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Japanische Liebeslieder
Ich schmiege mich an dich,
Geliebter,
Und traue dir so fest, wie man
Sich einem großen Schiff vertraut.
Ich denke deiner lang und länger,
Wie Efeuranken lang und länger
Am Boden kriechen.
O, daß uns nimmer Unheil träfe!
Drum schlinge ich die Ärmelschlinge
Aus Yufuzeug mir um die Schultern
Und stelle Weihgefäße auf,
Und zu den Erd- und Himmelsgöttern
Bet ich in meiner höchsten Not.
(S. 7)
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Drüben am Ufer steht mein
Schätzlein,
Hüben am Ufer stehe ich, rastlos
Angetrieben von brennender Sehnsucht,
Rastlos und traurig seufzend.
Ach wenn ich ein rot-lackiert Schifflein doch hätte,
Ach wenn ich ein kleines Ruder besäße,
Mit Edelsteinen besetzet!
Dann führ' ich hinüber,
Zu plaudern mit dir.
(S. 7)
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Zwar hat die Mutter mir gar
streng verboten,
In deinem Arm zu schlafen, o Geliebter,
Von dem mir das Orakel doch verheißen,
Daß ich mit dir zusammentreffen soll;
Wenn ich ins grenzenlose mich verliere
So wie das Wasser, das auf Lotosblättern
Des Teichs von Tsurugi sich angesammelt.
So wie der Teich des Teiches von Kiyosnu!
Ist lauter klar mein Herz, und nimmer werd' ich
Im Grunde meines Herzens, das so tief ist
Als wie der Grund des Teiches, dein vergessen,
Bis daß ich dein bin, ganz mich dir ergebe.
(S. 6-7)
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Hätt' ich gewußt, daß du,
Mein Liebster, würdest kommen,
So hätt' im Garten,
Wo schlechtes Klebkraut wuchert,
Dir Perlen ich gestreut.
Antwort:
Wozu denn braucht es
Ein perlenbestreutes Haus?
Auch eine Hütte
Mit Klebkraut tut Genüge,
Ist nur das Liebchen bei mir.
(S. 8)
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O liebliche Tamana, Mädchen
von Suye,
Mit schwellendem Busen, mit Lenden so schlank
Wie der schlanke Leib einer Biene!
Ihr Antlitz strahlet von prächtiger Schönheit,
Und wenn sie so dasteht, blumengleich
Mit reizendem Lächeln, so gehen die Leute,
Die des Weges ziehn, mit nichten vorüber,
Und ungerufen kommen sie näher
Und stehn vor dem Tore.
Herr Nachbar nun vollends im Nebenhause,
Der scheidet sich schleunigst von seinem Weibe
Und händigt der Liebsten die Schlüssel des Hauses.
Vernarrt in die Schöne sind sämtliche Männer,
Und sie - - sie gibt sich ihnen gar schmiegsam
Und lebet in üppiger Wollust.
(S. 7)
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Er naht sich nicht!
Vergebens ist mein Harren!
Des wilden Kranichs Schrei dringt an mein Ohr,
Die Nacht ist schwarz und öde, und mit Knarren
Bewegt im Sturmgebrause sich das Tor
So muß ich stehn und trauern,
Dieweil in kalten Schauern
Der Schnee mich rings umfliegt
Und feucht in weißen Flocken
An mein Gewand sich schmiegt.
Schon ist's zu spät! er kann sich nimmer zeigen,
Und dennoch hoff' ich sicher, ihn zu sehn -
Ein solch Vertraun ist auch dem Schiffer eigen,
Wenn wild ringsum die Todesstürme wehn.
Und kann ich nicht im Wachen
Ihn kosen, mit ihm lachen,
So sei's ein Traumgesicht,
Das mir mit süßem Truge
Den Bann der Trennung bricht.
(S. 8)
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Wieder trügrisch war der
Traum,
Daß ich schlief in deinen Armen!
Rieb ich mir die Augen kaum,
Muß ich, Ärmster, ganz verlassen
In der Trennung Schmerz mich fassen.
Ob ich Hoffnung hege
Oder Trübsinn pflege,
Ruhe findet nimmer
Mein gepreßtes Herz.
Ist der Weltenplan so traurig,
Daß ich nie, mein Lieb, dich wiedersehe,
Muß ich in die Berge, wild und schaurig,
Aus der Menschen Umkreis muß ich eilen
Einsam in der Einsamkeit verweilen.
Wird mich niemand missen,
Soll's auch niemand wissen,
Daß von deiner Lieb' ich träume,
Deinen Küssen.
(S. 8-9)
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Hab' ich doch heut den
ganzen Tag,
Solang' die rote Sonne scheint,
Und gestern, seit die Mitternacht
Mir schwarz das wache Aug' umstarrt,
Vor Schmerz getobt, vor Wut geweint.
Hast du in jener Hütte nicht
[Warum hat man sie nicht verbrannt?!]
Auf alten Matten Strohgeflecht
[Fast für den Kehrrichthaufen reif]
Des Bauernmädchens plumpe Wangen
Geküßt, geherzt, in Lieb' umfangen?
(S. 9)
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Über die Brücke mit
purpurnem Lack geschmückt,
Die Katashiwas rauschenden Strom überbrückt,
Geht tripperlnden Schritts eine zarte Maid
In blauen, rotgeränderten Kleid
Ganz ohne Geleit! - O wenn ich doch wüßt',
Ob frei noch Herz und Hand ihr ist
Oder ob schon ein Freier sie weggefangen.
Gleich sagt, wo sie wohnt!
Vielleicht sich's noch lohnt,
Und ich kann mir die Schöne noch selber erlangen.
(S. 9)
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Wer gab der Liebe
Den Sondernamen "Liebe"?
Er hätte einfach
Sie "Sterben" nennen können,
Denn Lieben, das ist Sterben.
(S. 9)
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Ach, die zu lieben,
Welche mich nicht liebt,
Ist eitler noch,
Als wollt' ich Zahlen schreiben
Auf Stromes flücht'ger Fläche.
(S. 9)
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Daß man die Herzen
Einmal vertauschen könnte!
Wie Liebe schmerze,
Die nicht erwidert wurde,
Das sollt' er dann erfahren.
(S. 10)
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Wenn wie der Schnee dort
Sich häuften die Nächte, da
So möcht' ich, daß wie dieser
Ich selbst auch bald zerschmelze.
(S. 10)
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Nacht ist's, des Liebsten
wart' ich
Und höre, wie die Glocke
Die Flucht der Stunden kündet!
Der Hahnenschrei, der glücklich Liebende
Zum schweren Abschied ruft, was ist er doch
Mit meinem hoffnungslosen Leid verglichen?
(S. 10)
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Aus: Der
Völker Liebesgarten Leipzig Verlag Julius Zeitler 1909
(Gesammelt und herausgegeben von Paul Seliger)
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