Das Liebes-Poetische Manuskript N° 1

Liebesgedichte von der Schönheit der Geliebten


 




Wen köstlich liebt ein schönes Weib

Wen köstlich liebt ein schönes Weib,
Dem hängt sie ihre Schönheit an,
Die Lust wird wonnig um den Mann,
Aufrecht und stolz auch blüht sein Leib.

Denn über seine Schultern hin
Schaut stets unsichtbar ihr Gesicht,
Mit wem der so Geliebte spricht,
Dem wird gar festlich auch zu Sinn.

Es strahlt, wer eine Schöne liebt,
Verschönt den Freunden und der Welt,
Weil Lieb' mit nichts zurück mehr hält,
Auch 's Schönsein dem Geliebten gibt.

Max Dauthendey (1867-1918)

 


 

Bild: Giovanni Bellini (1426-1516)
Madonna mit Kind (Detail)

Gedicht aus: Max Dauthendey: Gesammelte Werke.
In sechs Bänden. Vierter Band: Lyrik und kleinere Versdichtungen.
Albert Langen München 1925

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