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Mit verlangendem Lustbangen, auf Govinda gewandt den Blick,
Hold mit hellem Geschmeid läutend, ging sie ein in das Haingemach.
Govinda der eigentliche
Hirtenname des Gottes: der Kuhfinder
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Ihn, der, von Radha's Antlitz bestrahlet, entfaltete vielfache Regung,
Wie bei des Monds Aufgange des wallenden Weltmeers Wellenbewegung,
Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.
Radha: die Geliebte Krishnas
Hari: der Frühlingsname des Gottes
Ananga: der Name des Liebesgottes (der Leiblose) |
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Dem ein gesterntes Geschmeide sich schmiegt, um den Busen in weiter
Umfließung,
Gleich der mit glänzenden Schäumen sich kränzenden Yamuna-Flutenergießung,
Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.
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Dem um den bräunlichen lieblichen Leib sich gebreitet die gelbliche Hülle,
Wie um die blaue Nymphäe des stäubenden Duftes vergoldende Fülle,
Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.
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Dem auf dem liebegeröteten Antlitz die flatternden Wimpern sich wiegen,
Wie Bachstelzen im herbstlichen Weiher um blühende Lotosse fliegen,
Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.
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Welchem die Wangennymphäe zu küssen, die Ohrringsonnen sich drehen,
Welchem mit lächelndem Glanz aufblühen die Lippen, um Liebe zu flehen,
Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.
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Dessen beblumete Locken der Wolke, der
mondlich beschimmerten, gleichen,
Dem wie ein Mond aus der Nacht sich erhebt an der Stirne von Sandel das
Zeichen,
Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.
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Mächtig vom Schauer der Wonne geschüttert, vom Pulse der Liebe
durchzittert,
Rings von dem Strahlengewebe juwelenen Schmuckes die Glieder umflittert,
Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.
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Aus dem Auge, das den Winkel überschreitend, nach des Ohrs
Grenzgebiet hinstrebend, niedersinken ließ den schwanken Stern,
Stürzte jetzt der Radha, da ihr des Geliebten Anblick ward,
Plötzlich wie ein Schweißerguß hervor ein Freudentränenstrom.
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Nach der Dienerinnen Weggang, als, von minder Scheu bedrängt,
Von Gefühlsiegs Ausdruck schwellend, lächeltaubenetzten Munds,
Radha, die Verlangenvolle, dastand und am laub'gen Bett
Ihre Augen niederschlug, sprach zur Geliebten Hari so:
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Liebende! setz' auf das Lager von Laube den Fuß, der den Lotos besieget,
Mach' es zum glänzenden Zeugen, wie leicht ihm sein blühender Gegner
erlieget!
Im Augenblick dem Narayana, dem genaheten, nah', o Radhika!
Narayana: sein göttlicher
Name, der auf dem Wasser Schwebende |
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Soll in die Hand ich nicht fassen den Fuß dir?
so weit her bist du
gegangen;
Laß auf dem Bett wie mich selber nur ruhen die mutig begleitenden Spangen!
Im Augenblick dem Narayana, dem genaheten, nah', o Radhika! |
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Träufle vom Nektarbehälter des Mundes ambrosische Worte zur Feier!
Sieh, wie die Trennung entheb' ich dem Busen den brüstebedrängenden
Schleier.
Im Augenblick dem Narayana, dem genaheten, nah', o Radhika!
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Den nach des Freundes Umfangen verlangenden, bangenden, einzig erkornen
Busen laß wallen am Busen mir, stille die Glut des Gemütegebornen!
Im Augenblick dem Narayana, dem genaheten, nah', o Radhika!
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Reizende! reiche den Nektar der Lippe, belebe den Sklaven, den toten,
Den in dir lebenden, welchem die Gluten der Trennung zu atmen verboten.
Im Augenblick dem Narayana, dem genaheten, nah', o Radhika!
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Klingle mit Gürteljuwelen ins Klingen der Kehle, du Mond von Gesichte!
Meine zu lange von Kokila's Gellen ermüdeten Ohren beschwichte!
Im Augenblick dem Narayana, dem genaheten, nah', o Radhika!
