Hermione von Preuschen (1854-1918) - Liebesgedichte

Hermione von Preuschen

 


Hermione von Preuschen
(1854-1918)

 

So Deine Küsse


Abendwind in dunkler Rosen Blätter
Haucht und weht und Düftewogen wühlt,
So Deine Küsse!

Stachelbiene, die in Haideblumen
Sommerschwere, schwüle Süsse saugt,
So Deine Küsse!

Tiger, der in bange Menschenlippen
Seine wilden Todesfänge bohrt,
So Deine Küsse!

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Hoch über uns


Könnt ich bei dir, von deinem Arm umschlungen,
dir ganz die deinerfüllte Seele zeigen,
und dann, erlöst, wenn Gram und Leid bezwungen,
hinüberdämmern in das große Schweigen.

Nacht um uns her, - dein Blick wie Wetterleuchten
in meine Augen grell herüberzündend,
mit vollem Liebestrank die Lippen feuchten,
das tiefste Menschensein erschöpfend saugen.

Und dann … von Wunder still zu Wunder gleite
leise mein Ich, - vom Dunkel in das Dunkel,
das letzte Wissen: - endlich dir zur Seite,
hoch über uns der Venus Sterngefunkel.

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Sternennähe


Nur stammeln kann ich, nicht denken, nur fühlen,
fühlen so groß, so weltenweit,
nun hab ich ihn endlich, endlich, erklommen,
den höchsten Gipfel der Seligkeit.

Ich ruhe in deinen Armen gebettet,
hoch auf der Höhe, fernab vom Weh,
laß mich in Tiefen nicht zerschellen,
halte mich droben, in Sternennäh.

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Nil


Die Liebe ist wie der mystische Nil,
der aus dunkeln Gründen zum Meere fließt,
und die Ufer verheerend, ohne Damm, ohne Ziel
sich über die schauernden Lande gießt.

Und wenn verebbt der gewaltige Strom,
ein seliges Leben zu keimen beginnt,
eine Welt voll Blüten zum Himmelsdom
drängt sich, noch ehe die Flut verrinnt.

So ist die Liebe der mystische Nil,
ohne den meiner Seele Ufer verdorrt,
mit dem sie wächst zu göttlichem Ziel
und Blüten und Früchte trägt, fort und fort.

_____


Ich kann sie nimmer vergessen


Ich kann sie nimmer vergessen,
des Tages leuchtende Pracht,
wie über schwarzen Zypressen
der Himmel tiefblau gelacht.

Auf einem Pfühl indessen,
wir beide, wonnig erwacht,
- nach einer unermessen
seligen Liebesnacht!

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von Hermione von Preuschen

 


Gedichte aus: Via Passionis. Lebensbilder
von Hermine von Preuschen
Dresden und Leipzig Verlag Carl Reissner 1895
folgendes Gedicht:
Abendwind in dunkler Rosen Blätter (So Deine Küsse)
Aus: Flammenmal von Hermione von Preuschen
Zweite Auflage
Verlag Continent Theo Gutmann
Berlin-Charlottenburg [1903]
folgende Gedichte:
Die Liebe ist wie der mystische Nil (Nil)
Könnt ich bei dir, von deinem Arm umschlungen (Hoch über uns)
Nur stammeln kann ich, nicht denken, nur fühlen (Sternennähe)
Aus: Hermione von Preuschen: Kreuz des Südens. Gedichte. Berlin: Continent, o. J. [1907]
folgendes Gedicht:
Ich kann sie nimmer vergessen (Ich kann sie nimmer vergessen)


Biographie:
Preuschen, Hermi(o)ne von, * 7.8.1854 Darmstadt, † 12.12.1918 Berlin. - Lyrikerin, Erzählerin, Journalistin; Malerin.
Nach dreijähriger Ausbildung an der Kunstschule Karlsruhe unternahm P., Tochter eines höheren Verwaltungsbeamten, Studienreisen in viele europ. Länder. Mit ihren symbolistischen Kompositionen galt sie als Begründerin des sog. histor. Stillebens. Der Skandal um ihr Bild Mors Imperator 1887 - eine Anspielung auf den greisen Wilhelm I. - machte sie berühmt.
1888 erschien P.s erster Lyrikband, Regina Vitae! (Bln.), der Theodor Storm (ohne seine Kenntnis des Textes) gewidmet war; sein Urteil: »Das ist das Stammeln wilder Leidenschaft, in abgerissenen Tagebuchblättern.« Trotz der geteilten Meinung der Kritik über die in sentimental-subjektivem Stil verfaßten Gedichte waren P.s Rezitationsabende - hitzige »Deklamationen im Purpurgewande« (Lou Andreas-Salomé) - bei ihren Zeitgenossen sehr beliebt. Die vordringl. Themen der heute vergessenen Lyrik u. auch der zahlreichen Novellen sind Liebe u. Erotik.
Von P.s fünf Weltreisen (ab 1897, dem Todesjahr ihres zweiten Gatten, des Schriftstellers Konrad Telmann) zeugen ihre Reiseprosa u. ihre nicht ganz detailgetreue, postum veröffentlichte Autobiographie Roman meines Lebens (Bln./Lpz. 1926).
WEITERE WERKE: Tollkraut. Dresden/Lpz. 1893 (N.n). - Via Passionis. Lebenslieder. Ebd. 1895. - Astartenlieder. Zürich 1902. - Halbweiber. Bln. 1905 (N.n). - Perlenkrönlein. Autoanthologie. Dresden 1912 (L.).
Aus: Autoren- und Werklexikon: Preuschen, Hermione von, Digitale Bibliothek Band 9: Killy Literaturlexikon, S. 15486 (vgl. Killy Bd. 9, S. 228)


 

 


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