Das Sonntagsgedicht

Geistliche Gedichte deutscher Dichterinnen
(vom 29. Mai 2011)

(c) Gerd Altmann Pixelio.de



Tranquilla Sophia Schröder
(1666-1697)


Inniges Verlangen nach JEsu

Mel.: Eins ist Noth, ach HErr

TRautster JESU, Ehren-König,
Du mein Schatz, mein Bräutigam!
Edler Hort, ach nur ein wenig
Richt dein Aug auf mich, mein Lamm!
Voll brünstiger Liebe und heissem Verlangen
Erwartet mein Hertz dich, mein Heil! zu umfangen;
Bereite mich, tilge die sündliche Art!
O JEsu! sey inniglich mit mir gepart.

Nichts, als dich, ich, HERR! erwehle,
Reinige nach deinem Sinn
Geist und Leben, Leib und Seele,
Nim mich dir gantz eigen hin.
Erwecke durch deine heilbringende Gnade
Mein Hertze, zu lauffen in göttlichem Pfade:
Nur dieses alleine, was köstlich vor dir,
Schaff, o mein HErr JEsu, und wircke in mir!

Quelle, die das Leben quillet!
Deiner Ströme Süssigkeit
Sey mein Labsal, so da stillet
Hertzens-Angst und Sünden-Leid;
Unendlicher Ausfluß der göttlichen Fülle!
Verbinde dich mit mir in heiliger Stille:
Rück alle Gedanken nur himmelwärts hin,
Trit unter die Füsse den irdischen Sinn.

In dir werd ich ja erquicket
Mit der reinen Engel-Lust,
So mich deine Liebe drücket
An dein Hertz und deine Brust.
Fried', ewige Liebe, Freud, hertzlichs Erbarmen
Trenckt, tröstet, ergetzet und sättigt mich Armen:
Ein volles Meer deiner unendlichen Güt,
Mein JEsu, ergeusst sich itzt in mein Gemüth.

Liebster! hilf, daß ich auch treulich,
Unverrückt im Glaubens-Lauff,
Dieses Kleinod, das sehr heilig,
Still und klüglich hebe auf:
Es mögen alsdenn gleich die Kräfte der Höllen
Mit ihrem Anhange sich wider mich stellen,
Geist, Kraft, Macht und Stärcke legt JEsus mir bey,
Er selber hilft siegen und machet mich frey.

Lauter Wohllust mich nun trencket,
Das, was mich ergetzt allein,
Ist in JEsu mir geschencket,
Könt auch was erwünschter seyn?
Stimmt alle die Hertzen zusammen im Loben,
Licht, Leben, Heil, Gnade erscheinet von oben:
Vor allen hebt himmel-auf heilige Händ',
GOtt stärck uns! o JESU! hilf siegen ohn End'.



                                                    


Gedicht aus: Deutschlands Dichterinnen.
Blüthen deutscher Frauenpoesie
aus den Werken deutscher Dichterinnen
der Vergangenheit und Gegenwart
ausgewählt von Karl Wilhelm Bindewald
Osterwieck / Harz o.J. [1895] (S. 367)

Bild: (c) Gerd Altmann Pixelio.de




 




 

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