Kokila: indische Nachtigall |
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Jetzo den Freund, den von deinem so nutzlosen Grolle
Gequälten, zu sehen,
Blinzet dein Auge vor Scham; o laß es, und löse der Liebe die Wehen!
Im Augenblick dem Narayana, dem genaheten, nah', o Radhika!
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Wo dem engeren Umfahn vom Schauern,
Und dem Minneblickspiel von des Augs
Blinzelung, dem Lippennektartrinken
Von dem scherzenden Liebkosungswort,
Selbst dem Liebeskampfe vom Entzücken
Immer eine Schranke ward gesetzt:
Unter solchen Hemmungen ergehend,
Ward ihr Lustaustausch genußreich erst.
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Von Nageldruck blaßrote Brust, von Schlummerlosigkeit getrübte Augen,
Der Lippen Purpur weggehaucht, des Hauptes Wald wirr mit zerstörten
Kränzen,
Der Gürtel klaffend, schlapp das Kleid: ein solches Morgenbild war sie den
Augen;
O Wunder, wie des Gatten Herz von diesen Kama-Pfeilen ward durchbohret!
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Zum liebebegnügten nach Wonnegenuß,
Sie mit gelösten Gliedern,
Radha mit ehrerbietiger Scheu
Sprach also zu Govinda:
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Yadu-Beglücker! Mit sandelerkühlender Hand an die strahlende Busenschal',
An die mit Madana's Opfergefäße sich messende, male das Muskusmal!
Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
Dem spielenden Herzenserkorenen.
Yadu-Beglücker,
Yadu-Geborener: aus dem Geschlechte Yadu,
das in der alten Geschichte Indiens besonders bei den Einwanderungen
im Dekan (d. i. im Süden) aus dem Norden eine wichtige Rolle spielt. |
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Laß hier, o Liebster, am Liebesgeschosse versendenden blendenden Augenpaar
Nun die vom Kusse der Lippen zerstobenen blinkenden Schminken enttauchen
klar!
Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
Dem spielenden Herzenserkorenen.
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Holder Gesell! An die Augengazellenbewegung-umhegenden Ohren bring'
Hier den geschickt sich wie Madana's Fangstrick dehnenden sehnenden
Ohrenring;
Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
Dem spielenden Herzenserkorenen.
Madana: Name des
Liebesgottes (der Berauscher oder Erfreuer) |
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Fang ins Geflechte die flatternden, lange wie Bienen in schwärmenden
Flocken mein
Lilienlicht des Gesichtes umhängenden, fange die lockeren Locken ein!
Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
Dem spielenden Herzenserkorenen.
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Male mir, Muntrer, am Monde der Stirne
das Zeichen aus Muskus gemischt mit
Fleiß,
Daß an dem Monde die Flecken nicht fehlen,
nachdem du ihn ab hast gewischt
den Schweiß.
Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
Dem spielenden Herzenserkorenen.
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Flicht nur, und sträube dich nicht, hier ins wallende Banner
Ananga's die
Blumenschleif',
Hier in das wirre Geflirre des Schopfes,
der spielt wie ein spiegelnder
Pfauenschweif.
Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
Dem spielenden Herzenserkorenen.
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Den Schmuck der Brüste rüste zu, laß Farb' auf Wangen prangen!
Lind um die Lende leg den Gurt, den Kranz am Haarnetz kräusle!
Schling um die Hand die Spangenschlang', am Fuße fest die Fessel! –
So angewiesen, jedes tat gewandt der Gelbgewand'ge.
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Die Handlung des
Gitagovinda:
Eine Freundin kommt zu
Radha und berichtet dieser von dem Treiben Krishna's: während Radha in
Liebeskummer versunken im Walde allein umherwandert, um den Gebieter
ihres Herzens zu suchen, ergötzt sich der Geliebte mit den
Hirtenmädchen.
Von Sehnsucht und Eifersucht gequält, klagt Radha der Freundin ihr Leid;
sie erzählt ihr, welchen Schmerz es ihr bereite, zu sehen, wie sich
Krishna mit anderen Mädchen vergnüge, erinnert sich der schönen Stunden,
die sie selbst mit Krishna durchlebt hatte, und bittet die Freundin, den
Geliebten zu ihr zu bringen.
