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Sibylle Schwarz
(1621-1638)
Ist Lieb ein
Feur / und kan das Eisen schmiegen /
bin ich voll Feur / und voller Liebes Pein /
wohrvohn mag doch der Liebsten Hertze seyn?
wans eisern wär / so würd eß mir erliegen /
wans gülden wär / so würd ichs können biegen
durch meine Gluht; solls aber fleischern seyn /
so schließ ich fort: Eß ist ein fleischern Stein:
doch kan mich nicht ein Stein / wie sie / betriegen.
Ists dan wie Frost / wie kalter Schnee und Eiß /
wie presst sie dann auß mir den Liebesschweiß?
Mich deucht: Ihr Herz ist wie die Loorberblätter /
die nicht berührt ein starcker Donnerkeil /
sie / sie verlacht / Cupido / deine Pfeil;
und ist befreyt für deinem Donnerwetter.
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Lieben ist nicht
müßig stehen /
Lieben lauffet Tag und Nacht;
ein verliebet Herze kracht /
und wil fast vohr Müh vergehen.
Liebe wird nicht faul gesehen /
Lieb' ist / wen sie schläfft und wacht /
auff der Liebsten Gunst bedacht /
sie läst alle Winde wehen /
nichts mag ihr beschwärlich seyn
als die schwäre Liebespein;
Lieben kan man Mühe nennen /
Amor ist ein feurig Joch /
und zu weilen laulecht doch /
sonsten würd eß viel verbrennen.
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Wie kan der
Liebe Joch doch süß und lieblich seyn /
weil manches Herze pflegt vohn ihren Schmertzen sagen /
und über ihre Last / und tieffe Wunden klagen?
wie ist dan süße das / das allen bringet Pein /
das wie ein starckes Gifft die Hertzen nimmet ein /
das manchen Helden würgt / ihr vihl auch heist verzagen?
wie kan uns das alsdan doch Frewd und Lust erjagen?
Nein / nein / der Liebe Tranck ist bitter Wermuhtwein.
Doch gleichwohl ist sie süß / weil vielen wird gegeben /
durch ihre Süßigkeit / ein angenehmes Leben.
Drüm / schließ ich / ist die Lieb ein angenehmes Leid;
(wiewohl eß selten kompt / daß wiedrig' Eigenschafften
an einem Dinge nuhr zu gleiche können hafften)
die Liebe heisst und ist die süße Bitterkeit.
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alle Liebesgedichte
von Sibylle Schwarz
Alle Gedichte aus: Sibylle Schwarz: Deutsche Poëtische Gedichte.
Faksimiledruck nach der Ausgabe von 1650.
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Helmut W. Ziefle.
Bern/Frankfurt a.M./Las Vegas: Lang 1980
Biographie:
Schwarz, Sibylle, * 14.2.1621 Greifswald, † 31.7.1638 Greifswald. -
Lyrikerin.
Das jüngste Kind einer Greifswalder Patrizierfamilie zeigte ungemein
früh dichterische Begabung. Der Vater, Christian Schwarz, pommerscher
Landrat, Ratsherr u. Bürgermeister in Greifswald, bekleidete während des
Dreißigjährigen Kriegs wichtige Ämter; die Mutter, Regina, geb. Völschow,
starb, als S. acht Jahre alt war. Die älteren Schwestern führten den
Haushalt u. sorgten für die Kleine. Über S.' gelehrte Erziehung ist
wenig bekannt. Aus dem Lateinischen u. Holländischen konnte sie ins
Deutsche übersetzen; die Poetiken der Zeitgenossen, etwa Opitz oder
Buchners, hat sie studiert, u. in der dt. Dichtung der Zeit war sie
belesen. Opitz war für sie Vorbild, u. ihm verdankt sie oft sowohl das
Thema als auch die Form ihrer Gedichte. S. gebrauchte die typischen
Gedichtformen des 17. Jh. - Sonett, Ode, stroph. Lied. Trotzdem sind
einige ihrer Gedichte in äußerst persönl. Ton gehalten. Einige der
Sonette nehmen einen spezifisch weibl. Standpunkt ein u. spiegeln das
Wissen der Frau um die Untreue des Geliebten. Am eindrucksvollsten sind
S.' Freundschaftsgedichte, U. a. diejenigen, welche die Zusammenkünfte
der Freunde u. Verwandten auf dem Familiengut »Fretow« feiern. Auch ein
in verschiedenen Versarten verfaßtes Susanna-Drama u. eine
Schäfererzählung, Faunus, sind unter ihren Werken. Noch nicht 18jährig,
starb S. am Hochzeitstag ihrer Schwester Emerentia. Erst nach zwölf
Jahren kamen ihre gesammelten Gedichte heraus. Obwohl von hervorragenden
Literaturkennern der folgenden Jahrzehnte gelobt, geriet ihre Dichtung
bald in Vergessenheit. Die Erstausgabe ihrer Werke bleibt eine Rarität.
AUSGABEN: Dt. Poëtische Gedichte. Hg. Samuel Gerlach. Danzig 1650. -
Ander Theil Dt. Poëtischer Gedichten. Hg. ders. Ebd. 1650. - Neudr.
beider Bde. Hg. Helmut W. Ziefle. Bern 1980.
Aus: Autoren- und Werklexikon: Schwarz, Sibylle, S. 2. Digitale
Bibliothek Band 9: Killy Literaturlexikon, S. 18129 (vgl. Killy Bd. 10,
S. 450-451)
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