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Dänische Liebeslieder
Der Ritter Aage und Jungfrau Else
Das war der Ritter Herr Aage,
Der ritt zur Insel weit,
Verlobte sich Jungfrau Else,
So eine schöne Maid:
Verlobte sich Jungfrau Else
Mit rothem Golde werth;
Darnach am Monatstage
Lag er in schwarzer Erd.
Da war der Jungfrau Else
Ihr Herz von Sorgen wund,
Das hörte der Ritter Herr Aage
Tief unter schwarzem Grund;
Da nahm der Ritter Herr Aage
Den Sarg auf seinen Rück,
Schwankte zu ihrem Kämmerlein:
Ihm selbst ein schwer Geschick.
Er klopft' an die Thür mit dem Sarge,
Weil er kein Kleid hat an:
"Hör du, Jungfrau Else,
Schließ auf deinem Bräutigam."
Da sprach die Jungfrau Else:
Ich schließ meine Thür nicht auf,
Bis du kannst Jesu Namen nennen,
Wie du gekonnt sonst auch.
"Jedmal du dich freuest,
Und dir dein Muth ist froh,
Da ist mein Sarg gefüllet
Mit Rosenblättern roth:
Jedmal du bist voll Sorgen,
Und dir ist schwer dein Muth,
Da ist mein Sarg gefüllet
Ganz mit geronnen Blut."
"Es kräht der Hahn, der rothe,
Da will ich fort ins Grab:
Ins Grab müßen alle Todten,
Da folg ich mit hinab.
Schaue du zu dem Himmel
Und zu den Sternlein auf,
Da kannst du schauen, wie sachte
Die Nacht wird ziehn herauf."
Das war die Jungfrau Else,
Die schaute die Sternlein an:
Ins Grab versank der Todte,
Gar nimmer sie ihn sah.
Heim ging die Jungfrau Else,
Ihr Herz von Sorgen wund;
Darnach am Monatstage
Lag sie in schwarzem Grund. (S. 73-74)
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Liebes-Gespräch am Fenster
Es war spät am Abend und der Thau fiel schon herab,
Da lüstet' es den Herzog Heinrich zu schlagen seine goldene Harf'.
Da oben an den Bergen!
Außen stand die Jungfrau Malfred und horchte da auf die Tön':
"Gott gebe, daß Herzog Heinrich nun wollte zu uns gehn!"
"Er sollte nimmer schlafen, als nur in den Armen mein,
Er sollte nimmer trinken, als nur den klaren Wein."
Das war ihre liebe Pflegmutter, die sprach zu ihr die Wort:
Schweig stille Jungfrau Malfred, sonst leidst du darum Spott.
Und bist du noch so kleine und bist so jung eine Maid:
Dein Vater will dir nicht geben einen Mann als erst in Jahren drei.
"Und laß mich seyn so kleine, so jung als ich nun bin:
Und würd er mein heut Abend, ich wollt' ihn haben recht lieb."
Nicht wußt die Jungfrau anders, als sie wären beid' allein,
Aber außen stand Herzog Heinrich, horcht' auf ihr Reden fein.
Außen stand der Herzog Heinrich, und diese Worte sprach er:
Wohl dir, Jungfrau Malfred, hast du mich lieb so sehr.
Das war spät am Abend und hernieder fiel der Thau,
Da leitete der Herzog Heinrich aus dem Stall sein Rößlein grau.
Das war spät am Abend, der Thau trieb über die Zinnen,
Da lüstet' es Herzog Heinrich die stolze Malfred zu finden.
Sein Roß sattelt' er sich selber, und ritt dann fort allein,
Er nahm nicht Gesellen und Buben mit sich; denen durft' er trauen klein.
Einen Sattel von Silber, einen Zaum von Gold, legt' er auf sein Roß
fürwahr,
So ritt er den kleinen grünen Stege hin, wo der Jungfrau Kämmerlein war.
Steh nun auf, Jungfraue Malfred, in deinen Saal laß mich nun ein,
Ich bin der Herzog Heinrich, der allerliebste dein.
