Minnesang

Nachdichtungen deutscher Minnesänger
 

 

 


Heinrich von Stretelingen
(um 1260)



Ein Wunder

Nachtigall, lieb Vögelein,
Singen sollst du meiner Frau so recht hinein in's Ohr;
Denn sie nahm das Herz mir ein,
Daß ich allen frischen Muth und alle Lust verlor.
Ist das kein Wunder,
So weiß ich nicht, was Wunder nimmt;
Wie ein Gesunder
Bin jetzunder
Oft ich frohgestimmt.
Deilidurei
Faledirannurei
Lidundei
Faladaritturei.

Frau, die Blumen und der Klee
Und die Haide, die sich schmückt so wonniglich mit Grün,
Die verlangen je und je,
Daß die Vögel mit Gesang wetteifernd sich bemüh'n.
Mein Gram, der schwere,
Entschwindet bei dem Lustgetön.
Ich sing' und ehre
Stets die Hehre,
Die so hold und schön.
Deilidurei
Faledirannurei
Lidundei
Faladaritturei.

Süße Minne, hilf mir bald,
Daß die Hochbeglückt' erfährt von meiner großen Noth;
Weil nur du mein Trost und Halt,
So bewirke, daß ihr Mund, so süß und licht und roth,
An seinem Theile
Bald wisse, wie vergrämt ich bin;
Schieß deine Pfeile
Doch in Eile
Weißt ja selbst wohin.
Deilidurei
Faledirannurei
Lidundei
Faladaritturei.

Nachgedichtet von
Wilhelm Storck (1829-1905)

Aus: Buch der Lieder aus der Minnezeit
von Wilhelm Storck
Münster Adolph Russell's Verlag 1872 (S. 188-189)

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