Aus der Geschichte

der Osmanischen Dichtkunst

von  Joseph von Hammer-Purgstall (1836)



Scheich Wefa
gest. i. J. 896 (1493)

 

Mit der Liebe verzehr' Allliebender meine Gebeine,
Bis der ganze Leib Asche geworden und Staub.
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Ob des Paradieses nur
Anzubethen Gottes Licht,
Ist nur niedriger Natur
Und gefällt Herzkund'gen nicht.
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Scheich Wefa oder Wefasade, d.i. der Sohn der Treue; dieß ist der Nahme des Gotteskundigen Scheichs Moßliheddin Mustafa aus Ikonium eines Jüngers des berühmten Scheichs der Gärber, von dem er in den Dienst des Scheichs Abdullatif El-Kudsi's überging. Er war ein Mann von großer Beredsamkeit und erfahrener Tonkünstler, zu dessen Zelte sich zu Constantinopel Alles drängte, doch wies er oft die Größten und Mächtigsten von seiner Zelle ab, so Sultan Mohammed den Eroberer selbst und dessen Sohn Bajesid.
Bajesid sandte ihm 40000 Aspern zur Ausstattung seiner Tochter; Wefa nahm sie nicht an, sondern sandte sie dem Scheich Muhijeddin Al-Kotschewi, der ein ärmerer sey als er. Seine Grabstätte ward bald zum Wallfahrtsorte und Bajesid baute an derselben die Moschee, nach welcher noch heute der Platz der Wefa's heißt.

 

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Literatur:
Geschichte der Osmanischen Dichtkunst
bis auf unsere Zeit
Mit einer Blüthenlese aus zweytausend, zweyhundert Dichtern
von Hammer-Purgstall
Erster Band
von der Regierung Sultan Osman's I. bis zu der Sultan Suleiman's
1300 - 1521
Pesth, 1836
Conrad Adolph Hartleben's Verlag

(Seite 317)