    so sol mein unbewegter Sinn/
    mein Hertz biß in den Tod dir geben
    Ja Rosiminde glaub' es mir/
    mein Seelichen klebt gantz an dir.
    _____


    Wolan/ last uns denn ewig üben
    Beständigkeit und rechte
    Treu/
    Dein lieben kan mich nicht betrüben/
    Denn unser
    Treu wird täglich neu/
    Drauff schwehr ich itzt mein Augen Licht/
    Daß Ich zu Dienste dir will leben.
    Biß mir mein mattes Hertz zubricht
    Und Ich der Welt Ade muß geben/
    Drüm Rosiminde glaub es mir/
    Mein Seelichen hängt gantz an dir.
    _____

     

  • David Schirmer (1623-1687)

    Seine beständige
    Treue

    Wie? lästu/ Schöne/ dich denn ewig von mir bitten?
    Und fragstu heimlich nach/ ob ich auch standhafft sey?
    Komm her/ hier ist mein Hertz/ von frembder Liebe frey/
    mein Hertze das ist hier/ eröfnet in der mitten.

    Ich bin von Flandern nicht/ der mit behenden Schritten
    wohl hundert hie und da sucht sonder allen scheu.
    Nein/ viel begehr ich nicht. Ich bin und bleibe
    treu.
    Die erst und letzte Brunst sind deiner Tugend Sitten.

    Sorgst aber du ja noch/ und wilst vol Sorge seyn/
    so sorge/ wie du mich an
    Treu wolst überreichen/
    biß daß an
    Treue wir einander können gleichen/
    und schlaffen unbetrübt an Brust und Armen ein.

    Das ist das beste Thun/ die Lust der gantzen Erden/
    beständig/ wie man liebt/ auch so geliebet werden.
    _____

     

  • Sibylle Schwarz (1621-1638)

    Getreue Liebe steht / wenn alles kracht und bricht /
    Getreue Liebe bleibt getreu in allen Nöhten /
    getreue Liebe liebt auch einen nur allein /
    getreue Liebe kan nicht Wetterwendisch seyn.
    _____

     

  • Kaspar Stieler (1632-1707)

    Treugeliebt/ unbetrübt

    Es ist ein Ort in düstrer Nacht/
    wo Pech und blauer Schwefel brennet/
    deß holer Schlund nie wird erkennet/
    als wenn ein Blizz ihn heitermacht/
    mit Schlamm und schwarzen Wasserwogen
    ist sein verfluchter Sizz umzogen.

    Megera denkt dar Martern auß
    mit ihren Schwestern/ denen Schlangen
    um die vergifften Schläffe hangen.
    Dar ist die Grausamkeit zu Hauß/
    da wohnet Neid und Wiederwillen/
    man höret dar des Zerbers Brüllen.

    Ixions Marter-rad ist da
    und Tantalus zum Durst verbannet.
    der Tizius steht außgespannet
    und wüntscht/ sein Ende were nah.
    Dar sind die außgehölten Fässer
    in Letens dunkelm Tod-gewässer.

    Zu dieser Hölen ist bestimmt/
    wer mit der zarten Liebe spottet/
    wer gegen Amorn auff- sich rottet/
    und wieder Venus/ Waffen nimt/
    treibt mit Verliebten/ Scherz und Possen:
    wird hier in Ketten eingeschlossen.

    Hergegen ist ein grünes Tahl
    wo die beblühmten Weste kühlen.
    Hier höret man von Seiten-spielen
    von Lust und Freuden ohne Zahl.
    die Felder blühn in bunten Nelken
    und Rosen/ welche nie verwelken.

    Hier wehet eine Zimmet-Lufft/
    man höret dar ohn Ende schallen
    den Schlag der muntern Nachtigallen/
    hier ist kein Frost/ kein Nebel-dufft/
    kein Blizz/ kein Donnerschlag noch Regen
    zieht schwarzen Wolken hier entgegen.

    Hier ist ein milder Liebes-streit/
    das junge Volk spielt mit Jungfrauen
     auff Elis bunten silber-auen.
    Scherz/ Liebe/ Lust und Fröligkeit
    Vergnügung/ Ruh und süsses Lachen
    verkürzt ihr unauffhörlichs Wachen.

    Wol dehm/ der sich der Lieb' ergiebt!
    der wird bekrönt mit Myrten-kränzen
    geniessen dieses steten Lenzen.
    Wol dehm/ der keusch und
    treulich liebt!
    Ihn wird mit Sieg/ Triumff und singen
    der bleiche Charon überbringen.
    _____

     

  • Philipp von Zesen (1619-1689)

    ACh! was sol ich erst anfangen?
    Sol ich klagen oder nicht?
    Meine vormahls glatte Wangen
    Seyn so übel zugericht:
    Bluthroth ist derselben Zier /
    Weil mein Lieb sich macht von mier.

    Ach! wie kanstu andre lieben /
    Weil du mir geschenckt dein Hertz?
    Bistu nun so standthafft blieben?
    Ist die
    Treue nur ein Schertz?
    Ach! dein schnöder Wanckelmuth
    Macht die Augen roth wie Bluth.

    Hastu denn so bald vergessen
    Das so starcke Liebes-Pfand?
    Bistu denn so gar vermessen /
    Daß du lösest unser Band?
    Sol die
    treue Liebes-Pflicht
    Förder bey uns gelten nicht?

    Hab ich damals dir gefallen /
    Da ich frey und ledig war /
    Da du liebtest mich vor allen /
    Ey! so schwer ich dir / Fürwar!
    Brichstu solche Liebes-
    Treu /
    Wisse / daß ein Recher sey /

    Ich wil dir doch
    treu verbleiben
    Biß der bleiche Todt uns trennt /
    Dich dem Hertzen einverleiben /
    Das von deiner Liebe brennt;
    Das dich ehret / das dich liebt /
    Ob du mich schon hast betrübt.
    _____
     

 

18. Jh.

 

  • Louise Brachmann (1777-1822)

    Macht der
    Treue

    Die Liebe klagt mit nassem Blick,
    Daß schnell die Zeit entflieht,
    Daß sie ihr kaum umfaßtes Glück
    Ihr noch so bald entzieht.

    Die Blume glänzt; die Nachtigall
    Besingt das Wonnefest.
    Ach, bald verstummt der süße Schall!
    Die Blum' entfärbt der West.

    Der Abend kommt zurück ins Thal,
    Doch fern' ist Wonn' und Glück,
    Es hellt nicht mehr der Mondenstrahl
    Des Lieblings holden Blick.

    Doch herrscht nicht ob der Zeiten Flug
    Der Liebe Göttermacht?
    Was auch dahin der Wechsel trug,
    Voll Stern' ist ihre Nacht.

    Still zieht sich in sich selbst zurück
    Das liebende Gemüth;
    Da wird es hell dem matten Blick,
    Der Frühling glänzt und blüht.

    Die
    Treue ruft zurück die Zeit
    Mit all der süßen Lust.
    Sie liebt, und trägt die Ewigkeit
    In ihrer tiefen Brust._
    _____


    Treue Liebe

    Laß stürmen hin, laß stürmen her,
    Mein Herz und zage nicht!
    Sei ruhig wie der Fels im Meer,
    An dem die Woge bricht.

    Zwar trennt von ihr, für die Du schlägst,
    Dich grausam das Geschick,
    Sei dennoch ruhig, Herz! Du trägst
    In Dir Dein Leid und Glück.

    Sie bleibt Dein Theil, sie bleibt Dein Gut,
    Wie fern Du von ihr bist.
    Wer raubte, was mit Felsenmuth
    Ein liebend Herz umschließt!

    So wahr' es denn in tiefster Brust,
    Dies Kleinod fest und rein!
    Wenn alles Du verlassen mußt,
    Bleibt
    treue Lieb' allein.

    Sie ist Dir Trost, sie ist Dir Licht,
    Wenn alles Dich verläßt,
    Wenn alles wankt und stürzt und bricht,
    Steht sie doch ewig fest.
    _____


     

  • Friedrich Wilhelm Gotter (1746-1797)

    Der Lohn der
    Treue

    Auch die Sprödeste der Schönen
    Widersteht nicht langem Schmerz,
    Und der Liebe Freuden krönen
    Endlich ein
    getreues Herz.

    Ach, wie süß sind alle Sorgen,
    Jede Mühe, wie so leicht,
    Wenn man träumet: morgen, morgen
    Wird ihr stolzer Sinn erweicht!

    Wild, auf ungebahnten Wegen,
    Bricht der Strom durch Fels und Stein:
    Leisetröpfelnd dringt der Regen
    Endlich auch in Marmor ein.
    _____


    Amor, ein Kind

    Gott Amor wollt ihr
    Treue lehren?
    Ihr wollt den Schmetterling bekehren,
    Der nur auf Wechsel sinnt?
    Und fängt ihr, mit Amphions Feuer,
    Erhabne Weisheit in die Leyer,
    Ihr sänget in den Wind!
    Wegflatternd wird er euch verlachen -
    Was könnt ihr mit dem Leichtsinn machen?
    Er ist ein Kind!

    Gefesselt habt ihr ihn durch Schätze;
    Ach, er zerreißt auch goldne Netze,
    Wann sie ihm lästig sind.
    Unsteter ist er, als die Welle;
    Seht, wie schon dort mit einer Schelle
    Ein Andrer ihn gewinnt!
    Weg wirft er eure schönen Sachen -
    Was könnt ihr mit dem Schalke machen?
    Er ist ein Kind!

    Ihr zürnt, an ihm ist Zorn verloren;
    Ihr scheltet, er verstopft die Ohren;
    Ihr grinzet, er ist blind;
    Ihr wähnt, daß euer Dräun ihn schrecke?
    Seht, wie er schelmisch in der Ecke
    Dort neue Ränke spinnt!
    Er spottet Löwen, spielt mit Drachen -
    Was könnt ihr mit dem Trotzkopf machen?
    Er ist ein Kind!
    _____

     

  • Johann Christian Günther (1695-1723)

    SO wenig eine junge Rebe
    Des Ulmbaums Hülfe mißen kan,
    So wenig ficht der Neid mich an,
    Daß meine Brust dir Abschied gebe.
    Mein
    treues Herz ist ein Magnet,
    Der nur nach einem Pole steht,
    Dein Nordstern leitet meine Liebe;
    Ich leb und sterbe dir
    getreu,
    Wenn gleich der Schickung Tyranney
    Mich heute noch ins Elend triebe.
    _____


    ALS SIE AN SEINER
    TREU ZWEIFELTE

    MEIN Kind, was zweifelstu an meiner Redligkeit,
    Die ihres gleichen doch in deiner Brust verspüret?
    Wo meiner Adern Blut nur einen Tropfen führet,
    Der sich nicht tausendmahl vor dich zu sterben freut,

    So wüntsch ich ihm den Fluch, den Ebals Felsen dräut
    Und Cains Fuß erfährt; der Stern, so mich regieret,
    Und deßen Trieb in mir die reine Glut gebiehret,
    Folgt nicht wie ein Planet dem Wechsel dieser Zeit.

    Mein Sinnbild ist ein Ring, der Denckspruch: Sonder Ende;
    Denn wer nicht ewig liebt, der liebet nimmermehr.
    Mein Engel, giebstu nun dem Argwohn kein Gehör,
    So lege mir dein Herz in die
    getreuen Hände.

    Ich sichre, diesen Schaz wird deinem Saladin
    Kein Räuber, kein Verlust, auch nicht der Tod entziehn.

    _____


    ALS ER SIE SEINER BESTÄNDIGEN TREUE VERSICHERTE

    WEINE nicht, mein Kind, ich bleibe
    Dir bis in den Tod
    getreu.
    Glaube, was ich denck und schreibe,
    Ist und heist stets einerley,
    Weil die Redligkeit zum Lieben
    Mir Geseze vorgeschrieben.

