Minnesang

Nachdichtungen deutscher Minnesänger
 

 

 


Meister Johannes Hadlaub
(um 1293)

 

Der Minnebothe

Wie fern' ich auch von der Schönen bin,
Ich hab' einen Bothen, der schnelle geht.
Er fährt zu ihr in einer Stund':
Ihn send' ich alle Morgen hin
Und auch wohl manchen Abend spät.
Er ist der Lieben selbst nicht kund,
Denn er kömmt aus meines Herzens Grund:
Es ist mein Sinn,
Der fährt zu ihr,
Wie fern ich bin.
O sel'ges Weib,
Wenn doch mein Leib
Des Bothen Flügel hätte!

Nachgedichtet von
Wilhelm Müller (1794-1827)

Aus: Blumenlese aus den Minnesingern
Herausgegeben von Wilhelm Müller
Erste Sammlung Berlin 1816
In der Maurerschen Buchhandlung (S. 130-131)

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