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Johanne Charlotte
Unzer
(1725-1782)
Die Liebe
Moliere
Je trouve, que le Coeur est ce qu'il faut gagner.
Du, würdige Liebe!
Verdienst es vor allen,
Daß man dich besinget.
Ihr größten der Dichter!
Singt nicht mehr von Schlachten,
Und blutigen Kriegen,
Und mächtigen Helden.
Lobt nicht mehr das Donnern
Der Mörser und Stücke,
Womit man die Felder
Und Lüfte erschüttert.
Ihr Helden, sucht Ehre,
Da siegreich zu streiten,
Wo mächtige Schönen,
Mit feurigen Blicken,
Und lächelnden Minen
Die Herzen bekriegen!
Erobert die Herzen
Der sprödesten Schönen!
Erreget da Liebe,
Wo Unschuld und Jugend
Die Herzen verhindert,
Die zärtliche Liebe
Zu wünschen, zu fühlen.
Könnt ihr denn die Herzen
Wie Schlachten gewinnen;
So seyd ihr unsterblich:
Eur Ruhm ist der größte.
So singt denn, ihr Dichter,
Von nichts als von Liebe!
Ihr mächtigen Helden!
Gebt Bogen und Pfeile
Nur Amorn zu streiten.
So seyd ihr verewigt!
©
Der Sieg der Liebe
De Voltaire
- Malheureux! qui n'en parle, qu'en Vers
Ich fühl in der Brust
Die zärtlichsten Triebe,
Den Ursprung der Lust,
Die göttliche Liebe.
Schon siegt der Affect!
Entzückende Schmerzen,
In Freude versteckt,
Erwachen im Herzen.
Es tobt in der Brust,
Bey Seufzern und Thränen,
Ein Vorwitz zur Lust,
Ein treibendes Sehnen.
So oft ich dem Witz
Zu lächeln befehle;
Durchdonnert der Blitz
Von Schrecken die Seele.
Wie Rosen verblühn,
So schwinden die Kräfte:
Wie Wetter aufziehn,
So schleichen die Säfte.
Doch, dennoch entreißt
Kein Zufall, kein Leiden,
Dem muthigen Geist
Die seligen Freuden.
Verzweiflung bedroht
Die Hoffnung vergebens:
Ich wünsche den Tod,
Zur Rettung des Lebens.
O glücklicher Krieg!
O fröhliche Stunden!
Ich habe den Sieg
Der Liebe empfunden.
alle
Liebesgedichte
von Johanne Charlotte Unzer
Gedichte aus: Aus: (Johanne Charlotte Unzerinn geb. Zieglerin)
Versuch in Scherzgedichten
Zweite veränderte und vermehrte Auflage
Halle im Magdeburgischen,
Verlegt von Carl Hermann Hemmerde 1753
Biographie:
Unzer, Johanne Charlotte, geb. Ziegler, * 27.11.1725 Halle, † 29.1.1782
Altona. - Lyrikerin.
Als Tochter des zum Pietismus neigenden Organisten Johann Gotthilf
Ziegler (1688 bis 1747) u. seiner Ehefrau Anna Elisabeth, geb. Krüger,
genoß U. die typische Erziehung der Töchter des Mittelstands, die sich
jedoch, neben Kenntnissen im Französischen, auf religiöse u. häusl.
Bereiche beschränkte. Ihr Interesse an Philosophie u.
Naturwissenschaften (wie an weltl. Literatur) verdankte sie dem Einfluß
ihres Onkels, des Mediziners Johann Gottlob Krüger (1715-1759), der in
Halle lehrte, v. a. aber dessen Schüler, ihrem späteren Ehemann Johann
August Unzer (geb. 1727), der schon als Student u. Magister eine
gewandte Feder führte. Als Musikschüler Zieglers hatte er Zugang zu U.s
Vaterhaus u. versorgte die Freundin mit Kollegheften, die er mit reichen
pädagog. Anmerkungen u. Illustrierungen aus der zeitgenöss. Literatur
versah. 1751 übernahm er eine Praxis im dän. Altona, wo er als
angesehener Arzt u. popularwissenschaftl. Schriftsteller 1799 starb.
Wann u. wo genau die Eheschließung (1751) erfolgte, ist unbekannt, U.s
Veröffentlichungen von 1751 erschienen jedenfalls noch unter ihrem
Mädchennamen. - Auf Betreiben ihres Onkels, der damals Prorektor in
Helmstedt war, wurde U. zum Ehrenmitgl. der Deutschen Gesellschaften in
Helmstedt u. Göttingen ernannt u. empfing aus seinen Händen 1753 den
Lorbeerkranz einer »Kayserlich gekrönten Dichterin«. Solche Ehrungen von
Frauen waren um die Mitte des Jahrhunderts nichts Außergewöhnliches
mehr; für die Verleger, die damit auf den Titelseiten Reklame machten,
wie für die Autorinnen selbst bedeuteten sie klingende Münze. - Seit der
Mitte der 50er Jahre dichtete U. nur noch selten. Das Bedürfnis
versiegte einfach, u. der finanzielle Anreiz interessierte die
wohlhabende Gattin Johann August Unzers wohl nicht mehr.