    Gott und Himmel können zeugen,
    Daß ich dir beständig bin;
    Eher wird die Warheit schweigen
    Als mein falsch und leichter Sinn
    Das geknüpfte Band zerreißen
    Und des Meineids schuldig heißen.

    Las die Wetter unterdeßen
    Über unsrer Unschuld stehn.
    Mustu bittre Mandeln eßen
    Und vorjezt auf Dornen gehn,
    So bedencke, das Vergnügen
    Wird uns einst zusammen fügen.

    Warthe mit Gedult der Freude
    Und der ungemeinen Lust,
    Welche du mit diesem Leide
    Dir zuvor verdienen must!
    Endlich werden deine Thränen
    Dir den Weg zur Wollust bähnen.

    Jezo geb ich deinem Kuße
    Eine kurze gute Nacht
    Und gehorche diesem Schluße,
    Welchen das Verhängnüß macht;
    Doch ich will in wenig Tagen
    Dir die Ankunft wieder sagen.

    Lebe wohl! Die Zunge stammlet,
    Und der Augen naßes Heer,
    Das die Wehmuth schon versammlet,
    Macht so Hand als Feder schwer
    Und verbiethet meinem Willen,
    Diesen Bogen anzufüllen.
    _____


    EHER TODT ALS
    UNGETREU

    EHER todt als
    ungetreu!
    Dieser Leichentext soll zeigen,
    Daß ich, wenn die Wetter steigen,
    Gleichwohl Leonorens sey.

    Eher todt als
    ungetreu!
    Soll ich dich, mein Kind, nicht heben,
    Halt ich alle Lust im Leben
    Vor des Himmels Tyranney.

    Eher todt als
    ungetreu!
    Was gewinnt man auf der Erden?
    Hofnung, Kummer und Beschwerden
    Und zulezt nur späte Reu.

    Eher todt als
    ungetreu!
    Irrthum, Sehnsucht und Gedancken
    Reißen durch der Jugend Schrancken
    Unsre Freude bald vorbey.

    Eher todt als
    ungetreu!
    Treue Liebe läst die Plagen
    Böser Zeiten noch ertragen
    Und erquickt in Sclaverey.

    Eher todt als
    ungetreu!
    Du mein Schaz und ich dein Glücke,
    So verlachen wir die Stricke
    Der vergällten Heucheley.

    Eher todt als
    ungetreu!
    Neid und Pöbel kan nicht faßen,
    Wenn wir ihm die Güter laßen,
    Wie so wohl uns beiden sey.

    Eher todt als
    ungetreu!
    Tröste dich mit diesem Spruche,
    Neh ihn auf dem Leichentuche
    Neben unser Conterfey.

    Eher todt als
    ungetreu!
    Glaube das, du
    treue Seele,
    In der finstern Grabeshöhle
    Schläft mir auch dein Schatten bey.
    _____


     

  • Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1748-1776)

    MINNELIED

    Euch, ihr Schönen,
    Will ich krönen,
    Bis an meinen Tod,
    Mit Gesangesweisen;
    Bis an meinen Tod,
    Eure Tugend preisen.

    Ihr, o Guten,
    Wohlgemuthen,
    Macht das Leben süß,
    Macht den Mann zum Engel,
    Und zum Paradies
    Eine Welt voll Mängel.

    Wer die Süße
    Treuer Küße
    Nicht gekostet hat,
    Irret, wie verloren,
    Auf dem Lebenspfad,
    Ist noch ungebohren.

    Wer die Süße
    Treuer Küße
    Schon gekostet hat,
    Tritt auf lauter Rosen,
    Wo sein Fuß sich naht,
    Blühen lauter Rosen.
    _____


     

  • Karoline Rudolphi (1754-1811)

    Milon

    O Chloe! wärst du mir so
    treu,
    Wie dir dein Schäfgen ist!
    So bald du rufst, eilt es herbey,
    Ist gern von dir geküßt.

    Wohin du gehest, folgt es dir,
    Zum Hügel, in den Wald,
    Und deine stille Laube hier
    Ist auch sein Aufenthalt.

    Aus deinen Händen nimmts den Klee,
    Trinkt mit dir aus dem Bach,
    Umsonst ruf ich, ruft Galathee,
    Dir nur, dir folgt es nach.

    O lerntest du dem Schäfchen ab,
    Mir auch so
    treu zu seyn:
    Mit Freuden würd' ich, bis ins Grab,
    Dir meine Tage weihn.

    Doch Schäfchen haben nicht Verstand,
    Und darum sind sie
    treu,
    Sind unschuldsvoll, und unbekannt
    Mit falscher Schmeicheley.

    Du bist zu schön, du bist zu klug,
    Und alle sagens dir.
    Ach! wärst du minder schön und klug,
    Ich trauerte nicht hier.
    _____


    Treue

    Treue, du bist ein Weib; denn sind nicht von je und von immer
    Weiber zum Dulden, zum Leiden von Himmlischen selber erkoren?
    Ach! wer
    Treue bewahret im Herzen dem treulosen Freunde,
    Welche Schmerzen bewahret er sich im Busen, der Edle!
    Treue, du bist ein Weib; denn Weiber nur können verschmerzen.
    Ach! wie vieles muss nicht die
    Treue verschmerzend erdulden!
    Treue, du bist ein Weib; denn Weiberverdienste und Treue
    Blühen im Schatten, und sind nur gepriesen im Grabe. -
    _____


     

  • Christiana Rosina Spitzlin (1710-1740)

    Die vergnügte Ehe

    Vergnügter Ehestand! ihr angenehme Zeiten!
    Wo Lieb und
    Treue sich genau und fest verbindt/
    Da uns die schöne Zeit will edle Lust bereiten/
    Und was nur widrig scheint/ auch alsobald verschwindt.
    Der Wille ist vereint/ die Hertzen seyn verbunden/
    Dieweil die Liebe sie durch wahre
    Treu umschränckt/
    So zehlt man höchst vergnügt die Anmuths-volle Stunden/
    Die uns der Himmel hat durch seine Huld geschenckt.
    Ein solch vergnügtes Paar kan man glückseelig heissen/
    Warum? es ist ja schon ein Himmel auf der Welt;
    Das Glücke wird es selbst mit lauter Ambra speisen/
    Dieweil ihr Leben GOtt und Menschen wohlgefällt.
    Der Segen GOttes wird auf ihre Scheitel fliessen/
    Indem ihr Hertze sich auch im Gebet vereint;
    Sie werden Fried und Ruh in stiller Lust geniessen/
    Weil sie des Höchsten Huld mit seinem Glantz bescheint.
    Wird gleich ein Creutzes-Wind sie dann und wann anwehen/
    So wird die Liebe doch wie Salamander seyn/
    Der in dem Feuer auch kan unversehrt bestehen/
    Dann
    treue Liebe reißt kein Schmertz noch Unglück ein.
    Wird schon der blasse Tod das Lebens-Band zerreissen/
    So/ daß er einem Theil verlöscht des Lebens-Licht;
    So wird beym Abschied es die
    Treue noch beweisen/
    Daß nur der Leib erstirbt/ jedoch die Liebe nicht.
    Ja/ bey Betrachtung diß erseh ich solche Proben/
    Die unsrer Seele hat der Heiland zubereitet/
    Der pur aus Liebe sich auch will mit uns verloben/
    Ja er verbindt sich uns mit der Gerechtigkeit.
    O Liebe/ die dich hat zu solcher Gnad getrieben!
    O
    Treue/ die nicht kan begreiffen meine Brust!
    Da mich der Heyland nun als seine Braut will lieben;
    So ist mir sonsten nichts als lauter Freud bewust.
    Auf Seele! laß auch du der Liebe Zunder brennen/
    Gib deinem Heyland auch ein Zeichen deiner
    Treu;
    So wirst du alsodann die grosse Gnad erkennen/
    Die Güte JEsu ist ja alle Morgen neu.
    Die Früchte wirst du dann im Geist entzückt geniessen/
    Dann dein Erlöser labt dich mit Zufriedenheit;
    Und JEsus wird dich dann in Brust und Arme schliessen/
    Daß deine Seele schmeckt der Liebe Süßigkeit.
    Laß dich kein Creutz noch Noth von seiner Liebe scheiden!
    Drückt dir der blasse Tod gleich deine Augen zu;
    So kommst du dann erst recht in den Besitz der Freuden/
    Da deine Seel genießt die Engel süsse Ruh.
    _____

     

  • Christian Felix Weisse (1726-1804)

    Der Schwur

    Du foderst ew'ge Lieb' und
    Treu?
    Ich soll sie dir, o Doris, schwören?
    Du dringst darauf? wohlan, es sey!
    Doch musst du meinen Wunsch erhören!

    Eh hasse Freud' und Jugend mich,
    Eh sey mein Wein vom Wasser trübe,
    Eh ich nicht dich, - o Doris, dich, -
    Wie alle Mädchen, ewig liebe.
    _____

     

 

19./20. Jh.
 

  • Michel Berend (1834-1866)

    O, wenn dir Gott ein Lieb geschenkt,
    Behalt' es
    treu im Herzen,
    Und was dich quält und was dich kränkt,
    Mit ihr kannst du's verschmerzen;
    Es schwindet jedes Leid der Welt,
    Wenn Liebchens Träne darauf fällt -
    Drum, wenn dir Gott ein Lieb geschenkt,
    Behalt' es
    treu im Herzen.
    _____

     

  • Ernst Blass (1890-1939)

    Der schöne Sommer schwärmt schon gar nicht fern.
    Die Grillen zirpen, und ein edler Stern
    Küßt mich in sanfter
    Treue auf die Stirn ...
    Wir werden uns im nahen Wald verirrn,

    Um den Hals uns zu fallen und um Augen und Munde,
    Und Eichhörnchen sein und selige Hunde.
    _____

     

  • Udo Brachvogel (1835-1913)

    Als uns Gott zusammenführte,
    Hast Du Neigung mir gespendet,
    Und es hat nach Dir in Liebe
    Sich mein ganzes Sein gewendet.

    Ob auch scheinbar noch die Triebe
    Ungeweckt im Busen schliefen,
    Bebte doch die ganze Seele
    Schon in ihren tiefsten Tiefen.

    Daß ich nimmer dies Ergeben,
    Diese Liebe nie bereue,
    Eine Du dem Augenblicke
    Auch der Zukunft feste
    Treue:

    Denn daß Liebe Du gespendet,
    Dünkt mich nur des Zufalls Gabe,
    Wolle
    Treue mir gewähren,
    Daß ich Dich zu preisen habe.

    Und so will ich, wie dem Zufall
    Jetzt ich danke, Dir dann danken,
    Daß Du mir durch Deine
    Treue
    Glück gewähret ohne Schranken.
    _____

     

  • Helene Branco (Ps. Dilia Helena) (1816-1894)

    Liebe Seele! weile, weile!
    Bau dich an in meiner Näh',
    Daß ich ganz dein Leben theile,
    Tief in's tiefe Herz dir seh'.

    Wie gesellig und wie fröhlich
    Soll mein Geist sich deinem leihn;
    Dies Verständniß o wie selig!
    Lieb um Liebe im Verein.

    Ziehe, ziehe nicht zur Ferne:
    Hier an meinem stillen Heerd
    Weilt die
    Treue doch so gerne,
    Wo die Liebe sich bewährt.
    _____


    Mit jedem Pulsschlag leb' ich dir,
    Du mein geliebtes Leben!
    In alle Träume will sich mir
    Dein holdes Bild verweben.

    Und jeder Atemzug ist nur
    Dir eine Liebesweihe,
    Und jeder Seufzer ist ein Schwur
    Unwandelbarer
    Treue.

