Luise von Ploennies (1803-1872) - Liebesgedichte

Luise von Ploennies

 


Luise von Ploennies
(1803-1872)

 

Der goldne Stern


Der goldne Stern in meinen dunklen Nächten,
Bist Du!
Der Trost, mir zugesandt von Liebesmächten,
Bist Du!
Der Morgensaum von allen meinen Träumen,
Bist Du!
Die Liebesblüth' an meinen Lebensbäumen,
Bist Du!
Der Hoffnungsanker auf empörten Wogen,
Bist Du!
In Nacht und Grau'n der lichte Regenbogen,
Bist Du!
Die Rettungsspur auf einer öden Küste,
Bist Du!
Oase grün in einer weiten Wüste,
Bist Du!
Der Quell, an dem ich meine Hoffnung tränke,
Bist Du!
Die Well', in die ich all mein Leid versenke,
Bist Du!
Der letzte Strahl, eh' sich mein Auge schließet,
Bist Du!
Das Morgenroth, das einst mich droben grüßet,
Bist Du!

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Die Blume sehnt sich …


Die Blume sehnt sich nach des Lichtes Segen,
Es sehnt die glüh'nde Flur sich nach dem Regen;
Der Morgen sehnt sich nach der goldnen Sonne,
Der Abend sehnt sich nach der Ruhe Wonne,
Es sehnt die Nacht sich nach dem Glanz der Sterne,
Der Wandrer nach der Heimath in der Ferne,
Das Waisenkind nach seiner Mutter Brust,
Der arme Kranke nach des Himmels Lust,
Die stumme Harfe nach des Lieds Akkorden:
So sehn' ich mich nach deinen Liebesworten;
Sie sind für mich des Lichtes Himmelssegen,
Mein Herz erquickend, wie die Flur der Regen;
Sie sind für meiner Liebe Morgen Sonne,
Für meine Unruh' süßer Ruhe Wonne,
Für meine Nacht der sanfte Glanz der Sterne,
Heimath, für meine Sehnsucht in die Ferne,
Für mein verwaistes Herz der Mutter Brust,
Für meiner Seele Leid des Himmels Lust,
Für meines Herzens Saiten Harmonie,
Ertöne drum, o Liebesmelodie!

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Frauenliebe


Frauenliebe ist die Quell' im Thale,
Die, ob Eis sie noch so fest umschließt,
Bei dem ersten warmen Sonnenstrahle
Wieder reicher wallend, sich ergießt.

Frauenlieb' ist gleich dem Rosenstrauche,
Ob ihm Nord und Sturm die Blüthen raubt,
Bei dem ersten warmen Frühlingshauche
Hebt, auf's neu erblühend, er das Haupt.

Frauenlieb' ist gleich dem Abendsterne,
Scheint vergebens er auch tausendmal,
Ruhig harrt er in der blauen Ferne,
Bis ein liebend Aug' erkennt des Strahl.

Frauenliebe ist die Philomele,
Die verwundet auch im Käfich singt;
Frauenliebe ist die Frauenseele,
Die unsterblich über's Grab sich schwingt.

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von Luise von Ploennies

 


Gedichte aus: Gedichte von Louise von Ploennies
Darmstadt Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske 1844


Biographie:
Plönnies, L(o)uise von, geb. Leisler, * 7.11.1803 Hanau, † 22.1.1872 Darmstadt. - Lyrikerin, Epikerin, Dramatikerin, Übersetzerin.
Der 40jährigen Frau des Darmstädter Hofmedikus August von Plönnies eröffnete die Dichtkunst nach Geburt u. Großziehung ihrer neun Kinder eine Art zweiter Laufbahn. Mochten auch krit. Zeitgenossen ihre Gedichte als »nachempfunden« beurteilen (z. B. Abälard und Heloise. Ein Sonettenkranz. Darmst. 1851), sie fanden, wie auch P.' Romanzen, epische Dichtwerke (Die heilige Elisabeth. Ffm. 1870) u. geistl. Dramen (Ruth. Gotha 1869. Maria Magdalena. Heidelb. 1870. David. Ebd. 1873), ein breites u. treues Publikum. Verdienstvoll war ihre Vermittlung engl. Lyrik, an der sie sich schulte: Britannia. Eine Auswahl englischer Dichter (Ffm. 1845) u. Englische Lyriker des 19. Jahrhunderts (Mchn. 1863. 21867). Ihre Förderung der fläm. u. niederländ. Dichtkunst (sie übersetzte 1845 Vondels Luzifer) wurde in ihrer Wahl zum Mitgl. der kgl. Akademie in Brüssel anerkannt.
Aus: Autoren- und Werklexikon: Plönnies, Louise von, S. 1. Digitale Bibliothek Band 9: Killy Literaturlexikon, S. 15348 (vgl. Killy Bd. 9, S. 189)

 

 


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