"Ihr seyd ein gewaltiger Herre, rathet über Burgen und Festen:
Ich kann mir nicht rathen heut Abend vor solchen reichen Gästen."
Was aber kümmert mich dein Meth, was kümmert mich dein Wein?
Leg mich in deine weiße Arm, nenn' mich den allerliebsten dein.
"Leg ich dich in den weißen Arm, sag mein Allerliebster zu dir:
Hört das mein lieber Vater, gar sehre zürnt er mir."
Und daß ich reden wollt mit dir, hab' ich gesprengt mein Roß hierher:
Läßt du mich nicht heut Abend ein, du gewinnst mich nimmermehr.
"Ich sorg nicht um dein graues Roß, und um sein schlechtes Glück:
Mich kümmert mehr meine Ehre, und Spott hinter meinem Rück."
Du steh auf, stolz Malfred, und laß mich schnell zu dir ein,
So reit' ich zu deines Vaters Burg und bitte um dich fein.
"Habt Dank, Herzog Heinrich, Ihr kommt doch nicht herein,
Eh Ihr bittet Vater und Mutter und die Verwandten mein."
Fort ritt Herzog Heinrich, so zornig war sein Muth;
Alleine stand klein Malfred, so laut lachte sie dazu.
Hab Dank, Jungfraue Malfred, sie durft' zu dem Ritter so reden,
Er ritt an ihres Vaters Hof und bat um sie mit Ehren.
Hab Dank, Herzog Heinrich, er wollt' die Jungfrau lieben,
Er freite sie am Landestag mit all ihrer Freunde Willen.
Da gewann er die Jungfrau Malfred, weil sie ihre Ehre hät lieb:
Nun ist sie eine gewaltige Frau, sie herrscht über Burgen viel.
Da oben an den Bergen!
(S. 135-137)
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Liebesprobe
Die Kriegsmann liegen vor der Insel auf dem Meer,
Und streiten um eine schöne Jungfrau so sehr.
Sie gelobt ihm ihre Treue!
"Ich darf setzen drauf mein Gold so roth:
Klein Christel kümmert nicht Herr Nordmanns Tod.
Ich darf setzen drauf meinen weißen Hals:
Klein Christel ist gegen Herr Nordmann ohn' Falsch.
Herr Nordmann stand und hört' ihr Wort:
Ich will prüfen beider Red sofort.
Herr Nordmann kleidete sich in Seide roth,
Und legte sich nieder, als wär er todt.
Die Königsmann steuerten ihr Schiff ans Land,
Klein Christel ging auf weißem Sand.
"Seyd willkommen, all ihr Königsmann:
Was hat Euch der Krieg zu Leid gethan?"
Das hat uns der Krieg zu Leid gethan,
Daß wir verloren so tapfer einen Mann.
Wir haben verloren so fein einen Mann:
Er heißt der junge Herr Nordmann.
Klein Christel da steht und die Wort anhört;
Sie fällt zehnmal ohnmächtig zur Erd.
"Und ist es wahr, daß Herr Nordmann todt,
So bau ich über ihn eine Kirche so roth."
"Die Mauer von grauem Marmorstein,
Das Grab von weißem Wallfischbein."
"Seinen Sarg laß ich mit Silber beschlagen,
Und drauf setzen güldene Buchstaben."
"Die sagen jedem, der tritt heran:
Hier liegt klein Christels Bräutigam."
Herr Nordmann nicht länger konnt' dulden ihren Schmerz,
Stand auf und zog sie zehnmal ans Herz.
Hab Dank, Herr Nordmann; er hält seine Treue so sehr:
Seine Hochzeit ließ er feiern mit Ehr.
Hab Dank, du schönes Jungfräulein,
Daß du gehalten Lieb und Treue dein.
Nun hat die Jungfrau überwunden ihren Harm,
Sie schläft alle Nacht in Herr Nordmanns Arm.
Sie gelobt ihm ihre Treu!
(S. 212-213)
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aus: Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen
übersetzt von Wilhelm Carl Grimm [1786-1859]
Heidelberg bey Mohr und Zimmer 1811
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