    Und ewig sind von dir erfüllt
    Die sehnenden Gedanken,
    Die sich um dein geliebtes Bild
    Wie weiche Reben ranken.

    Und wird mir schwer, und wird mir bang:
    Gedenk' ich dein, wird's Friede;
    Es löst das Leid sich im Gesang
    Und wallt zu dir im Liede.
    _____


     

  • Luise Büchner (1821-1877)

    Treue

    Ihr müßt dies Herz nicht schelten,
    Das sich so schwer ergiebt,
    Könnt' schneller es gesunden,
    Dann hätt' es nie geliebt.

    Es gliche dann sein Fühlen
    Ja nur dem Morgenthau,
    Den eine Sonnenstunde
    Hinwegküßt von der Au.

    Dann wär' es wie die Welle,
    So leicht und schnell erregt,
    Und wie der Sommerfaden,
    Den jeder Hauch bewegt.

    Doch ach! es gleicht dem Felsen,
    Der sich nicht beugen läßt;
    Wie er am Schooß der Erde,
    Hält es sein Fühlen fest.

    Weil man darauf kann bauen,
    Wie auf den Felsengrund,
    Weil es ein Starkes, Festes,
    Wird es so schwer gesund!
    _____


     

  • Wilhelm Busch (1832-1908)

    O du, die mir die Liebste war,
    Du schläfst nun schon so manches Jahr.
    So manches Jahr, da ich allein,
    Du gutes Herz, gedenk ich dein.
    Gedenk ich dein, von Nacht umhüllt,
    So tritt zu mir dein
    treues Bild.
    Dein
    treues Bild, was ich auch tu,
    Es winkt mir ab, es winkt mir zu.
    Und scheint mein Wort dir gar zu kühn,
    Nicht gut mein Tun,
    Du hast mir einst so oft verziehn,
    Verzeih auch nun.
    _____


    Scheu und
    Treu

    Er liebte sie in aller Stille.
    Bescheiden, schüchtern und von fern
    Schielt er nach ihr durch seine Brille
    Und hat sie doch so schrecklich gern.

    Ein Mücklein, welches an der Nase
    Des schönen Kindes saugend saß,
    Ertränkte sich in seinem Glase.
    Es schmeckt ihm fast wie Ananas.

    Sie hatte Haare, wie 'ne Puppe,
    So unvergleichlich blond und kraus.
    Einst fand er eines in der Suppe
    Und zog es hochbeglückt heraus.

    Er rollt es auf zu einem Löckchen,
    Hat's in ein Medaillon gelegt.
    Nun hängt es unter seinem Röckchen
    Da, wo sein
    treues Herze schlägt.
    _____


     

  • Georg Busse-Palma (1876-1915)

    Mit einem Ringe ...

    Dies Ringlein soll dir sagen
    Daß ich dir
    treu und hold.
    Du sollst es immer tragen
    In gut' und bösen Tagen,
    So lauter wie sein Gold!

    Darinnen eingelassen
    Herzrot ist ein Rubin.
    Ich will so fest dich fassen
    Und dich noch minder lassen
    Als wie der Reifen ihn!

    Mit feinen Goldschmiedschlägen
    Band Liebe dich und mich.
    Ich ward, um dich zu hegen,
    Du wardst, um dich zu legen
    Ganz fest und
    treu an mich!
    _____


     

  • Adelbert von Chamisso (1781-1838)

    Eid der
    Treue

    Mißtrauest, Liebchen, du der flücht'gen Stunde,
    Des Augenblickes Lust?
    Bist Brust an Brust du nicht, und Mund an Munde,
    Der Ewigkeit bewußt?

    Ich soll nur dir, und ewig dir gehören;
    Du willst darauf ein Pfand:
    Wohlan! ich will's mit kräft'gem Eid beschwören,
    Ich hebe meine Hand:

    Ich schwör's, elftausend heilige Jungfrauen,
    Bei eurem keuschen Bart;
    Bei Jakobs Leitersprosse, die zu schauen
    In Mailand wird bewahrt;

    Ich schwör es noch, zu mehrerem Gewichte -
    Ein unerhörter Schwur! -
    Beim Vorwort zu des Kaisers Karl Geschichte,
    Und bei des Windes Spur;

    Beim Schnee, der auf dem Libanon gefallen
    Im letzt vergangnen Jahr;
    Bei Nihil, Nemo, und dem andern allen,
    Was nie sein wird noch war.

    Und falls ich dennoch jemals
    untreu würde,
    Vergäße jemals dein,
    So soll mein Eid verbleiben ohne Würde,
    Und ganz unbündig sein.
    _____


    Treue Liebe
    (Litauisch)

    Es schallten muntre Lieder
    Hell durch den Fichtenwald,
    Es kam ein muntrer Reiter
    Zum Försterhause bald.

    Frau Muhme, guten Morgen,
    Wo bleibt die Liebste mein? -
    Sie lieget, krank zum Sterben,
    Im obern Kämmerlein.

    Er stieg in bittern Tränen
    Die Treppe wohl hinauf,
    Er hemmte, vor der Türe
    Der Liebsten, ihren Lauf.

    Herein, herein, Geliebter,
    Zu schmerzlichem Besuch!
    Die heim du holen wolltest,
    Deckt bald das Leichentuch.

    Sie schläft in engem Sarge,
    Drauf liegt der Myrtenkranz;
    Du wirst nicht heim sie führen,
     Nicht bei Gesang und Tanz.

    Sie werden fort mich tragen,
    Und tief mich scharren ein,
    Du wirst mir Tränen weinen,
    Und eine andre frein. -

    Die du mich nie betrübet,
    Du meine Zier und Lust,
    Wie hast du jetzt geschnitten
    Mir scharf in meine Brust!

    Drauf sahen zu einander
    Die beiden ernst und mild,
    Verschlungen ihre Hände,
    Ein schönes, bleiches Bild.

    Da schied sie sanft hinüber,
    Er aber zog zur Stund
    Das Ringlein sich vom Finger
    Und steckt's in ihren Mund.

    Ob er geweinet habe,
    Als solches ist geschehn? -
    Ich selber floß in Tränen,
    Ich hab es nicht gesehn.

    Es gräbt der Totengräber
    Ein Grab, und noch ein Grab:
    Er kommt an ihre Seite,
    Der ihr das Ringlein gab.
    _____


     

  • Helmina von Chézy (1783-1856)

    An Ludwig Freiherrn Rançonnet

    Ein Finden ist kein Finden,
    Es ist ein Wiedersehn,
    Was Seelen kann verbinden,
    War ewig schon geschehn,
    O, hege
    treu den Funken,
    Der deine Brust durchglüht,
    Der deine Seele trunken
    Zum Flammenurquell zieht!
    In Liebe nur ist Wahrheit,
    In
    Treue nur ist Klarheit,
    Ein Herz,
    treu, fromm und wahr
    Ist Gottes Hochaltar.
    _____


    An *

    Nicht immer durch verwandtes Streben
    Ist Herz dem Herzen nah verwandt,
    Nur gleiches inn'res Herzensleben
    Schließt ewig fest der
    Treue Band!
    _____


    In ein Stammbuch

    Sieh die Stern' am Himmel stehen,
    Können uns nicht wieder sehen,
    Schaun so süß und ruhig drein,
    Wann uns freut ihr lieber Schein.

    So des Freundes Bild von ferne,
    Strahlet hell, gleich sanftem Sterne,
    Denken ist Beisammenseyn,
    Treues Herz ist nie allein!
    _____


     

  • Peter Cornelius (1824-1874)

    Treue

    Dein Gedenken lebt in Liedern fort;
    Lieder, die der tiefsten Brust entwallen,
    Sagen mir: du lebst in ihnen allen,
    Und gewiß, die Lieder halten Wort.

    Dein Gedenken blüht in Tränen fort;
    Tränen, aus des Herzens Heiligtume
    Nähren tauend der Erinn'rung Blume,
    In dem Tau blüht dein Gedenken fort.

    Dein Gedenken lebt in Träumen fort;
    Träume, die dein Bild verklärt mir zeigen,
    Sagen: daß du ewig bist mein eigen,
    Und gewiß, die Träume halten Wort.
    _____


     

  • Edmund Dorer (1831-1890)

    Worte und Thräne

    Sprachst du viel von Lieb' und
    Treue,
    Doch den Reden traut' ich nicht:
    Täuschend sind gar oft die Worte,
    Täuschen den sogar, der spricht.

    Aber als in deinem Auge
    Eine heiße Thräne stand,
    Fühlt' ich bald, daß ihre Sprache
    Meinen Zweifel überwand.

    Aus dem Herzen kommt die Thräne,
    Und sie täuscht die Herzen nicht;
    Glänzt doch hell in ihr die Wahrheit,
    Wie im Tau der Sonne Licht.
    _____


     

  • Carl Ferdinand Dräxler-Manfred (1806-1879)

    Lieb und
    Treue, Treu und Liebe
    Halten an einander fest,
    Wie im großen Weltgetriebe
    Sich genüber Ost und West;
    Denn aus gleicher Wurzel stammend,
    Und zu gleichem Himmel flammend,
    Sagen laut sie: Liebe übe,
    Wer von
    Treue niemals läßt.
    _____


    Brief

    Kunde von dir, o Seligkeit,
    Sie trifft mein Herz wie Zauberschlag!
    So wie die Schwalbe Frühlingszeit,
    Wie Morgenroth den neuen Tag,
    So kündet was du mir geschrieben,
    Dein
    treu unwandelbares Lieben.

    Ein Blatt von dir,  o süßes Glück,
    Es zaubert wie ein holder Bann
    In meine Arme dich zurück,
    Die Heißgeliebte seh ich dann,
    In diesen Zügen ihre Züge,
    Mir aller Seligkeit Genüge.

    Ich lese dich und sehe dich,
    Dein süßer Odem weht mich an,
    Ich fühle plötzlich glücklich mich,
    Weil ich nur Liebe denken kann,
    Und weil mit ihren Engelschwingen
    Deine Gedanken mich umfingen.

    Ja Liebe, die so
    treu und heiß
    Und innig Herz am Herzen hängt,
    Sie steht in eignen Zauberkreis,
    Aus dem sie keine Macht verdrängt,
    Und selbst in Trennung und in Ferne
    Erglänzen ihr der Hoffnung Sterne.
    _____

     

  • Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

    Die Bank

    Im Parke weiß ich eine Bank,
    Die schattenreichste nicht von allen,
    Nur Erlen lassen, dünn und schlank,
    Darüber karge Streifen wallen;
    Da sitz' ich manchen Sommertag
    Und lass' mich rösten von der Sonnen,
    Rings keiner Quelle Plätschern wach,
    Doch mir im Herzen springt der Bronnen.

    Dies ist der Fleck, wo man den Weg
    Nach allen Seiten kann bestreichen,
    Das staub'ge Gleis, den grünen Steg
    Und dort die Lichtung in den Eichen:
    Ach manche, manche liebe Spur
    Ist unterm Rade aufgeflogen!
    Was mich erfreut, bekümmert, nur
    Von drüben kam es hergezogen.

    Du frommer Greis im schlichten Kleid,
    Getreuer Freund seit zwanzig Jahren,
    Dem keine Wege schlimm und weit,
    Galt es den heil'gen Dienst zu wahren;
    Wie oft sah ich den schweren Schlag
    Dich drehn mit ungeschickten Händen,
    Und langsam steigend nach und nach
    Dein Käppchen an des Dammes Wänden.

    Und du in meines Herzens Grund,
    Mein lieber schlanker blonder Junge,
    Mit deiner Büchs' und braunem Hund,
    Du klares Aug' und muntre Zunge,
    Wie oft hört' ich dein Pfeifen nah',
    Wenn zu der Dogge du gesprochen;
    Mein lieber Bruder warst du ja,
    Wie sollte mir das Herz nicht pochen?

