Das Sonntagsgedicht

Geistliche Gedichte deutscher Dichterinnen
(vom 29. August 2010)

(c) Gerd Altmann Pixelio.de




Sophie Regina Gräf
(um 1715)

 

Verborgne Seelen-Triebe


ICh muß (ich weiß nicht was) vor ein Verlangen nehren,
Das matte Hertze seufftzt, die Seele qvälet sich,
Der sehnend krancke Geist begehret ängstiglich
Ein Labsal, daß nicht gar die Schmertzen ihn verzehren,

Und doch kan alle Welt mir keinen Trost gewähren,
Ich sehe, was ich will, so ist es wider mich;
Wo denckst du endlich hin, verirrte Seele! sprich,
Was deine Unruh kan in sanffte Ruhe kehren?

Es kan ja die Begier nicht von der Erden seyn,
Sonst würde derer Lust vielleicht dein Wünschen fügen,
Ach nein! das was du wilt, schließt nur der Himmel ein,

Dein Sehnen stillet nicht ein irdisches Vergnügen:
Da nun der Himmel nur befriedigt dein Verlangen,
So must du, Seele, auch nur an dem Himmel hangen.



                                                    


Gedicht aus: Deutschlands Dichterinnen.
Blüthen deutscher Frauenpoesie
aus den Werken deutscher Dichterinnen
der Vergangenheit und Gegenwart
ausgewählt von Karl Wilhelm Bindewald
Osterwieck / Harz o.J. [1895] (S. 350)

Bild: (c) Gerd Altmann Pixelio.de




 

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