Krishna erinnert sich an Radha, verläßt die Hirtinnen und macht sich
auf, die Geliebte zu suchen.
Radhas Freundin hat Krishna aufgesucht; sie schildert ihm die Qualen,
welche Radha die Trennung von ihm verursacht.
Von Krishna aufgefordert, kehrt die Freundin zu Radha zurück und
beschreibt ihr den Schmerz und die Reue Krishna's, um sie dadurch zu
veranlassen, zu ihm zu gehen und das Glück der Liebe zu genießen.
Radha ist zu angegriffen, um selbst zu Krishna gehen zu können; die
Freundin begibt sich daher wieder zu Krishna und macht diesem hiervon
Mitteilung.
Radha wartet vergeblich auf Krishna; sie hat zuerst die Freundin im
Verdacht, daß sie sie mit dem Geliebten hintergehe, dann, als diese
erscheint, fürchtet sie, Krishna sei ihr mit einer anderen Hirtin untreu
geworden, und malt sich das Glück aus, das jene jetzt genießt.
Krishna, der am Morgen endlich zu Radha gegangen ist, wird von ihr mit
heftigen Vorwürfen empfangen.
Krishna vermochte Radhas Zorn nicht zu besiegen; er geht deshalb von
dannen und überläßt es der Freundin, Radha durch Zureden von ihrer
Sprödigkeit abzubringen und versöhnlicher zu stimmen.
Im Laufe des Tages hat sich Radhas Groll gelegt; Krishna geht daher zu
ihr, mit glühender Leidenschaftlichkeit wirbt er um sie und versichert
sie seiner ewigen Liebe.
Radha und Krishna haben sich versöhnt; während Krishna sich nach seiner
Liebeslaube begeben hat, um dort alles für die Nacht vorzubereiten,
ermahnt die Freundin Radha, dem Gotte ihre Huld zu gewähren.
Das Liebespaar ist allein. Krishna fleht Radha an, ihn zu erhören.
Schilderung des Liebesgenusses. Zum Schluß bittet Radha den Gott, ihr
bei der Wiederherstellung ihres im Verlauf der Lustvereinigung in
Unordnung geratenen Putzes behilflich zu sein.
Die Texte dieser
Seite sind der letzte Teil
des Gitagovinda und erzählen über das Liebesglück und die
Liebesvereinigung von Krishna und Radha.
Biographisches:
Jayadeva, ind. Dichter des 12. Jh. n. Chr.; Sohn des Bhojadeva aus
Kindubilva (Kenduli/Bengalen); Hofdichter des bengal. Königs
Laksmanasena. Vf. des 'Gitagovinda (kavya)', e. ep. Gedicht in 12
Gesängen (sarga), das die Liebe zwischen Krsna (Govinda) u. Radha, ihre
Entfremdung durch Radhas Eifersucht, ihre Versöhnung u. endlicher
Wiedervereinigung u. damit zugleich sinnbildl. das Verhältnis von
Allseele u. Einzelseele myst. darstellt. Den Hauptteil des 'Gitagovinda'
bilden - zumeist 8zeilige - Strophen in kunstvollen Rhythmen mit in der
Sanskrit-Dichtung sonst seltenen End- und Binnensreimen u. e. Refrain;
die eigentl. Handlung wird in wenigen Rezitativ-Versen erzählt. Während
die Strophen gesungen u. getanzt wurden - Melodie (raga) u. Rhythmus (tala)
sind jeweils angegegen -, wurden die Rezitativ-Verse vorgetragen. J.
gehört zu den bedeutendsten Dichtern Indiens; s. 'Gitagovinda', das
trotz s. kunstvollen Sanskrit doch auch viele Züge der Volksdichtung
trägt, ist e. der beliebtesten ind. Dichtungen überhaupt, die nicht nur
viele Nachahmer gefunden, sondern vor allem auch die ind.
Miniaturmalerei ganz wesentlich befruchtet hat.
Aus: Autorenlexikon: Jayadeva, Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert:
Lexikon der Weltliteratur.
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