    Und Manches, was die Zeit verweht,
    Und Manches, was sie ließ erkalten,
    Wie Bankos Königsreihe geht
    Und trabt es aus des Waldes Spalten.
    Auch was mir noch geblieben und
    Was neu erblüht im Lebensgarten,
    Der werten Freunde heitren Bund
    Von drüben muß ich ihn erwarten.

    So sitz' ich Stunden wie gebannt,
    Im Gestern halb und halb im Heute,
    Mein gutes Fernrohr in der Hand
    Und lass' es streifen durch die Weite.
    Am Damme steht ein wilder Strauch,
    O, schmählich hat mich der betrogen!
    Rührt ihn der Wind, so mein' ich auch,
    Was Liebes komme hergezogen!

    Mit jedem Schritt weiß er zu gehn,
    Sich anzuformen alle Züge;
    So mag er denn am Hange stehn,
    Ein wert Phantom, geliebte Lüge;
    Ich aber hoffe für und für,
    So fern ich mich des Lebens freue,
    Zu rösten an der Sonne hier,
    Geduld'ger Märtyrer der
    Treue.
    _____


    An Levin Schücking

    Kein Wort, und wär' es scharf wie Stahles Klinge,
    Soll trennen, was in tausend Fäden Eins,
    So mächtig kein Gedanke, daß er dringe
    Vergällend in den Becher reinen Weins;
    Das Leben ist so kurz, das Glück so selten,
    So großes Kleinod, einmal sein statt gelten!

    Hat das Geschick uns, wie in frevlem Witze,
    Auf feindlich starre Pole gleich erhöht,
    So wisse, dort, dort auf der Scheidung Spitze
    Herrscht, König über alle, der Magnet,
    Nicht fragt er, ob ihn Fels und Strom gefährde,
    Ein Strahl fährt mitten er durchs Herz der Erde.

    Blick' in mein Auge, - ist es nicht das deine,
    Ist nicht mein Zürnen selber deinem gleich?
    Du lächelst - und dein Lächeln ist das meine,
    An gleicher Lust und gleichem Sinnen reich;
    Worüber alle Lippen freundlich scherzen,
    Wir fühlen heil'ger es im eignen Herzen.

    Pollux und Kastor, - wechselnd Glühn und Bleichen,
    Des einen Licht geraubt dem andern nur,
    Und doch der allerfrömmsten
    Treue Zeichen. -
    So reiche mir die Hand, mein Dioskur!
    Und mag erneuern sich die holde Mythe,
    Wo überm Helm die Zwillingsflamme glühte.
    _____


     

  • Demeter Dudumi (um 1856)

    Ich habe schon viele Briefe,
    Treuliebste, dir geschrieben,
    Doch sind noch tausend Blätter
    Im Herzen unbeschrieben!

    Ich habe schon viel gedichtet,
    Treuliebste, dich besungen,
    Doch hat meine Leier noch lange
    Für dich nicht ausgeklungen!

    Ich habe schon viel gebethet,
    Treuliebste in Lust, in Schmerzen,
    Doch sind noch tausend Gebethe
    Verborgen in meinem Herzen!

    Mein Schreiben, Dichten und Bethen
    Will ich dir immer weihen;
    Es möge wie Immortellen,
    Treuliebste, um dich sich reihen!
    _____


    Die Muschel liegt verborgen
    Tief unten am Meeresgrund,
    Und tausend von Tauchern bangen
    Nach diesem herrlichen Fund.

    Doch wer sie durch Zufall gefunden
    Tief unten, seit jeher vermißt,
    Der betet, daß diese Muschel
    Auch eine Perle umschließt!

    Denn Muscheln gibt es in Menge,
    Die Perlen sind seltener schon;
    Die Muschel nicht, einzig die Perle
    Ist ja auch des Tauchers Lohn.

    Verborgen ruht auch die Liebe
    Tief unten im Herzensgrund,
    Und tausend von Tauchern bangen
    Nach diesem herrlichen Fund.

    Doch wer sie durch Zufall gefunden,
    Tief unten, seit jeher vermißt,
    Der wünscht, daß die Lieb' auch als Muschel
    Die "
    Treue" als Perle umschließt!
    _____


     

  • Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

    Lied

    In einem kühlen Grunde,
    Da geht ein Mühlenrad,
    Mein' Liebste ist verschwunden,
    Die dort gewohnet hat.

    Sie hat mir
    Treu versprochen,
    Gab mir ein'n Ring dabei,
    Sie hat die
    Treu gebrochen,
    Mein Ringlein sprang entzwei.

    Ich möcht' als Spielmann reisen
    Weit in die Welt hinaus,
    Und singen meine Weisen
    Und gehn von Haus zu Haus.

    Ich möcht' als Reiter fliegen
    Wohl in die blut'ge Schlacht,
    Um stille Feuer liegen
    Im Feld bei dunkler Nacht.

    Hör' ich das Mühlrad gehen,
    Ich weiß nicht, was ich will,
    Ich möcht' am liebsten sterben,
    Da wär's auf einmal still.
    _____


    Sehnsucht

    Selig, wer zur Kunst erlesen,
    Ruhig in
    getreuer Lust,
    Hoher Dinge seltsam Wesen
    Selber froh erschreckt, mag lesen
    In der Wundervollen Brust!

    Wie die Rosse mutig scharrten!
    Ach! die Freunde sind voraus!
    Draußen blüht der schöne Garten,
    Draußen Wald und Liebchen warten,
    Und ich kann nicht, kann nicht raus!

    Bleib' ich ewig fern vom Glücke? -
    Wen die
    Treue ganz durchdrang,
    Einmal trafen Liebesblicke,
    Ach! er kann nicht mehr zurücke,
    Und ich kniee Lebenslang.

    Lodert, lodert heil'ge Kerzen!
    Bleibet unerhört mein Flehn:
    Will ich in den Freuden, Schmerzen,
    Mit dem unentweihten Herzen
    Treu und heilig untergehn.
    _____


     

  • Maria Clementine François (1823-1844)

    Treue Liebe

    Ich habe einen Traum gehabt,
    So wirr und sonderbar:
    Von mir gewiesen hatt' ich dich,
    Obgleich ich gut dir war.

    Und in dem bunten Weltgewühl
    Stand ich nun einsam so;
    Doch fand ich nicht, was ich gesucht,
    Und niemals ward ich froh.

    Und Unglück brach auf mich herein,
    Ich war verwundet – krank -
    Gequält – verfolgt – bis endlich ich
    Erschöpft darnieder sank.

    Da tratest du nun zu mir hin -
    Doch ich wich scheu zurück,
    Ach, nicht ertragen konnt' ich jetzt
    Nur jetzt nicht deinen Blick!

    Als ich dich höhnend von mir wies,
    Da war ich jung und schön,
    Und stolz und reich – und sollst du jetzt
    Mich nun so elend sehn? -

    Du aber neigtest dich zu mir,
    Und sprachest mild gesinnt:
    "Ich weiß, was du gelitten hast,
    Du armes, blasses Kind!"

    Und mit der alten Liebe Blick
    Sahst du mich wieder an:
    "Vergiß in meinen Armen jetzt,
    "Was dir die Welt gethan."

    "Dein Aug' ist hohl, die Wange bleich,
    "Dein Herz ist weh und wund;
    "Was anders, als die Liebe macht
    "Ein solches Herz gesund."
    _____


     

  • Agnes Franz (1794-1843)

    Das
    treue Herz

    Ein
    treues Herz bleibt stark in Muth und Hoffen,
    Wird gleich vom Sturm der Freuden Saat getroffen,
    Sein Glaube hebt es siegend himmelwärts!
    Drum wünsch' ich mir, wenn Leiden mich umstürmen,
    Wenn Wolken sich um meinen Himmel thürmen,
    Ein
    treues Herz!

    Ein
    treues Herz beharrt im festen Lieben,
    Wenn And're auch durch Undank es betrüben,
    Und lächelt mild noch in dem tiefsten Schmerz.
    O könnt' ich mir solch Kleinod doch bewahren!
    Erquickung beut uns noch in späten Jahren
    Ein
    treues Herz!

    Ein
    treues Herz wird, wenn es Spötter kränken,
    Sich nimmer doch von seinem Heile lenken,
    Und fest stehn, bei der Frevler frechem Scherz.
    O möcht' es doch der Vater mir gewähren!
    Als Demant-Krone trägt der Prüfung Zähren
    Ein
    treues Herz!
    _____


     

  • Emanuel Geibel (1815-1884)

    Goldne Brücken seien
    Alle Lieder mir,
    Drauf die Liebe wandelt,
    Süßes Kind, zu dir.

    Und des Traumes Flügel
    Soll in Lust und Schmerz
    Jede Nacht mich tragen
    An dein
    treues Herz.
    _____


    Mag auch heiß das Scheiden brennen,
    Treuer Muth hat Trost und Licht;
    Mag auch Hand von Hand sich trennen,
    Liebe läßt von Liebe nicht.
    Keine Ferne darf uns kränken,
    Denn uns hält ein
    treu Gedenken.

    Ist kein Wasser so ohn' Ende,
    Noch so schmal ein Felsensteg,
    Daß nicht rechte Sehnsucht fände
    Drüberhin den sichern Weg.
    Keine Ferne darf uns kränken,
    Denn uns hält ein
    treu Gedenken.

    Ueber Berg' und tiefe Thale,
    Mit den Wolken, mit dem Wind
    Täglich, stündlich, tausendmale
    Grüß' ich dich, geliebtes Kind.
    Keine Ferne darf uns kränken,
    Denn uns hält ein
    treu Gedenken.

    Und die Wind' und Wolken tragen
    Her zu mir die Liebe dein,
    Die Gedanken, die da sagen:
    Ich bin dein und du bist mein!
    Keine Ferne darf uns kränken,
    Denn uns hält ein
    treu Gedenken.

    Ueberall, wohin ich schreite,
    Spür' ich, wie unsichtbarlich
    Dein Gebet mir zieht zur Seite,
    Und die Flügel schlägt um mich.
    Keine Ferne darf uns kränken,
    Denn uns hält ein
    treu Gedenken.

    Und so bin ich froh und stille,
    Muß ich noch so ferne gehen;
    Jeder Schritt - ist's Gottes Wille -
    Ist ein Schritt zum Wiedersehn.
    Keine Ferne darf uns kränken,
    Denn uns hält ein
    treu Gedenken.
    _____


    Die Verlassene

    O singt nur ihr Schwestern mit fröhlichem Mund,
    Und führet den Reigen im Lindengrund
    Mit den Burschen bei Cithern und Geigen! -
    Mich aber laßt gehen und schweigen.

    Was blickt ihr mir nach, und was wollt ihr von mir?
    Ich habe die Freude getragen wie ihr
    In der Brust mit Lachen und Scherzen -
    Nun trag' ich den Tod im Herzen.

    Durch alle Wipfel der Lenzhauch geht,
    Ich bin der Baum, der laublos steht;
    Die Wasser rieseln so helle,
    In bin die vertrocknete Quelle.

    Die
    Treue, die Treue, darauf ich gebaut,
    Sie ist mit dem Schnee vor der Sonne zerthaut;
    Wie Spreu vor dem Winde, so stiebet
    Meine Liebe, die ich geliebet.
    _____


     

  • Martin Greif (1839-1911)

    Das
    treue Paar

    Zwei Liebste waren so traurig
    Und gingen viel allein,
    Sie sind zusammen ertrunken
    Zu Nacht im tiefen Rhein.

    Man hat sie beide gefunden,
    Weit unten im fremden Land,
    Sie hielten sich noch umschlungen,
    Und niemand hat sie erkannt.
    _____


     

  • Theodor Robert Grosewsky (1823-1866)

    Orakel

    Nicht will ich das Schicksal fragen,
    Ob sie denket mein?
    Denn ich könnt' es nicht ertragen,
    Spräch's ein trostlos "Nein!"