Der Grundriß einer Weltweißheit für das Frauenzimmer u. seine
Fortsetzung Grundriß einer natürlichen Historie und eigentlichen
Naturlehre, die Krüger unter dem Namen seiner Nichte 1751 bei seinem
Verleger C. H. Hemmerde in Halle erscheinen ließ, haben erst in jüngerer
Zeit Aufsehen erregt. Der gebildete Zeitgenosse kannte natürlich die lat.
Quellen u. wußte, auch aus dem scherzhaft-iron. Vorwort u. den launigen
Anmerkungen Krügers, daß von U. nicht einmal die Übersetzungen ins
Deutsche stammen konnten. Die vier Teile der Grundrisse bilden wenig
mehr als Abrisse der Logica von Christian Wolff, der Metaphysica von
Alexander G. Baumgarten, der Systema naturae von Linné u. der Naturlehre
(= Physik) von Krüger selbst (3 Bde., 1740-49). Von diesem u. Johann
August Unzer sind auch gelegentl. Zusätze. Schon in ihren Vorreden von
1751 (an denen Krüger sicher beteiligt war) hatte U. betont, daß der
Sache nach nichts von ihr stamme, nur die »Einkleidung des Vortrags«,
Beispiele u. Erläuterungen habe sie beigesteuert. In ihren Vorreden zur
zweiten Auflage (1767; die neue Vorrede zur Weltweißheit ist 1761
datiert!) nannte sie nicht nur ihre Quellen u. den Haupthelfer (ihren
Mann, von dem auch die meisten »Exempel und Verzierungen« herrührten),
sondern gestand auch freimütig, daß der systemat. Vortrag von Logik,
Metaphysik u. Physik nur wenig mit wahrer Frauenbildung zu schaffen habe
u. daß eine »Philosophie für das Frauenzimmer weit anders eingerichtet«
sein müsse; sie »wüntschte ietzt sehr, daß man mich nicht zu dieser
Unternehmung [...], der ich weder ietzt, noch vielweniger damals
gewachsen war, verleitet hätte«. Die Frage, was in diesen Grundrissen
überhaupt von U. stammt, ist bis heute ebensowenig geklärt wie die
Frage, wieviele Ausgaben davon existierten. Selbst das entschiedene
Eintreten für eine Frauenbildung in den Vorreden zur ersten Auflage ist
seit der Frühaufklärung, v. a. in den (Moralischen) Wochenschriften bis
hin zu Krüger u. Unzer, gang u. gäbe. - Der schalkhafte Einfall jedoch,
eine Frau als Lehrerin von Frauen auftreten zu lassen, wird dem Verleger
erhebl. Mehreinnahmen, der armen Zieglerin eine ansehnl. Mitgift
eingebracht haben.
Berühmt wurde U. erst durch ihren Versuch in Scherzgedichten, dessen
Vorrede sie mit ihrem Namen zeichnete. Eine Jungfer, die in Rokokoversen
vom trunkenen Bacchus, von Amor (»dem geilen Sohn der Venus«) u.
sonstigen Tändeleien singt, war natürlich eine Sensation u. wurde für
den Verleger Hemmerde zum Verkaufsschlager (21753. 31766; jeweils mit
unbekannt vielen Nachdrucken). In der Vorrede zur zweiten Auflage
vermutete U. dann auch selbst, daß diese Sammlung ihren Erfolg v. a. dem
Geschlecht der Autorin zu danken hatte. In den 30 Gedichten von 1751
stand Gleim mit seinem Versuch in scherzhaften Liedern (1744/45) als
Vorbild im Vordergrund; in den 29 neuen Stücken von 1753 trat Hagedorn
deutlicher hervor. Die alten Gedichte wurden sorgfältig verbessert,
manche Geschmacklosigkeit geändert, viele blieben jedoch auch stehen u.
neue kamen hinzu. Auffallend sind die reine Sprache u. die
Mannigfaltigkeit der Formen in Vers, Rhythmus u. Reim. Ihre Vorbilder
erreichte U. jedoch nur selten; am besten sind die Stücke, in die sich
empfindsamere Töne mischen. Genau da liegt auch der Wert des Versuchs in
42 sittlichen und zärtlichen Gedichten (Halle 1754.2., verbesserte,
jedoch nicht erw. Aufl. 1766). Die wenigen »sittlichen«, d. h. erhabenen
religiösen u. moralischen Gedichte halten sich ganz im Rahmen des
Konventionellen. Erst in den »zärtlichen« Gedichten, die »eine sanfte
Gemütsbewegung« ausdrücken, »die Sprache des Herzens reden« (Vorrede) u.
vornehmlich an Freunde u. den geliebten »Damis« (ihren Mann) gerichtet
sind, zeigt die Dichterin wieder ihr Bestes u. Persönlichstes. Ihr
Gesamtwerk (rund 125 Gedichte) gehört aber nur zu den zweit- u.
drittrangigen Leistungen der Zeit; mit der urspr. dichterischen Potenz
z. B. einer Karschin läßt sich U. nicht vergleichen.
Autoren- und Werklexikon: Unzer, Johanne Charlotte, S. 5. Digitale
Bibliothek Band 9: Killy Literaturlexikon, S. 20178 (vgl. Killy Bd. 11,
S. 496)
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