Aus der Geschichte

der Osmanischen Dichtkunst

von  Joseph von Hammer-Purgstall (1836)



Thalib
gest. i. J. 1090 (1679)


Asche bin ich längst geworden
Auf der Liebe Rennbahn;
Rosenduft bin ich geworden
Auf der Liebe Rennbahn;

Rose war ich, ward verwandelt,
Füllte mich mit Licht an.
Weißt nicht, was ich bin geworden
Auf der Liebe Rennbahn?

Wahre Liebe ist gekommen,
Hat die Scheue weggenommen,
Und es blieb mein guter Nahme
Auf der Liebe Rennbahn.

Ganz verwirrt bin ich geworden,
Ganz verwirret und berauscht,
Bin ohnmächtig ganz geworden
Auf der Liebe Rennbahn;

Immer wein' ich, lache immer,
Wische mir die Thränen ab;
Weißt nicht, was aus mir geworden
Auf der Liebe Rennbahn?

Thalib ist erstaunt von Liebe
Auf der Liebe Rennbahn,
Wahnsinnig ist er geworden
Auf der Liebe Rennbahn.

 

Ist Diwitschisade Scheich Mohammed Efendi; sein Vater war, wie sein Vornahme sagt, Tinterzeugmacher, und ein Jünger des großen Scheichs Mahmud von Skutari, von demselben als Stellvertreter nach Kastemuni gesandt, von wo er nach Constantinopel zurückkehrte, sich in die Laufbahn der gesetzlichen Ämter warf, 1061 (1650) als ein Äußerer, die Medrese Molla Hersek's erhielt und dann an der Überlieferungsschule zu Skutari befördert ward; i. J. 1067 (1656) gab er die Kanzel auf, und baute zu Bülbüldere (Nachtigallenthal), einem schönen Thale der Umgegend Constantinopel's, ein Kloster, an welchem der Scheich seinen Sohn zum Scheich auferzog; als solcher erhielt er die durch den Tod des Scheiches Ghassari erledigte Stelle, und starb 1090 (1679); er liegt an der Seite seines Vaters begraben.

 

 

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Literatur:
Geschichte der Osmanischen Dichtkunst
bis auf unsere Zeit
Mit einer Blüthenlese aus zweytausend, zweyhundert Dichtern
von Hammer-Purgstall
Dritter Band (von der Regierung Sultan Murad's III.
bis zu Ende der Regierung Sultan Mohammed's IV. 1574 - 1687)
Pesth, 1837
Conrad Adolph Hartleben's Verlag

(Seite 553)