    Ach, ich könnt' es nicht erfassen,
    Wär' sie
    treulos mir!
    Könnte ja nie von ihr lassen,
    Nur - verzeihen ihr!

    _____


    Guter Wille

    Legen, Kind, möcht' ich Dir eine
    Kron' auf Deine Stirne klar,
    Perlen, Gold und Edelsteine
    Flechten in Dein Lockenhaar;

    Möchte gern in Atlas kleiden
    Und in Sammt Dich, Mädchen mein!
    Doch ich kann statt all' der Freuden
    Nur ein
    treues Herz Dir weih'n.
    _____


    Kornblumenkranz

    Wand ein Kränzchen von Cyanen
    Einstens mir mein süßes Lieb,
    Gab es mir mit leisem Mahnen,
    Daß ich immer
    treu ihr blieb'!

    Jetzt in meinem Stübchen drüben
    Hängt das Kränzchen längst verdorrt:
    Wohl bin ich ihr
    treu geblieben -
    Aber, ach! sie brach ihr Wort.
    _____


    Marie!

    Du schaust mich gar nicht an, Marie?
    Was hab' ich Dir gethan, Marie?
    Ich lieb' Dich doch so sehr!
    Werd' ich erst fern Dir sein, Marie!
    Denkst Du gewiß noch mein, Marie!
    Wenn zwischen uns das Meer.

    Kein Herz auf dieser Welt, Marie!
    Wohl unter'm Sternenzelt, Marie!
    Ist Dir so
    treu und gut;
    Verschmäh' es nicht, Du weinst, Marie!
    Noch heiße Thränen einst, Marie!
    Wenn's tief im Grabe ruht.

    Wird Dir Dein Herz nicht schwer, Marie?
    Kannst Du mich freudenleer, Marie,
    Dem Kummertode weih'n?
    O komm' an's
    treue Herz, Marie!
    Noch linderst Du den Schmerz, Marie!
    Noch kann ich Dir verzeih'n!

    _____


    Konnt' Mary auch treulos mir sein!

    Sonst war mir die Einsamkeit lieb und werth,
    Ich träumte wohl gerne allein;
    Doch nun ist der Kummer mein steter Gefährt' -
    Konnt' Mary auch
    treulos mir sein!

    Jetzt ziehet die Spinne ihr Netz durch's Gemach,
    Der Staub liegt auf Büchern und Schrein,
    Vergrast ist mein Gärtchen, verödet und brach -
    Konnt' Mary auch
    treulos mir sein!

    Verstummt ist die Wanduhr, der Todtenwurm pickt
    Nur leis zwischen Holzwand und Stein
    Zum Gruß mir das Heimchen sein Klagelied schickt -
    Konnt' Mary auch
    treulos mir sein!

    Laut wimmert das Leichhuhn im dunkelen Moor,
    Der Mond scheint verdrossen herein;
    Um Mitternacht pocht es oft leise an's Thor -
    Konnt' Mary auch
    treulos mir sein!

    Am Giebel pfeift traurig und klagend der Wind
    Als müßt' es ein Todtenlied sein;
    Ach könnt' ich nur weinen, ich weinte mich blind -
    Konnt' Mary auch
    treulos mir sein!

    Mir lud sich die Sorge, der Kummer zu Gast,
    Drum wird mir das Leben zur Pein;
    Die Welt ist verhaßt mir, die Menschen verhaßt -
    Selbst Mary konnt'
    treulos mir sein!
    _____

     

  • Julius Grosse (1828-1902)

    Ein
    treues Herz

    Weißt du ein Herz dir schlagen,
    Das
    treugesinnt dir ist,
    In deinen trübsten Tagen
    Fühlst du, wie reich du bist.

    Es kommt wie Sonnenlächeln
    Dir in der tiefsten Nacht,
    Wie milden Westwinds Fächeln
    In eisiger Winterpracht.

    Wem solch ein Schatz beschieden,
    Kann nicht verloren sein.
    Du wandelst still in Frieden
    In Sturm und Wetterschein.

    Fern über rollenden Meeren
    Winkt dir ein sichres Land,
    In drohenden Feindesheeren
    Beschirmt dich Geisterhand.

    Sie zieht mit leisen Sorgen
    Doch endlich dich zurück,
    Wo deine Jugend geborgen,
    Gegründet ist dein Glück.

    Bis zu den spätsten Tagen
    Fühlst du, wie jung du bist,
    Weißt du ein Herz dir schlagen,
    Das
    treugesinnt dir ist.
    _____


     

  • Karoline von Günderrode (1780-1806)

    Wandel und
    Treue

    VIOLETTA
    Ja, du bist treulos! laß mich von dir eilen;
    Gleich Fäden kannst du die Empfindung theilen.
    Wen liebst du denn? und wem gehörst du an?


    NARZISS
    Es hat Natur mich also lieben lehren:
    Dem Schönen werd' ich immer angehören
    Und nimmer weich ich von der Schönheit Bahn.


    VIOLETTA
    So ist dein Lieben, wie dein Leben, wandern!
    Von einem Schönen eilest du zum Andern,
    Berauschest dich in seinem Taumelkelch,
    Bis Neues schöner dir entgegen winket -


    NARZISS
    In höh'rem Reiz Betrachtung dann versinket
    Wie Bienenlippen in der Blume Kelch.

    VIOLETTA
    Und traurig wird die Blume dann vergehen
    Muß sie sich so von dir verlassen sehen!

    NARZISS
    O Nein! es hat die Sonne sie geküßt.
    Die Sonne sank, und Abendnebel thauen.
    Kann sie die Strahlende nicht mehr erschauen,
    Wird ihre Nacht durch Sternenschein versüßt.
    Sah sie den Tag nicht oft im Ost verglühen?
    Sah sie die Nacht nicht thränend still entfliehen?
    Und Tag und Nacht sind schöner doch als ich.
    Doch flieht ein Tag, ein Andrer kehret wieder;
    Stirbt eine Nacht, sinkt eine Neue nieder,
    Denn Tröstung gab Natur in jedem Schönen sich

    VIOLETTA
    Was ist denn Liebe, hat sie kein Bestehen?

    NARZISS
    Die Liebe will nur wandlen, nicht vergehen;
    Betrachten will sie alles Trefliche.
    Hat sie dies Licht in einem Bild erkennet,
    Eilt sie zu Andern, wo es schöner brennet,
    Erjagen will sie das Vortrefliche.

    VIOLETTA
    So will ich deine Lieb' als Gast empfangen;
    Da sie entfliehet wie ein satt Verlangen,
    Vergönnt mein Herz Ihr keine Heimath mehr.

    NARZISS
    O sieh den Frühling! gleicht er nicht der Liebe?
    Er lächelt wonnig, freundlich, und das trübe
    Gewölk des Winters, niemand schaut es mehr!
    Er ist nicht Gast, er herrscht in allen Dingen,
    Er küßt sie Alle, und ein neues Ringen
    Und Regen wird in allen Wesen wach.
    Und dennoch reißt er sich aus Tellus Armen
    Auch andre Zonen soll sein Hauch erwarmen
    Auch Andern bringt er neuen, schönen Tag.

    VIOLETTA
    Hast du die heil'ge Treue nie gekennet?

    NARZISS
    Mir ist nicht Treue was ihr also nennet,
    Mir ist nicht
    treulos was euch treulos ist! -
    Wer den Moment des höchsten Lebens theilet;
    Vergessend nicht, in Liebe selig weilet;
    Beurtheilt noch, und noch berechnet, mißt;
    Den nenn' ich
    treulos, ihm ist nicht zu trauen
    Sein kalt Bewußtseyn wird dich klar durchschauen
    Und deines Selbstvergessens Richter seyn.
    Doch ich bin
    treu! Erfüllt vom Gegenstande
    Dem ich mich gebe in der Liebe Bande
    Wird Alles, wird mein ganzes Wesen seyn.

    VIOLETTA
    Giebt's keine Liebe denn die dich bezwinge?

    NARZISS
    Ich liebe Menschen nicht, und nicht die Dinge,
    Ihr Schönes nur, und bin mir so
    getreu,
    Ja
    Untreu' an mir selbst wär andre Treue,
    Bereitete mir Unmuth, Zwist und Reue,
    Mir bleibt nur so die Neigung immer frei.
    Die Harmonie der inneren Gestalten
    Zerstören nie die ordnenden Gewalten
    Die für Verderbniß nur die Noth erfand. -
    Drum laß mich, wie mich der Moment gebohren.
    In ew'gen Kreisen drehen sich die Horen;
    Die Sterne wandeln ohne festen Stand,
    Der Bach enteilt der Quelle, kehrt nicht wieder
    Der Strom des Lebens woget auf und nieder
    Und reisset mich in seinen Wirbeln fort.
    Sieh alles Leben! es ist kein Bestehen,
    Es ist ein ew'ges Wandern, Kommen, Gehen,
    Lebend'ger Wandel! buntes, reges Streben!
    O Strom! in dich ergießt sich all mein Leben!
    Dir stürz ich zu! vergesse Land und Port!
    _____


     

  • Ida von Hahn-Hahn (1805-1880)

    Treue

    Ach, was hilft es mir, zu sterben? -
    Wenn auch, in der kühlen Gruft,
    Staubgeborne Hüll' erwerben
    Könnte Schlaf, nach dem sie ruft! -

    Ach, was hilft's, wenn ich geschlossen,
    Stumm und bleich, die Lippe wüßt',
    Wenn mein Aug', sonst glanzumflossen,
    Nicht mehr Liebesspiegel ist? -

    Mag dem Körper Ruhe werden,
    Meiner Seele wird sie nicht,
    Denn solang du lebst auf Erden,
    Nimmer ihre Fessel bricht.

    Nicht der Mund, das Aug', die Locken,
    Gaben sie in deine Hand;
    Mögen Lebens Pulse stocken,
    Sie bleibt fest dir zugewandt.

    Und wo sel'ge Geister ziehen,
    Von des Paradieses Thür,
    Würde trauernd sie entfliehen, - -
    Meine Seele bleibt bei dir.
    _____


     

  • Heinrich Heine (1797-1856)

    Mir träumte wieder der alte Traum:
    Es war eine Nacht im Maie,
    Wir saßen unter dem Lindenbaum,
    Und schwuren uns ewige
    Treue.

    Das war ein Schwören und Schwören aufs neu,
    Ein Kichern, ein Kosen, ein Küssen;
    Daß ich gedenk des Schwures sei,
    Hast du in die Hand mich gebissen.

    O Liebchen mit den Äuglein klar!
    O Liebchen schön und bissig!
    Das Schwören in der Ordnung war,
    Das Beißen war überflüssig.
    _____


     

  • Max Herrmann-Neiße (1886-1941)

    Bleib du mir
    treu!

    Wenn ich die ganze Welt verlöre -
    daß du nur bliebst! daß du nur bliebst!
    Wenn ich nur noch dies eine höre,
    daß du mich liebst! daß du mich liebst!

    So einsam hatt' ich nie zu tragen,
    als wie an dieser Tage Last,
    da meine Schläfen Schlachten schlagen,
    noch wenn du mich am Herzen hast!

    Gehetzt, verstoßener als Steine
    und ausgeschütteter denn Spreu,
    weiß mein Gebet nur noch das eine:
    bleib du mir
    treu! bleib du mir treu!
    _____


     

  • Jeannette Holthausen (Ps. Agnes le Grave) (1812-1875)

    Du, mit dem
    treuen Herzen

    Du, mit dem
    treuen Herzen,
    O, könnt' ich lieben dich,
    Vergelten dir die Schmerzen,
    Die duldest du durch mich!

