Betty Paoli (1814-1894) - Liebesgedichte

Betty Paoli

 

Betty Paoli
(1814-1894)

 

An ***

Wie süß du meiner Seele bist,
Ich weiß es nicht zu sagen!
Was still in meinem Innern sprießt,
Will nicht an's Licht sich wagen.
Vom Lenze, der in meiner Brust
Geweckt ein neues Leben,
Vermag ich, wollend und bewußt,
Den Schleier nicht zu heben.

Es sei! Wozu versucht ich auch
Ihn absichtsvoll zu lüften?
Du merkst den warmen Frühlingshauch
An seinen linden Düften.
In meinen feuchten Augen siehst
Du Licht des Morgens tagen -
Wie süß du meiner Seele bist
Brauch' ich dir nicht zu sagen!
_____

 

Ersatz

Ich seh dich endlich, endlich wieder -
Dein träum'risch süßes Angesicht!
Ich höre deiner Stimme Lieder -
O das Entzücken tödtet nicht!

Ich lieg' in deinen treuen Armen,
Du pressest mich an deine Brust;
In sel'ger Freude Gluterwarmen
Sag' ich dir, was dir längst bewußt!

Und goldne Tage seh ich schweben
Aus ferner Zukunft dunklem Meer,
Vereinigt unser innerst Leben -
O daß es also, also wär'!

Wie viel und heiß ich auch gelitten
Durch eine lange, lange Zeit,
Mein Schmerz hat Herrliches erstritten:
Des Wiederfindens Seligkeit.
_____



Ja, es ist ein wunderbares Leben

Ja, es ist ein wunderbares Leben
Das in dir, durch dich mir aufgegangen!
Unbezwinglich nach dem Glück Verlangen,
Tiefster Demut freudig Sichbegeben!
Aus dem Strahle deiner Augensterne
Möcht' ich trinken ew'gen Lebens Fluten.
Ach und möchte doch nicht minder gerne,
Du Geliebter! dir im Arm verbluten!

Mich mit süßem Liebesband umstrickend
Hast du an die Erde mich gekettet,
Und dem Himmel hast du mich gerettet
Seine Ahnung tief in's Herz mir blickend.
Gleich gilt's, wie die Zukunft sich gestaltet,
Ob mein Auge lächelt oder weinet:
Eine Welt hast du in mir entfaltet
Die den Himmel mit der Erde einet!
_____
 

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von Betty Paoli




Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Betty_Paoli

 

 


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