Minnesang

Nachdichtungen deutscher Minnesänger
 

 

 


Der Herzog von Anhalt
(1212 – 1251)

 

Freude und Ehre

Ich will den Winter grüßen mit Gesange,
Da nun verstummt sind alle Vögelein.
So weh ward mir noch nie in seinem Zwange,
Daß ich die Minnefreuden ließe sein.
Das dank ich der viellieben Frau allein,
Dem roten Mund und ihrer lichten Wange.
Ihr gutes Herz, des Auges Minneschein
Die schmückten wohl ein Land all um den Rhein!

Ja, mir ist wohl und freudiglich zu Mute,
Daß mir die argen Schalke tragen Haß.
Sie schaden sich, doch minne ich die Gute,
Da Gottes Rat mein sicherster Verlaß.
Er gab mir ja – nun merket alle, was: –
Ein Weib, das so zu halten mich geruhte,
Daß mich das Leben freut, obs kalt, ob naß:
Drum schiert am Schalksvolk mich nicht dies noch das!

Dem Walde möchten sie sein Laub verbieten,
Der Heide auch ihr Blühen, könnten sies!
Sie möchten raten – ach wie gern sies rieten! –
Daß guten Freund man überall verließ
Und daß die Leute trügen Wolfesvlies.
Ich aber wähle – halten sies für Nieten! –
Freude und Ehre, die von je ich pries.
Die Liebliche hat mir bekräftigt dies.

Nachgedichtet von Richard Zoozmann (1863-1934)

Aus: Der Herrin ein Grüßen
Deutsche Minnelieder
aus dem zwölften bis vierzehnten Jahrhundert,
ausgewählt und nachgedichtet
von Richard Zoozmann
Leipzig 1915 (S. 67)

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Lied der Freude im Winter

Ich will den Winter grüßen mit Gesange
Sie sind verstummt, die kleinen Vögelein:
Mir ist vor seiner Herrschaft nicht so bange,
Daß ich um ihn die Minne ließe sein.
Das dank ich doch der lieben Fraue mein:
Ihr rother Mund, ihre rosige Wange,
Ihre Güte und ihr sonniger Schein
Zieren gar lieblich ein Land am Rhein.

Heil mir, heil mir! Mir ist so wohl zu Muthe!
Was kümmr' ich mich um arger Schalke Haß?
Zum Trotze Allen minn' ich doch die Gute,
Da Gott ja selber mein noch nie vergaß.
Denn seine Gnade schuf mir, wißt ihr was?
Ein Weib mit liebevollem Muthe:
Sie schenkte mir Freuden wohl ohne Maß:
Drum sind mir die neidischen Schalke ein Spaß!

Sie möchten gern dem Wald sein Laub verbieten
Und seine Blümelein dem Wiesenplan:
Auch weiß ich wohl, wie gern sie einem riethen,
Daß man die gute Freude thät' in Bann
Und fieng' ein Leben wie die Wölfe an.
Doch ich will mich vor Schwermuth hüten:
Es freue sich, wer sich freuen kann!
So lehrte die Liebe mich glücklichen Mann.

Nachgedichtet von
Wilhelm Müller (1794-1827)

Aus: Blumenlese aus den Minnesingern
Herausgegeben von Wilhelm Müller
Erste Sammlung Berlin 1816
In der Maurerschen Buchhandlung (S. 37)

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