    Die Freuden, die da kommen
    In Lenzes Prachtgewand,
    Dir hab' ich sie genommen
    Mit ahnungsloser Hand!

    Der Wonne, die da schweifet
    Auf Sommers lichtem Pfad,
    Ihr hab' ich abgestreifet
    Jedwedes grüne Blatt!

    Doch Schmerzen, gleiche Schmerzen,
    Wie duldest du durch mich,
    Duld' ich in meinem Herzen:
    Auch meine Sonn' erblich!

    Drum trag' in deinen Blicken
    Nicht Vorwurf und Verdacht, -
    Kannst Blütenduft du pflücken,
    Wo nie die Sonne lacht? -

    Du, mit dem
    treuen Herzen,
    Greif an dein eignes Herz,
    Dann fühlst du meine Schmerzen,
    Vergibst mir deinen Schmerz!
    _____


     

  • Gustav Wilhelm Jahn (1818-1888)

    So lieb ich - wie des Schnees Flocken
    Die Flur bedecken, weich und zart!
    Du schüttelst Deine blonden Locken:
    Die Lieb ist auch nicht rechter Art!
    Der Schnee will alle Schluchten füllen,
    Bis Alles eben, plan und gleich:
    Die Liebe soll nicht schwach und weich
    Des Andern Fehler bloß verhüllen!

    So lieb ich - wie des Aethers Bogen,
    Der ewig
    treu die Erd umfängt -
    Dein Auge hält ein Flor umzogen:
    Ich weiß, was Deine Seele denkt!
    Die
    Treu ist eine Himmelsgabe,
    Des Menschen Herz veränderlich -
    Dein Blick fragt: welchen Bürgen ich
    Für wandellose
    Treue habe?

    Ich liebe Dich, mein liebstes Leben,
    Heiß, zart und
    treu in Gott allein!
    Ich habe Gott mein Herz gegeben,
    So möge Gott mein Bürge sein!
    Von seiner Liebe heilgen Flammen
    Sei meine Lieb ein Spiegelbild -
    Da neigst Du Dich zum Kusse mild,
    Und Seel und Seele strömt zusammen!
    _____


    Treue

    Wie der Stern am Pol des Himmels,
    Welcher wandellos uns grüßt,
    Erst des ganzes Lichtgewimmels
    Wunderordnung uns erschließt:

    Also kann sich erst bekunden
    Ganz der Liebe Seligkeit,
    Wenn die
    Treue Du befunden
    Wandellos in schwerer Zeit.
    _____


     

  • Eduard Kauffer (1824-1874)

    Beglückt mich nur ein
    treuer Blick von dir -

    Manch schöne Hoffnung hat die Zeit zertrümmert,
    Erfüllt ward selten eine Bitte mir,
    Und doch seh' ich in's Leben unbekümmert,
    Beglückt mich nur ein
    treuer Blick von dir.

    Verzagt die Seele bei des Unglücks Schlägen,
    Und nagt die Sorge, nagt der Harm an ihr,
    Doch werden sich die Schmerzen alle legen,
    Beglückt mich nur ein
    treuer Blick von dir.

    Wenn du verlangst, will ohne Murren scheiden,
    Von Allem ich, was lieb und theuer mir,
    Die Jugendfreunde , selbst die Lieder meiden,
    Beglückt mich nur ein
    treuer Blick von dir.

    Und schwebt heran auf eisigem Gefieder
    Die dunkle Stunde, die mich ruft von hier:
    Ich steige freudig zu den Todten nieder,
    Beglückt mich nur ein
    treuer Blick von dir.
    _____


     

  • Theobald Kerner (1817-1907)

    Zum Abschied

    O weine nicht, o freue dich,
    Bin ich auch fern von dir:
    Ob nah', ob fern - ich denke dein,
    Die Liebe zieht mit mir.

    Sie schickt den Traum mir in der Nacht,
    Ist mir am Tag Geleit;
    Sie flüstert: Bleibe
    treu, o Herz,
    Bleib'
    treu in Freud' und Leid!

    In Freud' und Leid ich bleibe
    treu,
    Ich liebe dich allein -
    Ich finde ja kein lieber Lieb:
    Wie könnt' ich
    untreu sein!
    _____


    Warme Liebe

    Liebe ist an Sommers Statt:
    Wer ein Lieb im Arme hat,
    Der kann keck des Winters spotten -
    Liebe ist an Sommers Statt.

    Wo Zwei stehen
    treu vereint -
    Wenn die Sonne trüb' auch scheint:
    Bald wird's warm auch in der Kälte,
    Wo Zwei stehen
    treu vereint.

    Lieb' entstand im Paradies;
    Daraus hat sie auch gewiß
    Ein Stück Wärme mitgenommen -
    Lieb' entstand im Paradies.

    Treue Liebe ewig brennt -
    Feuersglut geht bald zu End':
    Darum such' für's kalte Leben
    Ein
    treu Herz, das ewig brennt.
    _____


     

  • Hermann Lingg (1820-1905)

    Treuegelöbniß

    So soll es sein,
    Ich lebe dein,
    Dein Stab und deine Stütze,
    Daß jederzeit
    In Sturm und Streit
    Dich meine
    Treu' beschütze.

    In Streit und Schmerz
    Ein
    treues Herz -
    So sollst du stets mich kennen.
    Kein fremdes Glück
    Soll mein Geschick
    Von deinem Loose trennen.

    Gern steig' ich an
    Auf rauher Bahn,
    Weiß ich nur dich im Frieden.
    Bei dir allein
    Ist Sonnenschein
    Und all' mein Glück hienieden.
    _____


     

  • Feodor Löwe (1816-1890)

    Wer noch nie ein
    treues Herz gebrochen,
    Hat die Liebe noch nicht ganz empfunden,
    Kennet nicht das ruhelose Pochen
    Und das Strömen ew'ger Todeswunden.

    Einen Abschied für das ganze Leben -
    Wer ihn nie mit bleichem Mund gesprochen,
    Ist der Qual noch nicht dahin gegeben,
    Daß ein
    treues Herz für ihn gebrochen.

    Der allein kann Herzen nur verstehen,
    Der das seine konnte unterjochen;
    Der mit trock'nen Augen stumm gesehen,
    Wie ein
    treues Herz für ihn gebrochen.
    _____


     

  • Hermann Löns (1866-1914)

    Männertreu

    Es ging einmal ein Wind,
    Ei, ging einmal ein Wind;
    Er ging wohl über Stock und Stein,
    Und fand in blaues Blümelein,
    Das bracht er mir geschwind.

    Und das heißt Ehrenpreis,
    Ei, das heißt Ehrenpreis;
    Es blüht nicht für die Ewigkeit,
    Es blüht bloß eine kurze Zeit,
    Dann ist es welk und weiß.
    Es heißt auch
    Männertreu,

    Ei, heißt auch
    Männertreu;
    Mein Schatz, der mich so viel geküßt,
    Ich weiß nicht, wo er blieben ist,
    Das Lieben ist vorbei.
    _____


    Liebeseid

    Ob ich dich ewig lieben werde,
    Fragst du mich, süße kleine Frau,
    Ob liebend ich kein Weib der Erde
    Nach dieser Stunde mehr anschau?

    Närrisches Weib, den Frühling frage,
    Frag ihn, ob nie er wiederkehrt!
    Und denke, daß nach jedem Tage
    Die Nacht das Sonnenlicht verzehrt.

    Ich kenne meines Herzens
    Treue,
    Das dankbar für die
    Treue ist,
    Doch weiß ich auch, daß eine Neue
    Mein Mund nach deinem
    Treubruch küßt.

    Ich glaube nicht an Weiberliebe,
    An Augen, die vor Reue naß,
    Ich glaub’ an Neid und Säbelhiebe,
    Pistolenkugeln, Lug und Haß.

    Aus deinen Augen laß die Tränen,
    Und laß das Fragen aus dem Spiel,
    Solang sich meine Adern dehnen,
    Bleibt auch mein Herz für dich nicht kühl.

    Ob Haß, ob Liebe wird entstehen
    Für später, ist mir unbewußt –
    Eins schwör ich dir, nie wirst du sehen
    Gleichgültig deiner meine Brust.

    Nun küß mit deinem süßen Munde
    Hinweg mir den Gedankenbann –
    Ich lieb dich, wie in dieser Stunde
    Ich überhaupt nur lieben kann.
    _____


     

  • Eduard Mörike (1804-1875)

    Jägerlied

    Zierlich ist des Vogels Tritt im Schnee,
    Wenn er wandelt auf des Berges Höh:
    Zierlicher schreibt Liebchens liebe Hand,
    Schreibt ein Brieflein mir in ferne Land'.

    In die Lüfte hoch ein Reiher steigt,
    Dahin weder Pfeil noch Kugel fleugt:
    Tausendmal so hoch und so geschwind
    Die Gedanken
    treuer Liebe sind.
    _____


     

  • Erich Mühsam (1878-1934)

    Ich bin dir
    treu. - Treu wie der Tod das Leben
    bewacht, beweint, zu neuem Sein erweckt,
    will ich mit meiner Liebe dich umgeben,
    bis mich die
    Treue selbst zu Boden streckt.

    Ich will dir fern sein. - Wie das Sonnenfeuer
    aus fremden Welten uns erwärmt, erhellt,
    will ich dich leiten; fern und um so
    treuer,
    bis deine Seele selbst sich mir gesellt.

    Ich will nicht werben, nicht um Blicke bitten, -
    ich will dich lieben mit der heiligen Scheu
    der Abendsterne, - und mit leisen Schritten
    will ich dir Rosen streun. - Ich bin dir
    treu.
    _____


     

  • Wolfgang Müller von Königswinter (1816-1873)

    Fahre wohl

    Fahre wohl, du lieblich Kind,
    Lieblich aber lieb nicht mehr!
    All' die
    Treu' ist in den Wind,
    Und mein Herz ist mir so schwer!

    Deiner Rede wunderbar
    Hab' ich allzu rasch getraut,
    Und die Stirne, hell und klar,
    Voll Entzücken angeschaut.

    Ach, dein tiefes Auge glüht
    Noch wie selig Sternenlicht,
    Und die Scham so süß erblüht
    Schwand von deinen Wangen nicht.

    Nur dein Herz, es war dein Herz,
    Wo die Falschheit glüh geloht.
    Lieb', o Lieb' ist allerwärts,
    Mir im Herzen ist sie todt.

    Fahre wohl, du lieblich Kind,
    Lieblich aber lieb nicht mehr!
    All die
    Treu' ist in den Wind,
    Und mein Herz ist mir so schwer!
    _____


    O gestern die Schwüre: du mein, ich dein!
    Ich glaubt' an der
    Treue ewige Macht!
    Ueber Nacht da brach ein Frost herein,
    Vorbei! - O nimm dich vor Liebe in Acht!
    Ueber Nacht, über Nacht,
    Wer hat es gedacht?
    Vorbei! - O nimm dich vor Liebe in Acht!
    _____


     

  • Friedrich Konrad Müller von der Werra (1823-1881)

    Wenn dein Blick auf mir ruht,
    Bin ich stets wohlgemuth,
    Bin ich zur Fröhlichkeit
    Immer bereit!
    Ewig bei dir, bei dir,
    Ist ja mein Wunsch nur hier;
    Wie das Geschick auch sei,
    Bleib' dir stets
    treu!
    _____


    Scheidegruß
    Heidelberg, 1847. Tonsatz von Schnyder von Wartensee

    Leb' wohl mein Liebchen,
    Da ich nun scheiden muß!
    O winke freundlich
    Mir zu noch süßen Gruß!
    Lebe wohl, lebe wohl!
    Noch einen Kuß!

    Leb' wohl, mein Liebchen,
    Dein denk' ich innig gern!
    Sei drum nicht traurig,
    Bin ich von dir auch fern!
    Lebe wohl, lebe wohl!
    Mein
    treuer Stern!

