Das Liebes-Poetische Manuskript N° 5

Liebeshymnen von der Schönheit der Geliebten


 

 


DIE HERRLICHE

Du bist wie eine Zauberin! Die Schritte,
Die deine schlanken Lenden tun, verwirren;
Der Maulbeerbaum umkost dich, dem du nahst.

Pflückst du dir Blumen, fliegen sie beseligt
In deine Hände. Fällt dein Ärmel rückwärts,
So seh ich einen Arm, der himmlisch ist.

Zwei goldne Reifen gehn um deine Knöchel,
In deinem Gürtel prangen blaue Steine,
Ein kleiner goldner Vogel schmückt dein Haar.

Um deinen Hals, der glatter ist als Jade,
Flirrt eine Kette großer, echter Perlen,
Die eine Spange von Korallen schließt.

Wenn sich der Wind in deinen Kleidern fängt,
So bauschen deine Kleider sich wie Wolken,
Darin die Götter durch den Himmel ziehn.

Siehst du mich an, so glüh ich wie die Hölle;
Streift mich ein Hauch von deinen roten Lippen,
So atme ich den Duft der Blume Lan*.

Begegnet dir ein Reiter vor den Toren,
So hemmt er seines Rosses wilde Hufe,
Ihm ist, als ob ein holdes Traumbild naht.

Sieht dich ein Hungriger am Straßenrande,
So blickt er auf und läßt die Mahlzeit ruhen
Und staunt dich an und weiß nicht, daß ihn hungert ...


* Blume Lan ist eine Orchideenart


Gedicht eines Fahrenden (3. Jh.)
Nachdichtung: Hans Bethge

 


Mit freundlicher Genehmigung
des
YinYang Media Verlages, Kelkheim

 


Gedicht aus: Hans Bethge Die chinesische Flöte
Nachdichtungen chinesischer Lyrik
Neuausgabe 2001 http://www.yinyang-verlag.de
 

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