    Leb' wohl, mein Liebchen,
    Quält dich einst süße Pein,
    Denk' ich bin ewig
    Voll
    treuer Liebe dein!
    Lebe wohl, lebe wohl!
    Gedenke mein!

    Leb' wohl, mein Liebchen,
    Du Engelsangesicht!
    Blühst mir im Herzen,
    Bis mir das Auge bricht!
    Lebe wohl, lebe wohl!
    Vergiß mein nicht!
    _____


    Die Eine!
    St. Gallen, 1853. Tonsatz von H. Sczadrowsky

    Der Frühling bracht uns Seligkeit,
    Nun möcht' ich gern die goldne Zeit
    Verkosen!
    Es glühn und sprühn in bunter Art,
    So wonnevoll und mild und zart
    Die Rosen, ja Rosen!

    Hervorgelockt vom Maienlicht
    Erblüht auch das Vergißmeinnicht
    Auf's Neue!
    Es spricht sein wunderlieblich Blau,
    Beperlt von Sehnsuchtsthränenthau,
    Von
    Treue, ja Treue!

    Ich geh' an ihrem Haus vorbei,
    Dort grüßen Blumen mancherlei
    Im Golde!
    Da denk' ich in der stillen Qual,
    Ach! grüßte dort nur noch einmal
    Die Holde, ja Holde!

    Doch sieh, kein Fenster thut sich auf,
    Drum lenk' ich fort im stillen Lauf
    Alleine!
    Doch wo ich wandre fern auch hin,
    So kommt mir nie wohl aus dem Sinn
    Die Eine, ja Eine!
    _____


     

  • Ludwig Pfau (1821-1894)

    Liebesboten

    Wer
    treulich liebt, ist nicht verlassen,
    Sei er auch einsam und allein:
    Es wird ihn alles lind umfassen,
    Es will ihm alles Bote sein.

    Die Thäler blühn, die Wipfel klingen,
    Die Auen grüßen, wo er zieht;
    Und manche trauten Orte singen
    Von Liebe ihm ein heimlich Lied.

    Und wo er wandelt auf den Wegen,
    Lauscht seinem Wunsch das stille Land
    Und bringet Blumen ihm entgegen
    Zu einem süßen Liebespfand.

    Und Vögel tragen seine Lieder
    Auf ihren muntern Schwingen fort;
    Und seine Grüße hallen wieder
    Zum fernen Lieb von Ort zu Ort.

    Und Windes Wehn und Waldes Rauschen,
    Die bringen tausend Küsse mit;
    So kann er Liebeskunde tauschen
    In weiter Welt auf jeden Schritt.

    Und selbst des Himmels goldne Sterne
    Sind seiner Liebe zugethan
    Und ziehen in die dunkle Ferne
    Von Herz zu Herzen lichte Bahn.

    Und alles will ihn lind umfassen,
    Und alles will ihm Bote sein -
    Wer
    treulich liebt, ist nicht verlassen,
    Sei er auch einsam und allein.
    _____


     

  • Robert Prutz (1816-1872)

    Treue Liebe

    Das ist der Liebe schönstes Recht,
    Daß sie verzeihet und vergißt;
    Der liebt nicht
    treu, der liebt nicht echt,
    Der diese Tiefe nicht ermißt.

    Und schmerzt die Wunde noch so sehr,
    Die der Geliebten Hand dir schlug,
    Von der Geliebten kommt sie her,
    Das sei des Trostes dir genug.

    Und wenn sie gar nicht heilen will,
    Wohlan, so stirb; doch stirb so still,
    Daß nie ein Mensch errathen kann,
    Selbst die Geliebte nicht, woran.
    _____


    Wenn Auge sich in Auge spiegelt
    Und sich zu Seele Seele findet,
    Dann wird im Kusse rasch besiegelt,
    Was
    treue Herzen ewig bindet.
    _____


     

  • Karl Reinhard (1769-1840)

    Treue

    Fürchtest du im Ernst, ich bliebe
    Fern von dir nach eigner Wahl?
    O, so kennst du nicht die Liebe,
    Nicht getrennter Liebe Qual!
    Wo du weiltest, ja, ich fände
    Deinen stillen Aufenthalt!
    Unsre Trennung hat wohl bald,
    Aber Liebe nie ein Ende.

    Denk' einmahl des wackern Alten,
    Der sich auf den Wein verstand,
    Der, die Menschheit zu erhalten,
    Das gepries'ne Schiff erfand.
    Müde, mit der Fluth zu ringen,
    Suchend sein verlornes Haus,
    Sendet er den Tauber aus,
    Bothschaft ihm herein zu bringen.

    Aber mit Bedacht und weise
    Hält das Täubchen Noah fest.
    Schickt' er Beide auf die Reise,
    Kehrte Keiner heim zu Nest!
    Sieh doch!
    Treulich kommt auf's neue
    In die Knechtschaft Er zu Ihr.
    Wiss', er ist ein Bild von mir,
    Und - empfing den Lohn der
    Treue!
    _____


     

  • Joachim Ringelnatz (1883-1934)

    Herzenstreue

    »Und seid ihr glücklich?« – hab ich dann gefragt. –
    Mir ist das leise Zittern nicht entgangen.
    Und lachend, wie das »Ja«, das du gesagt,
    Ist eine Stunde uns vorübergangen.

    Doch was mich glühend dir zu Füßen trieb,
    Vor deinem Lachen starb es hin in Reue,
    Nur eine grenzenlose Achtung blieb
    Vor solcher tränenschönen
    Herzenstreue.
    _____


     

  • Emil Rittershaus (1834-1897)

    Treue

    Wenn Liebe dir den Busen schwellt,
    Wenn für ein Weib dein Herz entbrennt,
    So frag' dein Herz in stillen Stunden,
    Ob es der Liebe Pflichten kennt,
    Ob es in stürmevollen Tagen
    Der
    Treue festen Anker hält,
    Daß, wenn die Stürme Wogen schlagen,
    Dein Schifflein nicht in Trümmer fällt.

    Und fühlst du nicht in dir die Kraft
    Zu dulden, o, so eile fort.
    Mach' nicht den alten Spruch zu Schanden:
    "Ein Manneswort, ein heilig' Wort!"
    Der wilde Rausch, die Gluth der Triebe
    Entfliehn beim Nahn von Noth und Pein,
    Und nur allein die wahre Liebe,
    Sie kann in Leiden selig sein!
    _____


     

  • Hermann Rollett (1819-1904)

    O blick' mich an!

    O blick' mich an
    Mit dem Aug' deiner Milde!
    O ruh' auf mir
    Mit dem Blick deiner
    Treue!

    O glüh' in mich
    Mit der Gluth deiner Liebe,
    Und heb' mich empor
    Mit der Flamm' deiner Lust!

    Es tönt ja dafür
    Dir ein Klang meiner Milde!
    Es weht ja dafür
    Dir ein Hauch meiner Liebe!

    Es flammt ja dafür
    Dir ein Lied meiner
    Treue!
    Es hebt dich empor
    Ein Gesang meiner Lust!
    _____


     

  • Friedrich Rückert (1788-1866)

    Ich denk' an dich, und meine Seele ruht
    In dem Gedanken aus an dich,
    Dem Schiffer gleich, der aus bewegter Flut
    Zum stillen Hafen rettet sich.

    Als wie am Tag ein wilder Vogel fliegt,
    Waldaus, waldein, nach seiner Lust,
    Doch bei der Nacht ins weiche Nest sich schmiegt,
    So schmieg' ich mich an deine Brust.

    Ich ruh' in dir, in deiner Liebe ruht
    Der Drang der Seele wild und scheu;
    Unsicher ist des Lebensmeeres Flut,
    Und du allein bist ewig
    treu.
    _____


     

  • Hugo Salus (1866-1929)

    Ewige
    Treue

    Sie starb als Braut, die schmerzerstarrte Hand
    Des Liebsten einmal noch zum Munde führend,
    Daß ihre Seele auf der Lippen Rand
    Die Finger streifte, leise sie berührend.

    Und da sie zu des Paradieses Thor
    Geflogen kam, die Bäume rauschten leise,
    Die heilige Maria trat hervor:
    Tritt ein, mein Kind, hier endet deine Reise.

    Sie aber schüttelte das bleiche Haupt
    Und bat: Vor diesem heilig schönen Garten,
    Du Mutter Gottes, sei es mir erlaubt,
    Den Liebsten mein in
    Treuen zu erwarten.

    Ich will hier unter diesem Baume stehn
    Und, wenn er kommt, ihn an den Händen fassen,
    Mit ihm ins selige Leben einzugehn:
    Er wird mich nicht zu lange warten lassen. 

    _____


     

  • Ferdinand Sauter (1804-1854)

    Marie

    Dich lieb' ich, dich, Marie,
    Mit meiner Jugend Feuerglut,
    Denn einem Mädchen nie
    Noch war mein Herz so innig gut
    Als dir, Marie!

    Im Wald bist du, Marie,
    Mein erstes Wort, mein letztes Wort.
    Bei Tageshitz' und Müh'
    Mein Labequell, mein Ruheport
    Bist du, Marie!

    Dir bleib ich
    treu, Marie,
    In weiter Fern', im bittern Tod,
    Vergeß' dich Liebchen nie!
    Mein Scheidewort sei: Du, o Gott!
    Und du, Marie!
    _____


     

  • Max Schaffrath (1813-1877)

    O wahre heilig mir die
    Treue!

    Gar wunderselig ist mein Sinn,
    Ich leb' ein hochbegnadet Leben.
    Ach, Allem, was ich hab' und bin,
    Hast du den rechten Werth gegeben!
    Mein Glück kennt Eine Schranke nur,
    Und mein Gebet, das täglich neue,
    Zu dir ist's Ein Gedanke nur:
    O wahre heilig mir die
    Treue!

    Vergessen sei für alle Zeit,
    Was Alles ich um dich gelitten,
    Verklärt in Siegestrunkenheit
    Der herbe Kampf, den ich gestritten!
    Die schwersten Opfer bring' ich gern,
    Keins ist so groß, daß mich's gereue;
    Doch Einen Dank empfing' ich gern:
    O wahre heilig mir die
    Treue!

    Die ächte, rechte Liebe läßt
    Ja nimmer ab und kennt kein Schwanken;
    In meinem Herzen ruhst du fest,
    Gefühl beherrschend und Gedanken.
    Ob's Schlimmstes auch verhängen mag,
    Mit jeder Noth das Schicksal dräue,
    Nichts kömmt, was dich verdrängen mag -
    O wahre heilig mir die
    Treue!

    Bleibst du nur
    treu, ist Alles gut!
    Und halt' ich innig dich umfangen,
    In Himmelswonnen schwebt mein Muth,
    Es bleibt kein Wünschen, kein Verlangen!
    Nicht, wenn mein Leben bräche dann,
    Geläng's dem Tod, daß ich ihn scheue;
    Mein letzter Blick, er spräche dann:
    O wahre heilig mir die
    Treue!
    _____


    O wer nur Ein
    getreues Herz
    Sein nennen darf, ist wohl geborgen!
    So senk' in meine Brust die Sorgen -
    Dein bin ich stets und allerwärts!
    _____


     

  • Virginia Scheuermann (1878 - nach 1936)

    Weibesliebe

    Ich gab dir so viel, du mein strahlender Held!
    Ich war dir ein Spiel –
    Du warst meine Welt!
    Ich brachte, Gewalt'ger, auf deinem Altar
    Dir all meinen Reichtum
    Verschwenderisch dar.
    Ich schmückte das Haupt dir mit blühenden Rosen -
    Duftenden, – weissen, –
    Makellosen;
    Ich pflückte frohlockend mit bebenden Händen
    Dir purpurne Früchte, –
    Cyprische Spenden;
    Und opferte gläubig immer aufs neue
    Köstliches Manna
    Goldener
    Treue. -
    So gab ich dahin in brünst'ger Begier
    Mein Gut und mein Blut
    Nur dir! Nur dir!
    So kniet' ich dann vor dir in Armut und Not
    Und bettelt' und bat:
    "Einen Bissen Brot" . . .
    Da hast du mich von dir gewiesen
    Hinaus in das Dunkel
    Gleich einem Dieb!
    Und ich – ich lieg auf den Fliesen
    Und flüstre:
    "wie hab ich dich lieb!"
    _____


     

  • Georg Scheurlin (1802-1872)

    Seliger Tod

    In deinen Augen möcht' ich sterben,
    Im Herzen dir begraben sein;
    Dir gäb' ich Leib und Seel' zu erben,
    Und nur die
    Treue bliebe mein,
    Und nur das tief gehegte Wissen,
    Nichts mehr zu haben für und für,
    Und mein - das selige Vermissen
    Der Ruhe, die versenkt in dir,
    Und mein zuletzt der Blume Schmerzen,
    Die still um dein Verlangen wirbt,
    Und - wenn gebrochen - dir am Herzen
    Den süßen Tod der
    Treue stirbt.
    _____


    Der
    Treue Sieg

    Dich hab' ich längst in Lieb' getragen,
    Mir still im Herzen lebtest du;
    Dir weiht' ich nächtlich meine Klagen
    Und dir am Tage Glück und Ruh.
    Ich ging, mit deinem Stolz zu kriegen,
    Doch ward mir keiner Hoffnung Schein: -
    Ich wollt' im Sturme dich besiegen,
    Und nur die
    Treue siegt allein.

    Da griff ich in die volle Laute,
    Mein tiefstes Fühlen klang im Ton;
    Du lauschtest mild, dein Auge thaute,
    Und dich mein eigen träumt' ich schon;
    Du sahst mich dir zu Füßen liegen,
    Doch meinem Flehen sprachst du "nein!" -
    Ich wollte dich im Lied besiegen,
    Und nur die
    Treue siegt allein.

    Als nun der Blick zerfloß in Trauern,
    Der immer fromm zu dir geschaut,
    Da mußte dich die
    Treue dauern,
    Die dir so wandellos vertraut;
    Du sankst an meine Brust verschwiegen
    Und hauchtest leis das erste "Dein!" -
    "Du wolltest stolzen Muthes siegen,
    Doch nur die
    Treue siegt allein!"
    _____


     

  • René Schickele (1883-1940)

    In deiner
    Treue will ich tief begraben sein.
    Ich weiß, dies Haar, das mich bedeckt, ist mein,
    und weiß, daß diese Hände mich behüten.
    Mit starken Engeln steht dein Herz im Bund.
    Alle Stunden, ob sie dunkel, ob sie fröhlich blühten,
    hingen als ein Lächeln sich an deinen Mund.
    _____


     

  • Ilse von Stach (1879-1941)

    Ich aber will in jene Tiefe steigen,
    in jenen Wesensgrund, darin die
    Treue wohnt.
    Die
    Lebenstreue, die auf heil'ger Insel thront,
    umbraust, umbrandet, angespie'n von einem Reigen

    widriger Geister, die ja niemals schweigen,
    wenn irgendwo ein Genius bettelt: Schont
    in mir den Auftrieb, - wenn ihr auch nicht lohnt ...
    nur deine
    Treue schonte, lohnte Sinken oder Steigen.

    Als Dichterin und Mutter hab ich sie gewogen.
    Welch ein Gewicht war dies. Und als Geliebte.
    Hast du aus diesem ewgen Quell die Kraft gesogen,

    daß täglich sie aufs Neue Wurf und Anwurf siebte,
    bis sie Versuchung wiederum in
    Treue umgebogen ...?
    O Liebster. Daß ich je genug dich liebte!
    _____


     

  • Viktor von Strauß und Torney (1809-1899)

    Treu' um Lieb' und Lieb' um Treue,
    Sage, giebt's ein schön'res Band?
    Ohne Furcht und ohne Reue
    Schlang die Hand sich in die Hand.
    Uns ist nicht die Zeit verschwunden,
    Da ich sprach das erste Wort.
    Erster Liebe goldne Stunden
    Spinnen sich unendlich fort.
    _____


     

  • Julius Sturm (1816-1896)

    Im Garten

    Tritt mein Liebchen in den Garten,
    Werden alle Blumen laut;
    Grüßend neigen sich die Rosen:
    "Sei willkommen, Schwester-Braut!"

    Und Maaßliebchen streckt das Köpfchen
    Aus dem frischbethauten Gras:
    "Seine Liebe wollt' ich messen, -
    Treue Liebe hat kein Maaß."

    Und die Myrthe heimlich flüsternd
    Spricht: "Ich wachse Tag für Tag,
    Daß man bald aus meinen Zweigen
    Dir ein Kränzlein flechten mag."

    Und es mahnt die Epheuranke:
    "Flüchtig ist der Rose Blühn,
    Schnell verwelkt das Laub der Myrthe,
    Treue Lieb' ist immer grün."
    _____


     

  • Ludwig Tieck (1773-1853)

    Treue

    Treue Liebe dauert lange,
    Ueberlebet manche Stund,
    Und kein Zweifel macht sie bange,
    Immer bleibt ihr Muth gesund.

    Dräuen gleich in dichten Schaaren,
    Fordern gleich zum Wankelmuth
    Sturm und Tod, setzt den Gefahren
    Lieb' entgegen
    treues Blut.

    Und wie Nebel stürzt zurücke
    Was den Sinn gefangen hält,
    Und dem heitern Frühlingsblicke
    Oeffnet sich die weite Welt.
    Errungen
    Bezwungen
    Von Lieb' ist das Glück,
    Verschwunden
    Die Stunden
    Sie fliehen zurück;
    Und seelige Lust
    Sie stillet
    Erfüllet
    Die trunkene wonneklopfende Brust,
    Sie scheide
    Von Leide
    Auf immer,
    Und nimmer
    Entschwinde die liebliche, seelige, himmlische Lust!
    _____


     

  • Wilhelm Wackernagel (1806-1869)

    Griechisch nicht und nicht Latein
    Braucht es um zu Gott zu beten:
    In sein eignes Herz hinein
    Heimlich still kann jeder treten.

    Und so frag' ich nicht ob du
    Bist gelehrt auf vieles Wissen:
    Liebste, sei nur immerzu
    Treu zu lieben mich beflissen.

    Treu zu lieben, und es ist
    Ein Gebet dein ganzes Leben,
    Und dem Gott der Liebe bist
    Du als Priesterinn ergeben;

    Und ins Buch des Lebens ein
    Hat dich seine Hand geschrieben.
    Griechisch nicht und nicht Latein
    Braucht es um
    getreu zu lieben.
    _____


     

  • Eliza Wille (1809-1893)

    Die
    Treue ist so tief, so weit,
    Wie droben des Himmels Herrlichkeit,
    Die
    Treue ist so tief, so rein
    Wie d'runten der Tiefe Edelstein,
    Die
    Treue ist so stark wie der Tod,
    So tröstend wie das Morgenroth,
    Das endlich nach langer und trüber Nacht
    Dem trauernden, einsamen Wand'rer erwacht.
    Die
    Treue ist ein Felsen im Meer,
    Ein Quell der Labung in Wüsten leer.
    Die
    Treue wird erst d'roben erkannt,
    Sie geht, ein Engel, unverwandt
    In guten und in bösen Zeiten
    Dem auserwählten Glück zu Seiten.
    Die
    Treue hat den Sieg erreicht,
    Wenn die Hoffnung wankt und die Freude erbleicht.
    Gieb mir die Hand, ich bin dir
    treu,
    Was thut es ob dunkel, ob Licht es sey? -
    _____


     

  • Heinrich Zirndorf (1829-1893)

    Wenn mein Leben
    Einst verlischt,
    Noch im toten
    Angesicht,
    Wirst du eine
    Kunde lesen,
    Wie ich ewig
    Treu gewesen;
    Noch im toten
    Blick geschrieben
    Steht mein ewig
    Feurig Lieben.
    _____


     

  • Kathinka Zitz-Halein (1801-1877)

    Das Märchen von der
    Treue

    Einst hat er mir liebliche Mährchen erzählt,
    Von Liebe, von ewiger
    Treue;
    Er sagte: Dich hab' ich mir einzig erwählt,
    Du bist's, der mein Leben ich weihe.

    Die Mährchen, die klangen so zauberhaft schön,
    Sie führten in himmlische Gärten,
    Drin hat ich bei Rosen, bei Nachtigalltön',
    Den Liebsten zum Lebensgefährten.

    Bald aber verblühten die Rosen am Strauch,
    Welk wurden die grünenden Blätter;
    Der Nachtigall Lieder verstummten dann auch,
    Am Horizont thürmten sich Wetter.

    Da stand ich auf spitzigem Felsengeröll,
    Gar einsam war's um mich und schaurig.
    Laut rief ich: "Wo bist du, mein trauter Gesell?
    Komm' hol' mich, es ist hier so traurig.

    Komm' führ' mich zurück in das Mährchengefild
    Voll lachender Gärten und Auen,
    Dort wehen die Lüfte so lieblich und mild,
    O laß uns ein Hüttchen dort bauen."

    Er aber rief höhnisch von Ferne mir her:
    ""Wie konntest du Thörichtes glauben?
    Die Wirklichkeit hat für kein Mährchen Gewähr,
    Sie mußte des Wahns dich berauben.

    Was glaubtest du, was doch ein Mährchen nur war,
    Das Mährchen von ewiger
    Treue?
    Erzählt hab' ich's Mancher in jeglichem Jahr,
    Erzählen noch werd' ich's auf's Neue."" -

    Er ging und erzählte sein Mährchen zur Stell',
    Er ging und erzählt's aller Orten -
    Nun aber ist jener
    treulose Gesell
    Längst selber zum Mährchen geworden.
    _____


    Die Liebenden bei Mainz

    Meint ihr, es sei ein Mährchen?
    Nein, ich erzähl' euch keins,
    Es gibt noch
    treue Liebe,
    Ihr findet sie bei Mainz.

    Sie ist noch nicht gestorben,
    Mag sie gleich selten sein,
    Sie lebt auf einer Insel
    Die mitten liegt im Rhein.

    Dort lebt ein zärtlich Pärchen,
    Sich freuend des Vereins,
    Und ihre beiden Herzen
    Sind längst schon nur noch eins.

    Sie leben harmlos, glücklich,
    Von Lasten nie beschwert,
    Und vom Geräusch des Lebens
    Sehr selten nur gestört.

    Wie Paul und wie Virginie,
    Wie Daphnis und Chloe,
    Ist dieses Paar ganz Unschuld
    Weiß nichts vom Lebensweh.

    Ein Nichts macht ihren Freude,
    Der Unmuth quält sie nie;
    Den Lauf des Flusses sehen,
    Ist wahre Lust für sie.

    Man sieht gemeßnen Schrittes
    Sie oft am Ufer geh'n,
    Laut redend eine Sprache,
    Die sie allein versteh'n.

    Sie stürzen miteinander
    Sich in die Fluten kühn,
    Und er schwimmt wie Leander,
    Zu seiner Hero hin.

    Dies Pärchen, das bewandelt
    Den Teppich der Natur,
    Die einsgewordenen Herzen,
    Es sind .... zwei Enten nur.

    Es ist gewiß kein Mährchen,
    Nein ich erzähl' euch keins,
    Es gibt noch
    treue Liebe,
    Ihr findet sie bei Mainz.
    _____


     

 

 

 

zurück zum Verzeichnis

zurück zur Startseite